Lada
Budget-Autos gibts auch von Lada

Mit dem Granta haben hat der russische Hersteller Lada eine Limousine mit riesigem Kofferraum im Programm.

Markus Chalilow
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Lada Granta

Lada Granta

HO

Lada, der Markennamen des russischen Autobauers AwtoWas, ist in der Schweiz nicht wirklich bekannt. Höchstens das Modell Niva (welches nun nicht mehr so heissen darf, weil sich General Motors die Namens rechte ergattert hat) fand eine gewisse Verbreitung in der Schweiz. Der sehr geländetaugliche 4x4 Taiga, so heisst er, seit man den Namen Niva nicht mehr nutzen darf, war vor allem in ländlichen Gebieten recht beliebt. Nun kommt also der Granta in die Schweiz. Eine kompakte viertürige Limousine, welche zu Preisen ab rund 13'500 Franken zu haben ist.
Angetrieben wird das Auto aus Toljatti an der Wolga (benannt nach dem italienischen Politiker Palmiro Togliatti, dazu später mehr) von einem quer eingebauten Reihenvierzylinder mit einem Hubraum von 1,6 Litern. Der Benziner leistet 87 PS und verfügt über ein maximales Dreh moment von 140 Nm. Bescheidene Daten, aber der Lada wiegt auch nur 1135 kg. Und dank des gut abge stuften, mittlerweile leicht zu be dienenden Fünfgang-Getriebes ist der Granta keine lahme Ente. Das Fahrwerk ist auf Komfort getrimmt. Die langen Federwege schlucken so ziemlich alles, was dem Russen unter die Räder kommt. Allerdings ist im Gegenzug die Seitenneigung der Karosserie in Kurven stark ausgeprägt und die Dämpfung etwas lasch. Doch ein Sportwagen will der Granta ja nicht sein. Es ist ein Transportmittel, und diese Aufgabe erledigt das Auto gut. Nicht zuletzt wegen des riesigen Kofferraums, der mindestens 480 Liter fasst. Wem das nicht reicht, kann zusätzlich noch die Rückbank abklappen.
Innen ist der Lada – sagen wir es einmal so – nüchtern gehalten. Viel Hartplastik (mit entsprechenden Ausdünstungen), einfache Bedienung und robuste Materialien herrschen vor. Immerhin gibt es zwei Airbags und ein elektronisches Stabilitätsprogramm sowie einen einfach gehaltenen Bordcomputer. Mehr brauchts nicht, jedenfalls nicht, wenn man Autofahren von seiner pragmatischen Seite mag. Das 426 cm lange Auto soll im Schnitt 6,6 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen und 155 g CO2/km ausstossen. Er rollt auf 14-Zoll-Rädern (175/65) und kann maximal 900 kg schwere Anhänger ziehen. Der Lada Granta 2190, so der offizielle Name, ist ab 13'650 Franken beim offiziellen Schweizer Importeur zu haben, der kleinen Firma Pacar aus Alterswil (www.lada.ch). Weil Lada wie einige andere Hersteller durch den Streit um die Kältemittel überrascht wurde, gibt es den Granta in der Schweiz derzeit nicht mit Klimaanlage.
Nach den Testfahrten ist klar, dass der Lada eine Alternative zum etwas kompakteren Dacia Sandero ist, der mit ähnlicher Leistung und Ausstattung ebenfalls rund 13 000 Franken kostet. Allerdings ist der Lada noch etwas rustikaler, mit etwas weniger Finesse gefertigt. Allein die mächtigen Türgriffe erinnern eher an landwirtschaftliche Fahrzeuge. Aber: Der Lada ist nicht ohne Charme. Die Geschicke von Lada liegen derzeit in fremden Händen. Im laufenden Jahr will Renault/Nissan – zu dem Konzern gehört auch Dacia – fast eine Milliarde Dollar in den Autohersteller investieren und dafür drei Viertel der Aktien übernehmen. Und auch General Motors betreibt seit 2001 noch ein Werk zusammen mit den Russen.
Lada verwendete in den Anfängen (ab 1969) vor allem Technik aus Fiat-Modellen (Modell 124). Die Zusammenarbeit wurde von Palmiro Togliatti, dem damaligen Chef der kommunistischen Partei Italiens, massgeblich eingefädelt. Zu seinen Ehren wurde die Stadt Stawropol-Wolschskij anno 1964, dem Todesjahr Togliattis, in Toljatti umbenannt. 2012 verliessen rund 600 000 Autos das Werk, hinzu kommen noch rund 100 000 Fahrzeuge von GM-AwtoWas. Über die konkreten Pläne von Renault-Nissan mit den Autobauern von der Wolga sind derzeit noch keine Details bekannt.