Volvo/Toyota

Bringts der Stecker?

Toyota Prius Plug-in

Toyota Prius Plug-in

Kauf ich mir einen Benziner? Einen Diesel? Ein Elektroauto? Oder doch «nur» einen Hybrid? Vielleicht auch einen zum Aufladen an der heimischen Steckdose. Wir haben den Prius Plug-in von Toyota und den V60 Plug-in von Volvo getestet.

Bei Toyota setzt man traditionell auf einen Benziner als Verbrennungsmotor, Volvo kommt nun mit einem Diesel. Beide sollen extrem sparsam sein. Gemäss dem Fahrzyklus soll sich der Japaner mit 2,1 Liter pro 100 Kilometer begnügen. Der Volvo soll gar nur 1,8 Liter schlucken. Diese Werte werden im Labor ermittelt und sind mit Vorsicht zu geniessen. Aber, es ist grundsätzlich schwierig, einen Benzinverbrauch bei Plug-in-Fahrzeugen zu errechnen. Denn je öfter man die Steckdose darum bittet, die Akkus zu füllen, desto geringer ist der Benzin- oder Dieselverbrauch. Also haben wir versucht, eine typische Woche mit den beiden Fahrzeugen abzubilden. Und statt des Verbrauchs haben wir errechnet, was es den kostet, mit den beiden über mehrere Tage unterwegs zu sein.

Aber erst wollen wir fahren. Wir beginnen mit dem Toyota. Und der ist, wie bei einer Systemleistung von 136 PS (Drehmoment 207 Nm) nicht anders zu erwarten, nicht gerade ein Quell der Fahrfreude. Ein richtiges Vernuftauto eben welches es einfach nicht mag, wenn man es tritt. Aber einfach so einher rollen, das kann er richtig gut der Japaner. Angenehme Federung, ausreichend gute Sitze, kaum Windgeräusche, der Toyota hat durchaus auch Langstreckenqualitäten. Beim Volvo ist vieles anders. Das Auto ist zwar auch kein Sportler, aber er ächz nicht so, wenn mit dem Fahrer mal wieder die Pferde (oder die Ampere) durchgehen. Natürlich geht der Volvo besser, schliesslich sorgt ein Fünfzylinder-Turbodiesel und ein Elektromotor für eine Systemleistung von 242 PS Dauerleistung (Peak 282 PS) und ein maximales Drehmoment von 640 Nm. Doch, auch wenn der Volvo deutlich das schnellere Auto ist, auch er wirkt träge.  Aber Hybridfahrer wird das nicht stören.

Zum Thema Bedienung und Ergonomie gibt es nicht viel zu sagen. Toyota hat wie immer ungefähr eine Million Knöpfe und Schalter verbaut und Volvo - genau das Gegenteil. An beides gewöhnt man sich rasch. Allerdings geht der Schwede in Sachen Materialanmutung deutlich in Führung. In Führung geht er aber auch beim Preis. Er kostet mindestens 71'500 Franken und ist damit  fast 20'000 Franken teurer als der Toyota (ab 51'900 Franken).

Also, kommen wir zum Verbrauch. Beim Volvo haben wir für 478 Kilometer für genau 36 Franken Diesel verbraucht, was einem Schnitt von 4,18 L/100 km entspricht. hinzu kamen exakt 40,5 kW/h an Nachtstrom, der bei uns einem Betrag von 3,01 Franken entspricht. Zusammen ergibt das Kosten von fast genau 39 Franken. Beim Toyota sieht die Rechnung ähnlich aus. Auf 509 Kilometer verbrauchten wir Benzin für 35,70 Franken, zuzüglich 30,7 kW/h Strom was einen Gesamtbetrag von 37,90 Franken entspricht. Runtergebrochen auf 100 km haben wir für den Toyota 7,45 Franken ausgegeben, für den Volvo 8,15 Franken.

Obwohl an der Verbrauchsfront fast ein Unentschieden herrscht, gibt es für uns dennoch einen Gewinner. Den Volvo. Nicht weil er viel schneller ist als der Japaner. Auch nicht, weil er konventioneller aussieht. Nein, es geht hier ums erleben des Hybridantriebs. Ist der Akku voll geladen, kann man mit dem Volvo auch mal 40 Kilometer rein elektrisch unterwegs sein. Und zwar wirklich elektrisch. Die E-Maschine hat genügend Kraft, um den V60 einigermassen schwungvoll zu Beschleunigen. Mittels einer Taste kann man den gespeicherten Strom übrigens «blockieren», dann wird der Antrieb allein vom Diesel übernommen und man kann den Stromantrieb zum Beispiel nach der Autobahn in der Stadt nutzen. Dieses Feature hat der Toyota zwar auch, doch die Reichweite im Elektromodus ist viel geringer. Im Test waren es um die 15 Kilometer. Und, beim Toyota ist es nicht möglich, rein elektrisch im Verkehr mitzuschwimmen. Schon bei sehr geringer Last schaltet sich der Benziner im Bug zu. Zudem: Der Japaner ist ein reiner Fronttriebler, der Volvo hingegen ist ein virtueller Allradler. Denn die Elektromotoren wirken auf die Hinterräder. Auf Knopfdruck wird der Schwede als zum Auto mit «permanentem» 4x4.

Wer Fahrspass sucht, ist mit diesen beiden Fahrzeugen sicher nicht gut bedient. Doch wer andere Prioritäten setzt, kann sich die Anschaffung eines Plug-in durchaus erlauben. Den grossen Umweltschutz-Durchbruch wird man aber auch mit dieser Technologie nicht schaffen.

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