BMW i4
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Ende 2021 bringt BMW ein weiteres Modell mit E-Antrieb auf den Markt: den i4. Erste Testfahrt im Prototyp.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Noch getarnt: Prototyp des BMW i4 M50 mit Allradantrieb.

Noch getarnt: Prototyp des BMW i4 M50 mit Allradantrieb.

Bild: zVg

Der i3 war für BMW wohl auch so etwas wie ein Versuchsballon. 2013, schon weit vor dem grossen E-Auto-Boom, hatte der Konzern damit ein E-Auto auf der Strasse und konnte mit ihm Erfahrungen sammeln. Was man aus dem i3 gelernt hat: Teurer Leichtbau und eine eigens und ausschliesslich für ein Auto mit E-Antrieb ausgelegte Fahrzeugplattform sind gerade in massentauglichen Preissegmenten kaum rentabel.

Leichtbau kann bei einem Auto mit Verbrennungsantrieb den Verbrauch deutlich reduzieren, gerade im Stadtverkehr, wo man eben viel Energie verliert, wenn die hohe Masse immer und immer wieder beschleunigt werden muss. Bei einem Auto mit E-Antrieb kann dies aber zu einem grossen Teil kompensiert werden; denn beim Bremsen wird mit höherem Gewicht auch mehr Energie rekuperiert. Viel wichtiger ist beim Stromer die Aerodynamik, gerade wenn es darum geht, auch auf der Autobahn den Verbrauch tief und damit die Reichweite hoch zu halten. Deswegen kommt in den BMW-E-Autos der neueren Generation deutlich weniger teures Leichtbaumaterial zum Einsatz. Während der i3 noch auf einer eigenständigen Plattform basierte, baut BMW nun die Modelle mit E-Antrieb auf flexiblen Grundarchitekturen, wie sie auch für die Modelle mit Verbrennungs- oder Plug-in-Hybridantrieb genutzt werden. Das spart Kosten und erlaubt dem Hersteller höhere Flexibilität, um auf die Nachfrage des Marktes reagieren zu können.

Der neue i4, der ab Ende Jahr auf die Strasse kommt, basiert auf dem «konventionellen» 4er, allerdings in viertüriger «Gran Coupé»-Ausführung, was für die Modelle mit Verbrennungsantrieb noch nicht erhältlich ist. Optisch fällt vor allem die schwarze Fläche an der Front auf. Wo bei den Modellen mit konventionellen Antrieben ein grosser Kühlergrill sitzt, ist beim E-Auto die Front komplett verschlossen. Zudem verfügt der Stromer über versenkte Türgriffe zur Optimierung der Aerodynamik und über strömungsgünstig gestaltete Räder.

Das Einstiegsmodell mit Hinterradantrieb wird ab knapp unter 70 000 Franken zu haben sein.

Das Einstiegsmodell mit Hinterradantrieb wird ab knapp unter 70 000 Franken zu haben sein.

Bild: zVg

Am Heck sorgt ein Diffusor für möglichst glatten Luftstrom, wobei auch die fehlenden Auspuffendrohre helfen. Die Akkus wurden, wie es bei modernen E-Autos üblich ist, im Unterboden montiert und bieten eine Netto-Speicherkapazität von 83,5 kWh. Bei der Entwicklung der Akkus kam den Bayern die aus dem i3 gewonnene Erfahrung zugute. So konnte die Energiedichte um 20% gesteigert werden. Zudem ist der Akku so aufgebaut, dass einzelne Zellen bei einem Defekt ausgewechselt werden können. Der Stromspeicher soll zudem am Ende seines Lebenszyklus zu 90% wiederverwertet werden können. Doch zunächst einmal soll er für genügend Reichweite und schnelles Laden sorgen: Bis zu 590 Kilometer laut WLTP-Messung sollen es im Basismodell mit Hinterradantrieb sein; BMW rechnet hier mit einem Verbrauch von 16 bis 20 kWh/100 km. Geladen wird der Akku mit maximal 210 kW; so kommen in 10 Minuten bis zu 164 Kilometer Reichweite dazu.

Auch beim E-Motor konnte BMW die Leistungsdichte steigern; um 30% im Vergleich zum i3. So kommt die Maschine auf maximal 250 kW (340 PS) und 430 Nm Drehmoment. Der Sprint auf 100 km/h soll damit in weniger als sechs Sekunden erledigt sein. Wichtiger für die Effizienz im Alltag: Der Motor kann mit bis zu 116 kW rekuperieren und damit Energie in den Akku zurückgewinnen. Als stärkere Variante mit Allradantrieb bringt BMW den i4 M50 - und lanciert damit zum ersten Mal ein sportliches «M-Performance»-Modell mit elektrischem Antrieb. Dank zusätzlichem E-Motor an der Vorderachse stehen hier 400 kW (544 PS) und 795 Nm Drehmoment zur Verfügung. Der Sprint auf 100 km/h ist in weniger als vier Sekunden geschafft. Trotz stärkerer Rekuperation (bis 195 kW) liegt der sportliche Allradler etwas höher beim Verbrauch; die Reichweite ist mit 510 Kilometer entsprechend kleiner. Beide Modelle überzeugen bei der ersten Testfahrt mit sehr gutem Federungskomfort und hervorragender Geräuschisolierung, was das viertürige Coupé mit 470 Litern Kofferraum zum guten Reisewagen macht. Beim planen der Route mit passenden Ladestationen hilft die neueste Generation des BMW-Bediensystems mit grossem Touchscreen.

Bei sportlicher Fahrt wird das hohe Gewicht durch den tief liegenden Schwerpunkt gut kaschiert. Dank direkter Lenkung und unmittelbarer Beschleunigung fühlt sich der Wagen also durchaus sportlich und handlich an – trotz oder gerade wegen des elektrischen Antriebs.

BMW i4 M50
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BMW i4 M50
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