BMW
Bayrisches Best-of-Album

Mit dem kommenden 2er-Coupé baut BMW eine Hommage an die eigene Tradition.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Trotz Tarnung lässt sich die Front mit «Zwei-Augen-Gesicht» und Kühlergrill in klassischer Nierenoptik erahnen.

Trotz Tarnung lässt sich die Front mit «Zwei-Augen-Gesicht» und Kühlergrill in klassischer Nierenoptik erahnen.

Bild: zVg

Wie lange man noch Autos mit reinem Verbrennungsantrieb bauen kann, darf und will, ist schwer abzuschätzen. Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antrieb sind jedenfalls stark im Aufwind und verdrängen die klassischen Benziner und Diesel nach und nach. Solange solche Motorisierungen aber noch realisierbar und nachgefragt sind, will man sie bei BMW auch weiterhin anbieten. Gerade in den sportlichen Modellen, wie zum Beispiel dem 2er-Coupé, das im Frühjahr 2022 auf die Strasse kommen wird. Hier setzt BMW ganz bewusst auf reine Benzinmotoren; nicht obwohl das inzwischen schwieriger ist, sondern gerade deswegen. Bevor es nicht mehr geht, möchte man das selbst auferlegte Credo der «Freude am Fahren» nochmals in benzinbetriebener Form huldigen. So mutet der Zweitürer wie ein «Best-of-Album» aus Komponenten und Stilmitteln an, welche die sportlichen BMW-Modelle über die letzten Jahrzehnte bei Kunden und bei Fans beliebt gemacht haben. Das offenbart hinter verschlossenen Türen auch ein erster Blick unter die noch üppige Tarnung. Das Coupé trägt als Reminiszenz an den 2002 von 1968 eine Front mit zwei Scheinwerferaugen anstelle der heute an fast allen BMW-Modellen vertretenen vier Tagfahrleuchten. Auf der Haube fällt ein prägnanter Buckel auf – eine Referenz an den kraftvollen M3.

Lange Haube, kurzes Heck: Der kommende 2er von BMW.

Lange Haube, kurzes Heck: Der kommende 2er von BMW.

Bild: zVg

Auffällig sind aber vor allem die Proportionen: eine lange Haube und ein kurzes Heck mit kräftigen Radhäusern. Ein wichtiges Indiz dafür, was unter dem Blech zum Einsatz kommt. Denn im Gegensatz zum viertürigen 2er-GranCoupé, wo quer eingebaute Motoren und Front- oder Allradantrieb verbaut werden, kommt der Zweitürer noch nach klassischem BMW-Baumuster: Längs eingebaute Reihenmotoren und Hinterradantrieb, auf Wunsch gibt es Allrad. Dafür mussten die Entwickler in Kauf nehmen, dass das kleinste Coupé der Marke grösser wird: Rund fünf Zentimeter mehr Spurweite und Radstand sorgen auch für entsprechend grössere Abmessungen. Das liegt vor allem daran, dass hier die Plattform aus der grösseren 3er-Reihe zum Einsatz kommt. Nur so war es möglich, das Coupé als Hecktriebler zu bauen. Erfreulich ist, dass der neue 2er trotz grösserer Abmessungen nicht nennenswert schwerer wird als sein Vorgänger; es bleibt bei ungefähr 1500 kg in der Variante mit Zweiradantrieb und Vierzylindermotor – eine der beiden Versionen, die für die erste Testfahrt als noch getarnter Prototyp zur Verfügung stand. Die Technik entspricht aber bis auf ein paar Feinheiten bei der Abstimmung bereits dem Serienstand. Der 2-Liter-Motor leistet 245 PS und beschleunigt das Coupé dank 8-Gang-Automatik in 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Für ein kompaktes Sportcoupé schon absolut ausreichend – zumal sein wahres Talent nicht auf den Geraden, sondern in den Kurven zu finden ist. Die Lenkung bietet zwar noch keine messerscharfe Rückmeldung von der Strasse, funktioniert aber sehr direkt und vor allem präzise, was vor allem an der ausnehmend guten Balance liegt. Das Coupé verteilt sein Gewicht fast perfekt gleichmässig auf die beiden Achsen und wirkt dadurch sehr leichtfüssig. Zudem wirkt das Serienfahrwerk mit nicht verstellbaren Dämpfern ausgewogen; es hält die Seitenneigung in Kurven in engen Grenzen und hat genügend Spielraum, um auch auf gröberen Bodenwellen den Strassenkontakt zu behalten. Freude macht der kompakte Bayer vor allem, weil er seine Fahrdynamik nicht durch elektronische Tricks oder aufwendige technische Spielereien vorgaukelt, sondern aus guten Anlagen erzielt. Als i-Tüpfelchen serviert BMW auf Wunsch ein elektronisch geregeltes Sperrdifferential für die Hinterachse. Es verteilt die Kraft nach Bedarf zwischen den beiden Rädern und lässt den Wagen noch heckbetonter fahren – bis hin zum spielerisch kontrollierbaren Drift auf dem abgesperrten Testgelände.

Vorläufiges Topmodell wird der M240i, den es auf Wunsch auch mit Allradantrieb gibt. Durch den zusätzlichen Antrieb der Vorderachse und den 3-Liter-Sechszylindermotor kommen über 100 kg zusätzliches Gewicht ins Auto – dafür aber auch ein deutlich kernigerer Klang, mehr Leistung und Traktion. Mit 374 PS gelingt der Sprint auf 100 km/h in 4,5 Sekunden. Durch das Gewicht und den Allradantrieb liegt der Sechszylinder spürbar satter auf der Strasse und lässt sich dank verstellbarem Fahrwerksdämpfer auch besser auf den Untergrund anpassen. Vor allem aber bietet der M240i die einzigartige Faszination eines grossen Motors in einem kompakten Auto. Das heisst aber nicht, dass der M240i nur auf gerader Strecke für Freude sorgt. Der Allrad wird im Sportmodus extrem hecklastig; zudem sorgt auch hier eine elektronisch geregelte Sperre für perfekte Kraftverteilung. So fühlt sich der Allradler auf der Teststrecke fast wie ein Auto mit Heckantrieb an – nur mit mehr Traktion und Stabilität.

Das Coupé kommt im Frühling 2022 auf die Strasse.

Das Coupé kommt im Frühling 2022 auf die Strasse.

Bild: zVg

Mit dem kompakten Coupé wagt BMW also keine polarisierenden Experimente, sondern baut ein Auto, wie es sich die Fans der sportlichen Coupés aus München selbst zusammenwünschen würden. Und vermutlich auch ein Auto, wie es nicht mehr viele geben wird. Denn schon bald wird auch bei den sportlichen M-Modellen von BMW die Elektrifizierung einziehen. Den kommenden 2er als Abschiedsgruss für den reinen Verbrennungsmotor zu bezeichnen, wäre wohl verfrüht. Ein «Best-of-Album» aus der Coupé-Geschichte von BMW ist er aber auf jeden Fall – und diese erscheinen nun mal nicht zu Beginn einer grossen Karriere. Dafür ist ein Preis von vermutlich knapp unter 40000 Franken (M240i×Drive ca. 60000 Franken) durchaus fair.

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