Blick in die Zukunft

Audi bringt mit dem Q4 e-tron ein weiteres Modell mit Batterie-elektrischem Antrieb. Der kompakte Crossover im ersten Fahrbericht.

Philipp Aeberli
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Der Audi Q4 e-tron ist ab sofort im Handel; der «Sportback» mit Coupé-Heck folgt im September. Die Preise starten bei 47800 Franken (Heckantrieb, 170 PS, 306 bis 341 km Reichweite).

Der Audi Q4 e-tron ist ab sofort im Handel; der «Sportback» mit Coupé-Heck folgt im September. Die Preise starten bei 47800 Franken (Heckantrieb, 170 PS, 306 bis 341 km Reichweite).

Bild: zVg

Noch sind Autos mit reinem E-Antrieb in der Minderzahl, auch wenn sich deren Marktanteil in den letzten Jahren markant gesteigert hat. 2015 waren noch lediglich 1,6% aller neu verkauften Personenwagen rein elektrisch angetrieben, im ersten Halbjahr 2021 waren es bereits 9,9%. Bis die E-Autos die Mehrheit der Neuwagen ausmachen, wird es also noch eine Weile dauern – doch wird der E-Anteil laufend wachsen, alleine schon weil die Hersteller das Angebot in den nächsten Jahren massiv erhöhen. Audi will bis 2025 20 Modelle mit reinem E-Antrieb im Portfolio haben. 2026 will die Marke das letzte neue Modell mit Verbrennungsmotor auf den Markt bringen – die Modelle A3, A4 und A6 werden voraussichtlich keine Nachfolger mit fossilem Antrieb mehr bekommen. 2035 soll schliesslich der letzte Audi mit Benzin- oder Dieselmotor vom Band rollen. Der Weg ist also klar vorgezeichnet. Bis in spätestens 14 Jahren muss Audi also alle potenziellen Kunden davon überzeugen, dass ein Auto mit Batterie-elektrischem Antrieb die richtige Wahl ist – und muss in jedem relevanten Segment ein passendes Auto im Angebot haben.

Auf den grossen SUV «e-tron» und die sportliche Limousine «e-tron GT» folgt nun der «Q4 e-tron», ein kompakter Crossover mit E-Antrieb. Dass sich Audi beim dritten Stromer gerade für diese Kategorie entscheidet, ist kein Zufall: Kleine SUVs sind sehr beliebt und bieten ideale Voraussetzungen, um die Akkus im Unterboden zu verstauen. Der Q4 basiert auf dem «MEB», dem modularen Elektrobaukasten aus dem VW-Konzern. Die technische Basis teilt er sich also mit dem VW ID.4 und dem Skoda Enyaq. Das Batteriepaket liegt flach im Unterboden und speichert, je nach Ausführung, 51,5 oder 76,6 kWh netto. Das reicht für 306 bis 520 Kilometer Reichweite. Unüblich für einen Audi ist die Auswahl beim Antrieb: Die Basismodelle verfügen nämlich über einen Heckantrieb. Das Topmodell «50 quattro», welches in der Schweiz vermutlich am häufigsten verkauft werden wird, bekommt einen zusätzlichen E-Motor an der Vorderachse und wird damit zum Allrad. Die Leistung steigt damit von 170 oder 204 PS beim Heckantrieb auf 299 PS.

So ausgerüstet, fühlt sich der 2,1 Tonnen schwere Q4 beim Beschleunigen durchaus flott an. Vor allem, weil er seine Leistung ohne Verzögerung abliefert. Das fühlt sich erst recht souverän an, weil vom Antrieb im Innenraum kaum etwas zu hören ist. Selbst für E-Auto-Massstäbe ist es im Innenraum sehr ruhig, Wind- und Abrollgeräusche bleiben auch bei Autobahntempo dezent, was den Q4 sehr komfortabel wirken lässt. Dieser Eindruck setzt sich auch beim Fahrwerk fort. Hier hat Audi einen guten Kompromiss gefunden, um das durch die Akkus sehr hohe Gewicht gut unter Kontrolle zu halten, ohne den Insassen eine übertrieben harte Federung zumuten zu müssen. Die im Boden verbauten Akkus sorgen für einen tiefen Schwerpunkt, wodurch sich auch die Seitenneigung in Kurven in engen Grenzen hält. Zusammen mit der direkt abgestimmten Lenkung wirkt der Crossover also durchaus handlich, obwohl das hohe Gewicht stets präsent ist.

Digitaler Blick in die Zukunft

Im Innenraum fällt das neu gestaltete Lenkrad auf; es ist oben und unten leicht abgeflacht und verfügt über elegante Touchflächen, über die sich zahlreiche Funktionen bequem steuern lassen, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Allerdings reagieren die Schaltflächen oft etwas unvorhersehbar: Teils müssen Sie wie ein Knopf gedrückt werden, manchmal reicht eine leichte Berührung – womit man sie auch gerne einmal unbeabsichtigt betätigt. Eine simple, physische Taste wäre hier die einfachere Lösung, die für weniger Ablenkung sorgen würde.

Cockpit mit neu gestaltetem Lenkrad.

Cockpit mit neu gestaltetem Lenkrad.

Bild: zVg

Positiv fällt dafür das grossflächige Head-up-Display auf. Es projiziert die wichtigsten Informationen in die Windschutzscheibe, sodass man sie vom Fahrersitz in einer Entfernung von zehn Metern wahrnimmt. Besonders ist die «Augmented-reality-Funktion», welche zum Beispiel die Richtungspfeile für die Navigation passend auf die Umgebung legen kann, sodass man effektiv dem Pfeil folgt – fast wie in einem Videospiel. Damit der Pfeil auch bei voller Fahrt passend angezeigt wird, soll das System dank künstlicher Intelligenz bis zu 200 Millisekunden «in die Zukunft blicken» können, um die Verzögerungen von Kamera und Computer auszugleichen. Eine beeindruckende Spielerei – denn im Alltag dürften die bequemen Sitze, das gute Platzangebot auf der Rückbank und im Kofferraum und vor allem die Reichweite entscheidender sein. Auf der ersten Testfahrt über Landstrassen und Autobahn verbrauchte der Crossover rund 18 kWh/100 km; gut 400 Kilometer dürften also im Alltag machbar sein, womit der Audi gegen die wachsende Konkurrenz, hauptsächlich Mercedes EQA, Volvo XC40 und das kommende Model Y von Tesla, gut aufgestellt ist.

Am Heck fällt die durgängige Rückleuchte auf.

Am Heck fällt die durgängige Rückleuchte auf.

Bild: zVg

Audi Q4 50 e-tron quattro

Motor: 2× E-Maschine

Leistung: 299 PS/460 Nm

Antrieb: Aut. 1-Gang, 4×4

L×B×H: 4588×1865×1617 mm

Kofferraum: 520–1490 l

Gewicht: 2135 kg

0–100 km/h: 6,2 Sek.

Vmax: 180 km/h

Reichweite WLTP: 488 km

Preis: ab 61850 Franken

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