Auto

Blick hinter die Kulissen

Dezent getarnter BMW-Prototyp.

Dezent getarnter BMW-Prototyp.

Im November startet der BMW 128 ti. Wir durften die sportliche Variante bei den letzten Abstimmungsfahrten kennen lernen.

Auf den ersten Blick ist der neue 128 ti nicht mehr als eine zusätzliche Leistungsstufe zwischen den bisherigen Modellen 120i (178 PS, 39200 Franken) und M135i xDrive (306 PS, 58600 Franken).

Dass es sich BMW nicht so leicht gemacht hat, lässt schon die Zusatzbezeichnung «ti» erahnen. Das Kürzel steht für «Turismo Internazionale» und kürte schon in den 1960er-Jahren die besonders sportlichen Modelle, noch bevor die «M»-Modelle für sportliches Image sorgten. Um dem legendären Kürzel aus alten Tagen gerecht zu werden, hat man weit mehr Entwicklungsaufwand in Kauf genommen, als dies bei einer blossen Motorvariante der Fall wäre. Der neue «ti» soll ein Gegenspieler für sportliche Kompaktwagen à la VW Golf GTI, Hyundai i30 N oder Ford Focus ST sein. Das ungewöhnliche für einen BMW an dieser Sache: Der 128 ti ist das erste Sportmodell aus München mit Vorderradantrieb. Um trotzdem die «Freude am Fahren» zu bieten, die sich der Hersteller auf die Fahnen schreibt, war also einiges an Feinschliff nötig, auch wenn die Basis, die aktueller Generation des 1ers, schon gute Voraussetzungen mitbringt. Doch: Ein Modell wie der 128 ti war für die aktuelle 1er-Reihe ursprünglich nicht geplant.

Feinabstimmung am Ring

Seine letzten Erprobungsrunden absolvierte der 128 ti auf der legendären Nürburgring-Nordschleife. Mit leichter Tarnung dreht der Kompaktwagen dort seine Runden, um das Fahrverhalten abzustimmen und die Dauerhaltbarkeit sicherzustellen. An diesem Punkt hat der 128 ti bereits rund zwei Jahre Entwicklungszeit hinter sich und Hunderttausende von Testkilometern abgespult.

Die Prototypen, die für die erste Testfahrt zur Verfügung stehen, entsprechen schon zu fast 100% dem späteren Serienstand, sind aber aussen wie innen noch getarnt, um die spezifischen Details des «ti» noch nicht zu verraten. An Front und Heck sind dies Details in Rot, genauso wie im Innenraum, die beim Serienmodell aber auf Wunsch auch abbestellt werden können, sodass der 128 ti von aussen kaum von einem normalen 1er mit Sportpaket zu unterscheiden ist.

Erkennbar ist der Unterschied höchstens an der vergrösserten Bremsanlage, die der «ti» aus dem leistungsstarken Topmodell vererbt bekam. Unter dem Blech fallen die Veränderungen tiefgreifender aus. Das neu abgestimmte Fahrwerk legt den 1er um 10 Millimeter tiefer, zudem sorgen die Stabilisatoren und deren Lager aus dem M135i für bessere Kurvenlage und zusätzliche Verstrebungen für mehr Verwindungssteifigkeit und damit präziseres Fahrverhalten.

Im Vergleich zum Topmodell ist der 128 ti rund 80 kg leichter, was zum grössten Teil auf den weggefallenen Allradantrieb zurückzuführen ist. Dafür erhält er eine Differenzialsperre an der Vorderachse, um seine Leistung besser auf die Strasse zu bringen – und unerwünschtes Untersteuern zu reduzieren. Beim Motor handelt es sich im Grunde um eine gedrosselte Version des M135i-Motors, auch das 8-Gang-Automatikgetriebe ist identisch.

Sportlich aber nicht aufdringlich

Bei der ersten Ausfahrt wirkt das Konzept des 128 ti durchaus stimmig. Die geänderten Komponenten sind gut aufeinander abgestimmt, wodurch sich das Auto sehr harmonisch anfühlt. Vor allem ist es aber angenehm, wie der Kompakte seine Sportlichkeit präsentiert: Kein aufgesetzt lautes Auspuffdröhnen, kein bretthartes Fahrwerk und keine künstlich streng zu bedienende Lenkung. Stattdessen eine unaufdringliche, aber bestimmte sportliche Note. Der kleine Wagen dreht sich herrlich flink in Kurven ein, lässt sich zielgenau positionieren und bringt seine Kraft gezielt auf die Strasse. Schnell gewinnt man Vertrauen zum «ti» und konzentriert sich voll und ganz aufs Fahren, statt damit beschäftigt zu sein, das Auto zu beherrschen. Eine typische Fahrfreude, wie sie ein BMW bringen sollte – nur eben mit Vorderradantrieb.

Dass dies so selbstverständlich funktioniert, wird umso beeindruckender, wenn man den technischen Aufwand hinter dieser vermeintlichen Motorvariante in Betracht zieht.

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