Es gibt ja auch gute Gründe, weshalb die modernen Autos so schwer geworden sind. Sicherheit ist da ein wichtiges Thema, viel Elektronik, aber auch die Qualität. Und so kann man sich durchaus fragen, ob denn ein Automobil, das deutlich leichter ist als seine Konkurrenten, gerade in Sachen Qualität nicht vielleicht ein Problem haben könnte. Zumal es ja auch noch ein Citroën ist, eine Marke, die in der Vergangenheit nicht nur durch besonders saubere Verarbeitung überzeugen konnte. Nach knapp einem halben Jahr und 15’000 Kilometern sei vermeldet: keinerlei Probleme bisher. Nichts klappert, nichts scheppert, technisch ist alles in bester Ordnung. Und wir haben den Citroën wirklich nicht geschont, er war schon ganz im Norden von Dänemark, musste stundenlang unter Volllast über deutsche Autobahnen rennen, sich in engen italienischen Städten bewähren, an kalten Morgen früh aufstehen und sich an heissen Tagen durch lange Staus plagen. Und das bisher alles mit Bravour.

Citroën hat beim C4 Cactus vieles weggelassen, es gibt kaum Assistenz-Systeme und eigentlich keinen Luxus. Und doch: Es fehlt nichts. Das Bediensystem, das fast vollständig auf Schalter und Hebel verzichtet und stattdessen über einen grossen, zentralen Touchscreen funktioniert, kann man nur loben. Es ist einfach, es ist logisch, und man fragt sich, weshalb es in anderen Automobilen so viel komplizierter sein muss. Die Sitze sind zwar weich, doch gerade auf langen Strecken ausgesprochen komfortabel. Die Platzverhältnisse sind zwar nicht üppig, doch vier Personen samt Gepäck können bestens in die Ferien verreisen mit dem Franzosen. Und was richtig gut ist: der Antrieb. Der Dauertestwagen verfügt über den bekannten und bewährten 1,6-Liter-Diesel, 110 PS, als e-HDi bezeichnet. Der Selbstzünder versieht seinen Dienst ausgesprochen ruhig, auch ist der knapp über 900 Kilo schwere Citroën mit dieser Maschine alles andere als untermotorisiert. Auch deshalb nicht, weil das manuelle 5-Gang-Getriebe bestens auf den Motor abgestimmt ist, sein Drehmoment gut nützt. Doch die positivste Überraschung erlebt man an der Tankstelle: Im Schnitt verbrauchte der C4 Cactus bisher 4,3 Liter auf 100 Kilometer. Einen solch tiefen Wert haben wir bisher mit noch keinen konventionell angetriebenen Testwagen geschafft, und im Frühling dann, ohne Winterreifen und gut eingefahren, wird der Verbrauch wohl gar unter 4 Liter sinken. Das darf man getrost als hervorragend bezeichnen – und ist der endgültige Beweis dafür, dass sich das Gewicht sehr entscheidend auf den Verbrauch auswirkt.

Ausserdem: Der Citroën wird von der Umwelt sehr positiv aufgenommen. Nicht bloss, dass sich Cactus-Fahrer (wie einst die Döschwo-Piloten) auf der Strasse grüssen – Kinder lieben ihn, Fussgänger winken ihm zu, auch anderen Verkehrsteilnehmern huscht ein Lächeln übers Gesicht. Ja, optisch mag der Franzose durchaus gewöhnungsbedürftig sein, oft wird man auch gefragt, was die Plastikteile an der Seite sollen, doch die Unaufgeregtheit des Designs kommt gut an. Er ist kein Selbstdarsteller, der C4 Cactus, und ein bestimmtes Publikum schätzt genau das.

Mit einem Basispreis von 16’150 Franken ist der innovative Citroën auch preislich eine Alternative. Mit dem starken Diesel kostet der Franzose dann zwar stolze 10’000 Franken mehr – ein Aufpreis, den man trotz sehr geringem Verbrauch wohl kaum je wieder einfahren kann. Doch mit dem Selbstzünder kommt halt auch so etwas wie Fahrfreude auf: Der Cactus sieht zwar nicht so aus, doch er ist auch einer flotten Passfahrt nicht abgeneigt. Und auf der deutschen Autobahn bei Bedarf weit schneller unterwegs, als man ihm auf den ersten Blick zutrauen würde. Es ist aber in erster Linie erfreulich, dass Citroën den Mut hat, endlich wieder ein wirklich aussergewöhnliches Fahrzeug auf die vier (schmalen) Räder zu stellen. Dass sich dieses Konzept im Dauertest bisher so gut bewährt hat, zeigt auf, dass sich die Franzosen auf dem genau richtigen Weg befinden.