Hyundai

Aus Europa, für Europa

Hyundai i10

Hyundai i10

So, endlich. Nun darf auch noch das letzte Hyundai-Modell sein Plattenbau-Design abwerfen und ein modernes, ein europäisches Automobil werden. Der i10 sieht nun aus wie ein richtiges Auto und nicht mehr wie fahrende Dachpappe.

Nein, der ganz grosse Wurf ist der kleine i10 in Sachen Design nicht, man sieht viel Twingo II und kaum etwas, was neu ist, frech, witzig, aber das neue Modell ist um Welten besser als sein Vorgänger. Was allerdings auch keine grosse Kunst ist. Auch innen: viel besser. Fast sind wir versucht zu behaupten: gut. Noch werden da mehr verschiedene Materialien verarbeitet als etwa in einem Polo, aber das sieht anständig aus, gut gemacht, saubere Linien, ergonomisch absolut auf der Höhe. Gut gefällt zum Beispiel die Position des Schaltstocks, schön erhöht, perfekt in Reichweite. Man will bei Hyundai keine Bäume ausreissen, und das mag man schätzen, die Bedienung ist sehr konservativ, Handbremse in der Mitte, echte Türfallen. Die Sitzposition ist ziemlich hoch, aber auch grossgewachsene Insassen sitzen gut, zumindest vorne: hinten ist nicht viel Raum, und auch der Kofferraum, der leider nur über ein schmales Loch und eine hohe Ladekante zugänglich ist, brilliert nicht mit Übermass, 252 Liter sind eher an der unteren Grenze. Werden die hinteren Sitze abgeklappt, dann sind es maximal 1046 Liter, aber auch dann bleibt die zu hohe Ladekante.

Sehr angenehm: die Kopffreiheit. Man merkt im Gegensatz zu anderen Kleinwagen nicht, dass man in einem solchen sitzt. Zwar ist der neu i10 flacher geworden, um flotte 4 Zentimeter (Länge x Breite x Höhe: 3,67 x 1,66 x 1,50 Meter), doch er erscheint viel luftiger als bisher. Das Plus an Länge ist irgendwohin verschwunden, aber die zusätzliche Breite spürt man gut, es herrscht nicht mehr die Enge eines japanischen Vorortszuges in der morgendlichen Rushhour.

Das Fahrwerk? Man geht mit diesen kleinen, nicht übermotorisierten Dingern ja gern ein bisschen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, und das schreckt den Koreaner nicht, man kann ihn gut in die Kurve werfen - und kommt auch problemlos wieder raus. Und auch der Komfort ist mehr als nur anständig, das hat uns sogar positiv überrascht, feiner Geradeauslauf (Radstand 2,39 Meter), schön gefedert und gut gedämpft. Auch da haben die Koreaner grossartige Fortschritte gemacht in den vergangenen Jahren; allerdings hatten sie auch noch viel Luft nach oben. Der up! von Volkswagen ist vielleicht schon noch das agilere, aktivere Gefährt, aber viel fehlt da nicht mehr.

Zwei Motorisierungen stehen zur Wahl, ein 1-Liter-Dreizylinder mit 66 PS und ein 1,2-Liter-Vierzylinder mit 87 Pferden. Wir fuhren nur die stärkere Variante - und haben nichts zu mäkeln. Er bleibt angenehm ruhig, dreht schön hoch, hat zwar nur ein maximales Drehmoment von 120 Nm bei 4000/min, doch damit lässt sich gut leben, zumal der neue i10 mit dieser Motorisierung weniger als 950 Kilo wiegt. Kein bahnbrechender, aber ein guter Wert. Geschaltet wird manuell über 5 Gänge, aber das geht sich auch aus. Das Werk gibt für die stärkere Version einen Verbrauch von 4,7 Litern an: berauschend ist anders. Aber man darf davon ausgehen, dass die Koreaner dann da noch etwas nachreichen werden, was sparsamer ist (der 1-Liter steht bei 4,3 Litern, ausserdem gibt es noch eine Erdgas-Version).

Das endgültige Automobil ist Hyundai mit dem i10 sicher nicht gelungen, doch das gibt es ja auch bei der Konkurrenz nicht, das ist in diesem Segment wohl so gut wie unmöglich. Wir kennen jetzt den Preis noch nicht, aber man darf davon ausgehen, dass die Koreaner wie immer absolut konkurrenzfähig sein werden. In Sachen Preis und Leistung sind sie ja längst bestens etabliert im Markt, nun ist der kleine, in Europa entwickelte (und in der Türkei gebaute) i10 auch in allen anderen Bereichen noch angekommen auf dem europäischen Markt.

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