McLaren

Annäherung an Ferrari

McLaren 650 S

McLaren 650 S

Eigentlich ist der McLaren 650S nur ein aufgefrischter MP4-12C. Aber die Engländer haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Damit es klar ist: Der McLaren 650S ist nicht wirklich neu. Er trägt einen neuen Namen, das ist gut so, denn MP4-12C war unsäglich. Er trägt das Gesicht des P1, das ist auch gut so, zwei Modelle ergeben zwar noch keine Familie, aber so ein bisschen Wiedererkennungswert ist gut, gerade auf der deutschen Autobahn. Es wird aber noch ein paar Jahre und Modelle brauchen, bis die McLaren so etwas wie Überhol-Prestige haben.

650S gleich 650 PS. Die Maschine ist die gleiche wie im MP4-12C, es ist nur ein Software-Update, das mehr Pferde auf die Koppel treibt. Es ist auch für den MP4-12C erhältlich. McLaren will die bestehende, noch kleine Kundenschar nicht verärgern, deshalb gibt es fast alle neuen Teile am 650S auch für den Vorgänger. Mit Ausnahme der Schnauze und ein paar Carbon-Teilen. Aber das wichtigste Update, jenes für das Getriebe, kann man auch für den «Alten» haben, und das ist gut, denn damit schaltet der McLaren endlich so, wie man das in dieser preislichen Höhenluft von einem Supersportwagen auch erwarten darf. 3,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h, sagen die Engländer, und weit über 300 km/h Spitze.

Der vielleicht beste Sitz der gesamten Automobil-Geschichte. Ein absolut hervorragendes Lenkrad, zwar unten ab geflacht, aber halt einfach herrlich zur Hand. Alcantara, das ist sowieso das Mass aller Dinge. Alles ist auf den Fahrer zugeschnitten, nichts lenkt ab. Das Navi ist zwar neu, aber weiterhin so sehr untauglich, dass es am besten ausgeschaltet bleibt. Das machen die Engländer wahrscheinlich ganz bewusst, man kann ja des Weges fragen. Oder sich des Umweges erfreuen. Denn genau dafür ist er gemacht, nicht für den Personentransport von A nach B, sondern für das reine Fahrvergnügen.

Der McLaren ist näher beim ewigen Formel-1-Intimfeind Ferrari als bei Porsche. So ein Porsche 911 Turbo S fühlt sich an wie auf die Strasse gemeisselt, der 458 Italia und der Engländer sind deutlich filigraner. Die Lenkung des 650S ist erstaunlich leichtgängig – und trotzdem sehr präzis. Ein Zucken mit der Wimper, und schon folgt er. Auch das Fahrpedal ist toll. Kaum wird der Fuss etwas nervös, schon ist der McLaren weit schneller, als es das Gesetz erlaubt. Natürlich braucht auch der 650S viel Elektronik, damit die gewaltigen Kräfte einigermassen beherrscht werden können. Doch das Fahrwerk ist ausgezeichnet abgestimmt, die Software greift spät und sanft ein – der Fahrer mit Gefühl im Hintern darf den Wagen noch an die Grenzen treiben. Und die sind so weit oben wie bei einem Ferrari oder Porsche. «Erfahren» kann man solches aber nur auf der Rennstrecke.

Den 650S gibt es als Coupé und als Spyder. Beide Varianten sind sehr, sehr teuer. Für den geschlossenen McLaren sind mindestens 280’000 Franken fällig, für das Cabrio noch einen Kleinwagen mehr. Auch bei der Preisgestaltung bewegen sich die Engländer also auf dem Niveau der grossen Namen der Sport wagen-Welt. Das gilt übrigens auch für die Verarbeitung: Sehr sauber ist er gemacht, der 650S. Und feinste Materialien. Und schöne Details. Was noch fehlt: Das richtige Image. Aber mit jedem Exemplar, das die Briten auf die Strasse bringen, wächst auch die Bewunderung.

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