Renault
Alles anders, aber doch gut?

Mit dem neuen Twingo beschreitet Renault wieder einmal neue Wege. Ein Rezept das funktionieren kann.

Markus Chalilow
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Renault Twingo

Renault Twingo

HO

Ja, wir erinnern uns gerne an den Twingo der ersten Generation. Und dies nicht nur, weil man immer noch vielen dieser knutschigen Autos tagtäglich auf den Strassen begegnet. Der Twingo war ein grosser Wurf von Renault. Nicht schnell, nicht böse, nicht riesig und doch ganz gross. Dann kam die zweite Generation, die zu banal war und nicht an den Erfolg des ersten Modells anknüpfen konnte. Nun kommt also Twingo Nummer 3. Und der ist – wieder etwas ganz Neues.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich der neuste Renault so gut verkauft wie der Twingo I. Dafür gibt es in diesem Segment zu viel Konkurrenz. Aber die Franzosen beweisen einmal mehr Innovationskraft und Mut. Allein das Heckmotorkonzept bricht bei einem Viertürer mit manchen Konventionen. Und bietet einige ganz grosse Vor-, aber halt auch ein paar klare Nachteile. Der neue Twingo ist 360 cm lang und nur 164,5 cm breit. Wie wohltuend, mit dem schmalen Kerlchen kommt man wirklich überall durch. Und in der Enge der Stadt zeigt sich auch der grosse Vorteil des Heckmotor-Konzepts. Wendekreis deutlich unter neun Metern, da bemühen wir doch den alten Spruch «vom auf dem Bierdeckel wenden». Innen merkt man vom etwas anderen Antriebskonzept derweil nicht viel. Zumindest auf den vorderen beiden Plätzen nicht. Es gibt viel Raum für Fahrer und Beifahrer, gute Sitze mit allerdings etwas rutschigen Sitz flächen. Spielt bei einem Auto wie dem Twingo keine Rolle? Doch, tut es, denn den kleinen Franzosen kann man ziemlich forsch bewegen. Allerdings nur so lange, bis das ESP eingreift. Verliert das kurveninnere Rad nur für eine Sekunde Traktion, greift das elektronische Stabilitätsprogramm sofort .

Die Instrumentierung ist klassisch gehalten. Ein grosses Rundinstrument, dazu eine Art Tablet in der Mitte des Armaturenbretts, damit ist der Fahrer mit allen nötigen Infos versorgt. Kann sich mit Musik berieseln lassen oder der Navigation folgen. Das passt alles, ist einfach zu bedienen, nur ein Drehzahlmesser fehlt. Auch wegen der geringen Breite des Fahrzeugs stehen hinten nur zwei Sitze zur Verfügung, doch das wird den meisten Besitzern des Franzosen reichen. Leider lassen sich beim Twingo die hinteren Fenster nicht öffnen, sondern nur einen Spalt ausstellen.

Natürlich gibt es eine enorme Auswahl an Individualisierungsmöglichkeiten. Auf alle einzugehen, ist schlicht nicht möglich. Aber etwas muss man den Franzosen lassen: Einige Dinge sind sehr praktisch. Etwa die herausnehmbare Tasche mit Schultergurt anstelle des Handschuhfachs. Unser Testwagen war mit einem 90 PS leistenden Dreizylinder-Turbomotor ausgerüstet. Kein Sprinter, aber sicher aus reichend. Zumal mit 135 Nm genügend Drehmoment zur Verfügung steht, um den gut 1000 kg schweren Twingo in Bewegung zu setzen. Gekoppelt ist das Ganze an ein manuelles Fünfganggetriebe, das sich problemlos bedienen lässt. Klar locken auch die Franzosen mit extrem attraktiven Einstiegsangeboten. 13’400 Franken zum Beispiel für einen neuen Twingo. Der Sparfuchs wird sich nicht daran stören, dass er nur 70 PS bekommt, selber singen muss, wenn er Unterhaltung will und die Fenster von Hand runterkurbeln muss. Die Version mit 90 PS und der mittleren Ausstattung wird sich sicher besser verkaufen, und da geht es bei 16’750 Franken los. Unser Top-Testwagen mit einigen Extras hingegen kostete schon 21’400 Franken. So richtig sparsam ist der kleine Franzose auch nicht. Während des Tests flossen 6,1 Liter pro 100 Kilometer durch die drei Einspritzdüsen – fast zwei Liter mehr als man bei Renault verspricht.