40 Jahre Suzuki Schweiz
Vom Webstuhl zum Weltkonzern

Seit 40 Jahren sind die Autos von Suzuki in der Schweiz unterwegs. Die Geschichte begann aber schon viel früher.

Philipp Aeberli
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Mit dem LJ 80 begann die Suzuki-Geschichte in der Schweiz.

Mit dem LJ 80 begann die Suzuki-Geschichte in der Schweiz.

Bild: Aeberli

Wer an Suzuki denkt, denkt meist an Motoren: Die Marke ist bekannt für Autos, Bootsmotoren und Motorräder. Doch die Geschichte des Unternehmens, das inzwischen weltweit mehr als 50000 Leute beschäftigt, beginnt in einem komplett anderen Industriezweig.

Michio Suzuki gründete sein Unternehmen 1909 in Hamamatsu, 200 Kilometer südwestlich von Tokio, und stellte erfolgreich Webstühle her. Schon elf Jahre später ging das Unternehmen an die Börse. In Sachen Automobil war Japan damals noch deutlich schwächer aufgestellt als Europa oder die USA, weswegen Suzuki schon bald die ersten Ideen für ein eigenes Modell entwickelte. 1936 schliesslich kaufte er einen Austin 7, den er zusammen mit seinen Ingenieuren zerlegte und genau studierte; 1937 präsentierte das Unternehmen schliesslich seinen ersten Prototyp für ein eigenes Automobil – und musste die Pläne schon kurz darauf wieder auf Eis legen. Wie viele grosse Fabriken musste sich auch Suzuki während des Zweiten Weltkriegs auf militärische Aufträge konzentrieren. Die Produktion von Gütern, die als «nicht lebenswichtig» eingestuft wurden, war in Japan zu dieser Zeit stark beschränkt. Nach Kriegsende baute Suzuki in den Fabrikanlagen, die nicht zerstört wurden, vor allem Landmaschinen und Heizlüfter.

Zunächst auf zwei Rädern

Der ursprüngliche Plan eines eigenen Autos musste auch nach dem Krieg noch warten; ein Auto wäre für die breite Masse zu teuer gewesen. Daher präsentierte Suzuki 1952 ein motorisiertes Fahrrad. Der Motor leistete 1 PS und war auch separat erhältlich. Das Geschäft mit Motorrädern lief gut; 1954 benannte man das Unternehmen in Suzuki Motor Co. Ltd. um. Die Produktion von Webstühlen wurde eingestellt. Dafür folgte 1955 nun endlich Suzukis erstes eigenes Automobil: der Suzulight mit 16 PS starkem Zweizylindermotor und Frontantrieb.

Seit 1965 baut Suzuki auch Aussenbord-Motoren für Boote.

Seit 1965 baut Suzuki auch Aussenbord-Motoren für Boote.

Bild: zVg

Ein weiterer wichtiger Meilenstein der Firmengeschichte wurde 1965 gesetzt, als Suzuki den ersten Aussenbordmotor für Boote ins Angebot aufnahm – ein Geschäftsfeld, das auch heute noch wichtig ist für das Unternehmen.

Schritt nach Europa

In Europa waren die Autos aus Japan noch lange eher unbekannt. Während die Motorräder von Suzuki in Deutschland schon seit 1969 angeboten wurden, kamen die Automobile erst 1980 nach Europa; im Folgejahr startete die Suzuki Automobile Schweiz AG den Import hierzulande. Das erste Modell war der kompakte Geländewagen LJ80, der sich schnell zum beliebten Arbeitshelfer und dank seinem Cabrio-Stoffdach auch zum Freizeitmobil entwickelte. Der LJ80 ist nur gerade 3,20 m kurz und 1,40 m breit. Zum Vergleich: Ein aktueller VW Golf ist 1,08 m länger und fast 40 cm breiter! Dank seinen kompakten Abmessungen war der LJ80 ein Leichtgewicht: Er brachte nur gerade 800 kg auf die Waage, konnte bis zu 900 kg Anhängelast bewegen! Kompakte Abmessungen, geringes Gewicht, Starrachsen und der zuschaltbare Allradantrieb samt Geländereduktion machen den LJ80 auch für heutige Massstäbe noch zu einem äusserst talentierten Offroader. Auf der Strasse ist der Geländewagen naturgemäss eher gemütlich unterwegs. Der kleine Vierzylindermotor mit 0,8 l Hubraum bringt es auf 41 PS; eine Zeit für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h konnten die damaligen Pressetester nicht bestimmen – bei 97 km/h erreicht der Geländefloh seine Höchstgeschwindigkeit. 80 km/h erreichte der LJ80 nach 19,8 Sekunden. Was damals schon für den Suzuki sprach: Er war ausgesprochen erschwinglich; schon ab 11490 Franken war er in der Schweiz zu haben.

Nach und nach erweiterte Suzuki die Modellpalette und steigerte seinen Marktanteil auch in der Schweiz mit erschwinglichen Autos, die mit simpler, aber nützlicher und robuster Technik vor allem die Pragmatiker unter den Autofahrern ansprachen – damals wie heute. Das Händlernetz wurde analog dem Fahrzeugangebot stetig erweitert. Neun der heute 220 Suzuki-Fachhändler waren schon 1981 als Vertreter der Marke tätig.

Der Across ist der erste Suzuki mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.

Der Across ist der erste Suzuki mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.

Bild: zVg

Als Durchbruch in der Schweiz sieht Suzuki die vierte Generation des Swifts, die 2005 auf den Markt kam. Der Kompaktwagen sorgte für gute Verkaufszahlen, vor allem weil er auch mit Allradantrieb zu haben war – damals eine echte Seltenheit in dieser Wagenklasse. Auch heute noch ist der 4×4-Antrieb ein wichtiges Markenzeichen von Suzuki. Modelle wie der Ignis oder der kultige Jimny bringen Allradantrieb in kompakten Autos zu erschwinglichen Preisen; das können nur wenige Hersteller bieten. Allerdings muss sich auch Suzuki für die Zukunft rüsten. Gerade für Hersteller, die in tieferen Preissegmenten zu Hause sind, ist das keine leichte Aufgabe; neue Technologien und alternative Antriebe sind nun mal teuer. Mit dem Swace und dem Across haben die Japaner nun zwei neue Modelle mit Hybrid- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb im Angebot. Sie basieren auf einer Partnerschaft mit Toyota – und geben Suzuki die Möglichkeit, neue Marktfelder zu ergründen. Der Across ist mit einem Grundpreis von 57990 Franken das teuerste Modell, das die Marke in ihrer 40-jährigen Geschichte in der Schweiz je in der Preisliste hatte. Aber: Er bietet auch so viel Technik wie kein anderer Suzuki bisher. Er schafft 75 km rein elektrisch, bietet Allradantrieb und 306 PS – und verbraucht gerade mal 1,2 l/100 km. Für den LJ80 wurden damals 10,1 l/ 100 km gemessen!