USA

Zweite TV-Debatte: Morgen muss Trump mehr als 30 Minuten überstehen

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Morgen findet die zweite TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump statt. Die Präsidentschaftskandidaten werden sich direkt den Fragen des Publikums stellen.

Falls es sich beim Auftritt von Donald Trump am Donnerstagabend um die Hauptprobe vor dem nächsten Fernsehduell mit Hillary Clinton in St. Louis (Missouri) gehandelt hat, dann ist sie gründlich missglückt. Denn der republikanische Präsidentschaftskandidat wirkte an einer Bürgerversammlung (Town Hall) in Sandown (New Hampshire) unvorbereitet und verlor mehrmals den Faden. Statt die Fragen zu beantworten, die ein konservativer Radiomoderator ausgewählt hatte, zog er über seine Lieblingsfeinde in den Medien her. Und er informierte die rund 150 handverlesenen Zuschauerinnen und Zuschauer darüber, dass die Bewohner des Bundesstaates Nevada, deren Vorfahren aus Lateinamerika stammen, den Ausdruck «Latino» dem Begriff «Hispanic» vorzögen.

Nach 36 Minuten war Schluss

Viel wichtiger aber war, dass Trump bereits nach 36 Minuten genug von den Fragen der Anwesenden hatte und die Versammlung recht abrupt beendete. Die TV-Debatte am Sonntag wird aber 90 Minuten dauern, und im Gegensatz zur Trump’schen Hauptprobe dürfen sich unentschlossene Bürgerinnen und Bürger direkt an die beiden Präsidentschaftskandidaten wenden.

Der Republikaner behauptete am Donnerstag zwar: «Das ist kein Probelauf.» Seine Berater aber – darunter Town-Hall-Experte Chris Christie, der Gouverneur aus New Jersey – sind der Meinung, dass Trump nach der schwachen Darbietung im ersten Fernsehduell eine bessere Strategie benötigt, um gegen die Demokratin Clinton über die volle Dauer der Fernsehsendung zu bestehen. In der ersten Debatte wirkte der Republikaner 30 Minuten lang recht angriffig, bevor er sich von seiner Kontrahentin in die Defensive treiben liess und die Kontrolle verlor. Seither hat er in den Meinungsumfragen an Boden verloren.

Die Town Halls sind ein neues Phänomen im amerikanischen Wahlkampfzirkus. Erstmals trafen sich die Anwärter auf das Weisse Haus 1992 zu einer Bürgerversammlung, an der sie direkt von Durchschnitts-Amerikanern befragt wurden. Seither gab es immer wieder Beispiele dafür, wie die spezielle Atmosphäre im Studio die Präsidentschaftskandidaten aus dem Konzept brachte. So versuchte der grossgewachsene Demokrat Al Gore im Jahr 2000 den Republikaner George W. Bush durch seine Präsenz einzuschüchtern. Bush aber war vorbereitet und nickte Gore lässig zu, als sich dieser vor ihm aufbaute. Acht Jahre später tigerte der Republikaner John McCain wie ein alternder Löwe durch das Studio, während der Demokrat Barack Obama konzentriert auf die Sorgen und Nöten des Publikums einging.

Hinzu kommt: Die Wähler stellen Fragen, die weniger geschliffen daherkommen als diejenigen der professionellen Fragesteller. Und die sich um Themen drehen, die dem durchschnittlichen Amerikaner stark am Herzen liegen. So wurde Bush vor 16 Jahren während der Bürgerversammlung durch den Einwand eines Bürgers aus dem Konzept gebracht, der sich über die Selbstgefälligkeit des Gouverneurs vor Texas beklagte, nachdem sich dieser gebrüstet hatte, landesweit am meisten Schwerverbrecher hingerichtet zu haben.

Hält Trump sein Versprechen?

Gespannt warten die Politbeobachter auch darauf, ob sich Trump erneut von Clinton provozieren und zu abfälligen Sprüchen verleiten lässt. Der Republikaner gab diese Woche Entwarnung, als er sagte, er wolle sich auf Äusserungen zu seinem politischen Programm beschränken. Anspielungen auf das Eheleben von Hillary Clinton lasse er deshalb bleiben, versprach er. Aber man weiss nie, ob er sich am Tag danach noch an solche Ankündigungen erinnert.

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