Grossbritannien

Zwei Männer enthaupten Soldat auf offener Strasse mit Hackbeil

Die Polizei untersucht den Tatort in London

Die Polizei untersucht den Tatort in London

Zwei Männer haben in London einen britischen Soldaten mit Macheten und Messern am hellichten Tag niedergemetzelt. Beim Anschlag soll es sich um eine Terrorattacke mit islamistischem Hintergrund handeln. Die Regierung hat den Krisenstab einberufen.

Der Anschlag wurde im Woolwich im Südosten der britischen Hauptstadt in der Nähe einer Kaserne verübt. Dort war das Opfer wahrscheinlich stationiert. Die mutmasslichen Täter sollen "Gott ist gross" gerufen haben, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise.

Premierminister David Cameron und der Londoner Bürgermeister Boris Johnson gingen von einem terroristischen Hintergrund der Tat aus, die Entsetzen auslöste. Cameron berief den Krisenstab ein, der dann tätig wird, wenn Fragen der nationalen Sicherheit berührt sind.

(Quelle: Youtube/exteriority/itv)

Blutverschmierter Mann spricht nach Mord auf offener Strasse

Medienberichten zufolge versuchten die Angreifer auch, den Mann zu enthaupten. Cameron, den die Nachricht von der Tat in Paris ereilte, sprach von einem entsetzlichen Verbrechen.

"Wir haben in unserem Land schon mehrere derartige Anschläge erlebt und wir werden uns dadurch nicht verbiegen lassen", kündigte Cameron entschlossenes Handeln an.

Londons Bürgermeister Johnson sagte, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handle es sich um einen Terroranschlag, wie ihn die Millionenmetropole schon mehrfach erlebt habe.

Video wirft Fragen auf

Der britische Fernsehsender ITV strahlte am Abend Amateuraufnahmen mit einem jungen Mann aus, der in seinen blutverschmierten Händen zwei Messer hielt. "Auge um Auge, Zahn um Zahn", rief der dunkelhäutige Mann und forderte zum Sturz der Regierung auf.

Er bedauerte, dass Frauen die Tat ansehen mussten. "Aber in unserem Land müssen unsere Frauen dasselbe ansehen." Der Mann könnte Afghanistan gemeint haben, wo britische Truppen gegen die Taliban und die Al-Kaida kämpfen.

Das Video scheint kurz nach der Tat aufgenommen worden zu sein - wirft aber viele Fragen auf: Es bleibt zum Beispiel unklar, warum der Gefilmte den Tatort nicht verlässt. Offen bleibt zudem, wer das Video gedreht hat.

"Leute, ihr werdet niemals sicher sein", fährt der mutmassliche Attentäter fort. "Setzt Eure Regierung ab. Sie kümmert sich nicht um Euch!", fordert er. Das Video zeigt anschliessend, wie er und ein weiterer Mann auf dem Boden liegen, nachdem Polizisten auf sie geschossen haben.

"Einsame Wölfe"

Die Polizei räumte den Tatort voller Blutlachen weiträumig ab. Über dem Viertel kreisten Helikopter. Die Sicherheitsvorkehrungen an Kasernen wurden verschärft. Zuletzt hatten im Juli 2005 vier Selbstmordattentäter in U-Bahnen und Bussen Anschläge verübt. Sei rissen 52 Menschen mit in den Tod und verletzten Hunderte andere Personen.

Terrorismusexperten hatten unlängst vor Anschlägen radikalisierter Einzelpersonen gewarnt. Solche "einsamen Wölfe" stellten ein grosses Risiko dar, selbst wenn sie keine direkten Kontakte zur Al-Kaida hätten.

Einwohner entsetzt

Die Menschen in Woolwich reagierten entsetzt. "Dass dies in einer lebendigen Grossstadt passieren kann, ist schockierend", sagte ein Frau. Ein junger Muslim legte in der Nähe des Tatorts Blumen nieder. "Das hat nichts mit Gott zu tun. Es zerbricht einem das Herz", sagte er.

Der britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. "Nichts rechtfertigt diesen Mord. Barbarische Akte können in keiner Weise mit dem Islam entschuldigt werden", hiess es in einem Statement.

Am Samstag wird in London das Endspiel der Champions League zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ausgetragen. Dazu werden Zehntausende Besucher aus Deutschland erwartet.

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