Fabiano Antoniani – wegen seiner Passion für das Musikauflegen von seinen Freunden nur DJ Fabo genannt – hat seine letzte Reise am vergangenen Samstag begonnen: Begleitet von einem Mitglied einer Stiftung, die sich in Italien für das Recht auf ein würdiges Sterben einsetzt, ist er in die Schweiz aufgebrochen, um in einem Hospiz der Sterbehilfeorganisation Dignitas seinem Leben ein Ende zu setzen. Gestern Vormittag hat er laut italienischen Medienberichten den Medikamenten-Cocktail getrunken und ist eine halbe Stunde später um 11.40 Uhr gestorben.

Hoffnung wich Verzweiflung

DJ Fabo war am 13. Juni 2014 mit seinem Auto schwer verunglückt. Seit dem Unfall war er vom Hals an abwärts gelähmt (Tetraplegie) und ausserdem erblindet. «Blockiert im Bett und umgeben von einer Nacht ohne Ende», wie er es selber formulierte. Der Mailänder hatte nach dem Unfall lange gekämpft und gehofft, dass sich sein körperlicher Zustand wieder bessere. Er hatte es sogar mit einer – in seinem Fall völlig nutzlosen – Stammzellentherapie versucht. Aber irgendwann wich die Hoffnung der Verzweiflung.

DJ Fabos Leidensgeschichte hat in Italien grosses Aufsehen erregt. Vor allem weil sich der 39-Jährige nicht damit abfinden wollte, dass er sein Land verlassen musste, um sterben zu dürfen. In einer bewegenden Video-Botschaft an Staatspräsident Sergio Mattarella hatte er im Januar gefordert, dass endlich ein Gesetz erlassen werde, das es Menschen wie ihm erlauben würde, in Italien freiwillig aus dem Leben scheiden zu können. «Signor Presidente, ich möchte die Wahl haben, zu sterben ohne zu leiden. Bitte helfen Sie mir, meinen Käfig zu verlassen», sagte DJ Fabo in der Botschaft.

Italien tut sich seit Jahrzehnten schwer, die schwierigen Grenzfälle zwischen Leben und Tod gesetzlich zu regeln: Sowohl aktive Sterbehilfe wie Beihilfe zum Suizid sind verboten. Es gibt aber auch keine verbindliche Normen zur passiven Sterbehilfe und zu sogenannten Patientenverfügungen. Oft müssen Patienten oder ihre Angehörigen jahrelang prozessieren, um – vielleicht – eine richterliche Erlaubnis zu erhalten, das Beatmungsgerät auszuschalten oder die künstliche Ernährung einzustellen.

Apell von DJ Fabo

Apell von DJ Fabo

Kirche und Lega sind dagegen

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Eurispes aus dem Jahr 2016 wünschen sich im katholischen Italien inzwischen 60 Prozent der Bevölkerung ein Gesetz, das die passive Sterbehilfe und die Beihilfe zum Selbstmord legalisieren würde. Doch vor allem die Kirche und Rechtsparteien wie die Lega Nord widersetzen sich diesem Anliegen nach Kräften. «Mit einem solchen Gesetz laufen wir Gefahr, eine ‹Kultur des Wegwerfens› zu etablieren – aber kein Mensch darf zu Ausschuss werden», betonte Erzbischof Vinzenzo Paglia, der Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben, gestern einmal mehr im «Corriere della Sera».

Im Parlament warten derzeit über ein Dutzend Vorlagen auf ihre Beratung. Möglicherweise kann die Diskussion bereits im März beginnen. Aber angesichts Tausender Abänderungsanträge ist abzusehen, dass sie das gleiche Schicksal erleiden werden wie frühere Versuche: Die Gesetzesvorschläge dürften in den Schubladen des Parlaments Staub ansetzen.«Es ist eine Schande, dass kein Parlamentarier den Mut hat, sich für ein Gesetz einzusetzen, das Menschen gewidmet ist, die leiden und nicht in ihren eigenen vier Wänden sterben dürfen und deshalb in andere Länder gehen müssen», sagte DJ Fabo in einer letzten Video-Botschaft, die er kurz vor seiner Abreise in die Schweiz veröffentlichte.

Seine Verlobte Valeria, die nach seinem Unfall nie von seiner Seite wich, und seine Eltern wollte er in seiner schwersten Stunde nicht bei sich haben: Sie hätten eine langjährige Gefängnisstrafe riskiert.