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«Zum Fremdschämen»: CDU-Chefin sorgt mit Scherz gegen Intersexuelle für Empörung

Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Fasnachtsrede in Stockach.DPA/KEY

Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Fasnachtsrede in Stockach.DPA/KEY

Ein plumper Scherz an der Fasnacht gegen Intersexuelle: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht sich scharfer Kritik ausgesetzt.

Humor ist Geschmacksache. Man kann es lustig oder einfach nur doof finden, wenn jemand als «Putzfrau Gretel» verkleidet auf der Bühne steht und plumpe Witze reisst. Wenn gegen Minderheiten getreten wird, ist das schon fraglicher. Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer gegen Minderheiten tritt, ist der mediale Aufschrei perfekt. Die 56-Jährige ist seit Dezember CDU-Chefin und als solche in der Position, mögliche nächste Kanzlerin Deutschlands zu werden. AKK hat bei einem Fasnachtsanlass am Bodensee nun einen Spruch gegen Intersexuelle fallen lassen, der plump und – ganz nüchtern betrachtet – auch recht peinlich, weil einfach nicht lustig ist.

Sie leitete ihren Scherz mit einer Bemerkung über die im Rest des Landes oft mit Argwohn betrachtete Hauptstadt Berlin ein, die fast alles toleriert – dabei das Klischee der durch eine linksliberale Elite geprägten Stadt bemühend: «Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin?», fragte sie in die Runde. «Da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen», fuhr die CDU-Chefin fort. Um dann zur Pointe anzusetzen: «Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.» Johlen und Applaus im Saal.

Nun ist die Frage, ob peinliche Fasnachtsauftritte jedem zustehen und an Karneval ohnehin andere Gesetze gelten, was gesagt werden darf und was nicht. Dass die «political correctness» einfach mal beiseitegeschoben werden darf. Oder ob hier eine rote Linie überschritten worden ist, welche die doch recht heftig aufgekommene Empörung in Medien und Politik rechtfertigt.

Kopfschütteln in eigener Partei

In gesellschaftspolitischen Fragen positioniert sich Merkels Nachfolgerin an der CDU-Spitze deutlich konservativer als die seit 2005 amtierende Bundeskanzlerin. Die Saarländerin machte schon vor längerer Zeit deutlich, dass sie auch der vom Bundestag im letzten Sommer beschlossenen Möglichkeit für die Ehe für alle nichts abgewinnen kann. Wie sie dagegen argumentiert hatte, sorgte indes selbst in den eigenen Parteireihen für manchen Kopfschüttler. «Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschliessen», sagte AKK. Und fügte hinzu: «Etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.» Homosexuellen-Verbände waren empört. AKK setze die gleichgeschlechtliche Ehe mit Inzest und Vielehe gleich.

Und nun ihr Spruch gegen Intersexuelle – der eigentlich ein satirisches Statement gegen die Liberalisierungstendenzen in der Gesellschaft sein sollte. «Wahnsinnig peinlich» sei der «billige Kalauer» auf Kosten von Minderheiten, twitterte der Grünen-Politiker Sven Lehmann. Es dürfe vermutet werden, meinte Ralf Stegner vom CDU-Koalitionspartner SPD, dass nicht nur der Witz danebenging, «sondern dass sie Positionen hat, die wir überhaupt nicht teilen.» Der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union forderte eine Entschuldigung der CDU-Chefin. «Man macht ja auch über andere Minderheiten keine Witze mehr», sagte der Verbandsvorsitzende Alexander Vogt. Ein FDP-Abgeordneter sprach von einem «Tag zum Fremdschämen». Einige Parteifreunde eilten AKK indes zu Hilfe. Die Aufregung über den Fasnachtsspruch sei «völlig gaga», sagte der CDU-Politiker Kai Whittaker und forderte: «Alle mal tief durchatmen und die Kamelle flachhalten!»

Gepunktet haben dürfte AKK zumindest in jenen CDU-Kreisen, die sich die letzten Jahre unter Angela Merkel an den Rand gedrängt gefühlt haben. So oder so versucht Annegret Kramp-Karrenbauer, die Konservativen in der Partei wieder etwas mehr einzubinden.

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