Rettungskräfte waren stundenlang damit beschäftigt, in den Waggons eingeschlossene Passagiere zu bergen. Auf Fotos waren Fahrgäste zu sehen, die vor Ort von Helfern versorgt wurden. Bilder zeigten zudem zwei Waggons, die in einem 90-Grad-Winkel verkeilt waren.

Am Vormittag beendeten die Einsatzkräfte ihre Suche nach eingeschlossenen Passagieren. Nach ihren Angaben kamen drei Menschen ums Leben. Die Nachrichtenagentur Ansa hatte unter Berufung auf Rettungskräfte zuvor vier Tote gemeldet, dies wurde bislang nicht offiziell bestätigt.

Ausserdem gab es zehn Schwer- und etwa hundert Leichtverletzte. Von den Schwerverletzten schwebten nach Angaben der Feuerwehr fünf in Lebensgefahr. Der Polizeichef von Mailand, Marcello Cardona, sagte vor Journalisten, der Zug sei leider voller Menschen gewesen. Daher sei es "fast ein Wunder", dass es nicht noch mehr Opfer gegeben habe.

In dem Regionalzug der örtlichen Bahngesellschaft Trenord waren Studenten und Pendler aus Cremona in die Wirtschaftsmetropole Mailand unterwegs. Nach Angaben der Rettungskräfte entgleiste der Zug gegen 7.00 Uhr aus noch unbekannter Ursache in der Gegend von Segrate, einem Vorort im Nordosten von Mailand.

Zwei Kilometer nicht auf Schienen

Laut von italienischen Medien zusammengetragenen Zeugenaussagen hatte der Zug zunächst heftig gewackelt, als ob er über Geröll fahre. Nach einer heftigen Bremsung sei der Zug dann entgleist.

Die Staatsanwaltschaft von Mailand leitete eine Untersuchung ein. Die Ermittler befragten den Lokführer. Nach ersten Erkenntnissen entgleisten drei Waggons. Bei einem der Waggons waren einige Räder etwa zwei Kilometer lang nicht auf den Schienen, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die für die Gleisanlagen zuständige Bahngesellschaft Rete Ferroviaria Italiana (RFI) schrieb.

Einer der drei Waggons kollidierte dann dem Bericht zufolge mit einem Strommasten, woraufhin der Zug entgleist sei. RFI-Sprecher Vincenzo Macello sprach von einem "Strukturversagen des Bahngleises". Es sei noch zu früh, um genau zu sagen, was passiert sei, betonte er.

Polizeichef Cardona rechnete mit aufwendigen Ermittlungen. "Alles muss Stück für Stück überprüft werden", sagte er. Ein Vertreter der Nationalen Beobachtungsstelle für Verkehr erklärte, entweder habe es ein Problem am Gleis gegeben oder am Drehgestell des Zuges.

Diskussion über Bahnsicherheit

Das Bahnunglück entfachte heftige Diskussionen über die Sicherheit von Italiens regionalem Bahnverkehr, der in den vergangenen Jahren aus Spargründung einer starken Kostenrationalisierung unterzogen wurde. "Wir müssen unsere Anstrengungen für mehr Verkehrssicherheit verstärken", so der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala auf Facebook.

Der italienische Premier Paolo Gentiloni versprach empfindliche Strafen, sollte es Verantwortliche für das Unglück geben. Die Verkehrssicherheit müsse eine Priorität sein.

Beim Unfall vom Donnerstag handelt es sich um das schwerste Zugunglück in Italien seit Juli 2016. Damals waren bei dem Zusammenstoss zweier Passagierzüge in der süditalienischen Region Apulien mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen.