Coronavirus

Zu viele Corona-Fälle: Ausgangssperre gleich hinter der Schweizer Grenze

Riedböhringen in Baden-Württemberg: Seit Mittwoch herrscht Ausgangssperre in dem 1000-Einwohner-Ort.

Riedböhringen in Baden-Württemberg: Seit Mittwoch herrscht Ausgangssperre in dem 1000-Einwohner-Ort.

Ein grenznahes Dorf in Baden-Württemberg weist ungewöhnlich viele Infizierte auf. Jetzt hat der Bürgermeister die Reissleine gezogen. Wie die eigentliche Stärke des Ortes zu einer Schwäche wurde - und die Ausbreitung des Virus begünstigte.

Riedböhringen ist abgeriegelt. In dem idyllischen Dorf gleich hinter der Schweizer Grenze herrscht seit Mittwoch Ausgangssperre. Während im Rest Deutschlands nur gewisse Einschränkungen für den Aufenthalt im öffentlichen Raum gelten, dürfen die Einwohner in dem Ort in Baden-Württemberg nur noch in Ausnahmefällen das Haus verlassen. Wer keinen triftigen Grund hat – etwa zum Arzt muss, zur Arbeit oder zum Lebensmitteleinkauf –, darf nicht mehr auf die Strasse.

Der Grund: In Riedböhringen, das zur Stadt Blumberg gehört, haben sich ungewöhnlich viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Von 1000 Einwohnern wurden 22 positiv getestet. Der Blumberger Bürgermeister Markus Keller zog daher die Reissleine. Schon jetzt sei die Häufung der Fälle «nicht mehr vertretbar», sagt er am Telefon. Das Ziel der Massnahme sei klar: eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Seit zehn Jahren ist Keller im Amt. Er ist beliebt in dem Ort: Bei seiner Wahl 2009 holte er über 98 Prozent der Stimmen. 2017 wurde er mit dem gleichen Ergebnis bestätigt. Eine komplette Ausgangssperre über einen Ortsteil zu verhängen, sei die mit Abstand schwierigste Entscheidung seiner Amtszeit gewesen. «Das tut mir in der Seele weh», sagt er. Aber es ging wohl nicht anders.

Auch, weil sich einige an die Ratschläge zum Verhalten in der Öffentlichkeit, etwa genügend Abstand zu halten, «vorsichtig formuliert: nur oberflächlich gehalten» hätten. Was sonst eine Stärke des Ortes sei, habe sich in der Pandemie als Schwäche gezeigt. «Wir haben ein reges Vereinsleben und eine starke Gemeinschaft», sagt Keller. Man sei viel in Kontakt. Das habe die Ausbreitung des Virus wohl begünstigt.

Nun ist Riedböhringen also dicht. In den leeren Strassen patrouilliert die Polizei. Man habe ja die Bilder aus Italien, dem Elsass und New York gesehen, sagt Keller. In seinem Ort will er solche Zustände unbedingt verhindern.

Einige Infizierte zur Behandlung im Krankenhaus

Seinen Anfang dürfte das Drama gemäss Keller in Österreich genommen haben. Einige Einwohner haben sich demnach wahrscheinlich im Skiort Ischgl infiziert. Die Feriendestination in Tirol gilt als eine der Keimzellen, von wo aus sich das Virus über ganz Europa verteilte. Auch bis nach Riedböhringen. Dort habe es sich dann weiterverbreitet. Auch ältere Personen zählten zu den Infizierten. Einige befänden sich mittlerweile im Krankenhaus, bestätigt Keller. Medizinisch sei man im Landkreis gut auf die Pandemie vorbereitet.

Die Bevölkerung habe grosses Verständnis für die extreme Massnahme, sagt der Bürgermeister. Bis auf ein paar wenige «Hobby Diplom Virologen», die das Virus immer noch für eine normale Grippe hielten, seien die Rückmeldungen bislang durchweg positiv.

Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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