Reaktion

Zeichen der Solidarität: Der Eiffelturm leuchtet in den belgischen Farben

Als Reaktion auf die Anschläge in Brüssel hat die französische Regierung zusätzliche Polizeikräfte aufgeboten. Die Grenze nach Belgien wird kontrolliert. Aus Solidarität leuchtet der Eiffelturm in den Farben Belgiens.

Für die Franzosen war es am Dienstag, als würde eine schlecht vernarbte Wunde aufreissen. Erschreckt sahen sie die Brüsseler Bilder mit panisch flüchtenden Menschen, Verletzten am Boden und rasenden Rettungswagen.

Selbst die gespenstische Ruhe in den Strassen unmittelbar nach den Anschlägen erinnerte die Einwohner von Paris an die Terrorattacken des 13. November, bei denen 130 Menschen ums Leben kamen und hunderte verletzte wurden.

Plantu, der Karikaturist der Zeitung Le Monde, verschickte sofort eine Zeichnung via Twitter: Darauf legt ein Träger der französischen Trikolore tröstend und zugleich schützend den Arm um die Schultern eines in seine eigene Nationalflagge gehüllten Belgiers. Aus Solidarität wurde der Eiffelturm in Paris so eingestellt, dass er abends in den belgischen Landesfarben erstrahlen sollte.

Auch die zahllosen spontanen Solidaritätsbekundungen zeugten davon, wie sehr sich die Franzosen von den Anschlägen in Brüssel – im TGV nur 80 Minuten von Paris entfernt – betroffen fühlen.

«Europa muss als Ganzes reagieren»

Die französische Staatsführung reagierte prompt: Noch bevor überhaupt bestätigt war, dass es sich um einen Terroranschlag handelte, rief Präsident François Hollande im Elysée-Palast zu einer Krisensitzung mit anderen Regierungsvertretern. Im Anschluss daran erklärte Premier Manuel Valls: «Wir befinden uns im Krieg.» Hollande meinte in einem Communiqué weniger emotional, jetzt sei ganz Europa bedroht und betroffen – und müsse auch als Ganzes reagieren.

In der Regierungssitzung wurde beschlossen, zusätzliche Kompanien an CRS-Bereitschaftspolizisten für die französischen Flughäfen und Bahnhöfe aufzubieten. Im Rahmen des Antiterrordispositivs Vigipirate patrouillieren seit dem 13. November vielenorts schon Militärpatrouillen in Tarnanzügen und mit geschulterten Gewehren. Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte im Anschluss an die Regierungssitzung: «Ich habe beschlossen, weitere 1600 Polizisten und Gendarmen an verschiedenen Orten des Landes einzusetzen.»

Hingegen vermied Cazeneuve jede Erwähnung der franko-belgischen Grenze, die am 13. November die Attentäter und der soeben gefasste Salah Abdeslam benützt hatten. Augenzeugen berichteten aber, die französische Polizei kontrolliere die Autos. Der Zugverkehr zwischen Brüssel und Paris war ohnehin unterbrochen.

Belgien hatte schon Ende Februar Grenzkontrollen eingeführt, was durch das Schengen-Abkommen zeitweise zugelassen ist. Dabei ging es allerdings nicht um die Terrorbekämpfung, sondern um die Abwehr von Flüchtlingen aus dem wilden Lagern in Calais und am französischen Ärmelkanal. Die neuen Kontrollen betreffen die entgegengesetzte Richtung.

«Naivität» und «mangelnde Reflexe»

Eine Polemik entstand in Paris durch die Aussage des konservativen Abgeordneten Alain Marsaud vom Vortag, die Belgier legten bei der Terrorbekämpfung «Naivität» und «mangelnde Reflexe» an den Tag. Sie kontrastieren mit der offiziellen Versicherung einer gut eingespielten Kooperation der französischen und belgischen Sicherheitsdienste.

Und sie zeugen ihrerseits von einer grossen Nervosität bis nach Paris, wo Terrorexperten seit Tagen vor neuen Attacken gewarnt hatten. Auch in Bamako, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Mali, lancierten Terroristen am Montag eine Attacke auf die Residenz von EU-Militärberatern. Der Angriff wurde abgeschlagen, ein Terrorist liess dabei sein Leben.

Doch die Franzosen fühlen sich wie schon bei früheren Anschlägen in der ehemals französischen Kolonie sehr direkt visiert. Die EU-Instruktoren unterstützen in Bamako das französische Truppendispositiv, das der Vertreibung von Radikalislamisten aus Nordmali dient.
In Paris ging die politische Aufarbeitung der Pariser Anschläge von November weiter.

Der konservativ dominierte Senat stimmte einer anderen Verfassungsreform zu, als sie der Sozialist Hollande vorgeschlagen hatte. Sein sehr symbolisches Vorhaben, Terroristen die Staatsbürgerschaft abzuerkennen, dürfte damit gescheitert sein.

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