Im ganzen Land zeigten nach Angaben von Menschenrechtlern und Demokratie-Aktivisten Menschen ihre Solidarität mit der Stadt Hama, in der seit Sonntag Armee-Einheiten und Milizen wahllos Zivilisten und Gebäude beschiessen.

Die Proteste nach den Freitagsgebeten erstreckten sich nach Angaben von Aktivisten von Damaskus über die südliche Provinz Daraa bis Deir al-Zor im Osten des Landes. Es seien auch Demonstrationen in der nördlichen Stadt Kamischli und Homs gemeldet worden, hiess es.

Die Demonstranten hatten wie jeden Freitag über das Internetportal Facebook zu den Protesten aufgerufen und sich dabei an die internationale Staatengemeinschaft gewandt: "Gott ist mit uns. Und Ihr?", hiess es in dem Slogan auf der Facebook-Seite "Syrian Revolution 2011".

Tote und Verletzte

Dem Präsidenten der Syrischen Menschenrechtsliga, Abdel Karim Rihawi, zufolge schossen die Sicherheitskräfte in Irbin nahe Damaskus auf einen Demonstrationszug, wobei mindestens fünf Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden seien.

In Homs schossen die Sicherheitskräfte laut dem Chef der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, auf Demonstranten, die aus einer Moschee kamen und verletzten dabei 20 von ihnen. In Duma nahe Damaskus setzten die Sicherheitskräfte Rahman zufolge Streumunition ein.

Die staatlichen syrischen Medien berichteten, das Militär gehe gegen "bewaffnete Terroristen" vor. Da ausländische Journalisten ausgewiesen worden sind, können die Angaben von Einwohnern, Aktivisten und Regierung nicht überprüft werden.

Anhaltender Artilleriebeschuss

In Hama setzten die Truppen Assads den Artilleriebeschuss fort. Ein Anwohner berichtete, die Schabbiha-Milizen würden die Strassen nahe der Universität durchkämmen. Dort solle eine Pro-Assad-Kundgebung stattfinden. Am Freitag wurden nach Angaben von Aktivisten und Menschenrechtlern mindestens 45 Zivilisten in Hama getötet.

Die Panzerangriffe hätten in Hama gegen 4.00 Uhr morgens (Ortszeit) begonnen, sagte ein Bewohner. "Wenn Menschen verletzt werden, ist es fast unmöglich, sie ins Spital zu bringen", teilte er telefonisch mit. Die Stadt sei auch bei Sonnenuntergang am Donnerstag bombardiert worden, als Menschen ihr Fasten während des Ramadans unterbrachen.

Seit Beginn einer Grossoffensive gegen Hama am vergangenen Sonntag sind nach Schätzungen mehr als 200 Zivilisten ums Leben gekommen. Hama hatte sich zuvor fast zwei Monate lang in einer Art befreitem Zustand befunden, weil sich die Sicherheitskräfte in dieser Zeit völlig aus der Stadt zurückgezogen hatten.

Den nun im Gang befindlichen Rachefeldzug seiner Truppen stellte das Regime als "Wiederherstellung von Recht und Ordnung" dar.

Ein ähnliches Vorgehen der Sicherheitskräfte Assads wie in Hama zeichnete sich in der Provinzhauptstadt Deir al-Zor im Osten des Landes ab, die nach Angaben von Anwohnern von Hunderten Panzern und Soldaten eingekreist war.

In Genf forderten mehrere unabhängige UNO-Menschenrechtsexperten, die Sicherheitskräfte müssten ihr exzessives Vorgehen gegen friedliche Demonstranten, das zu Tötungen und Verletzungen führe, stoppen, insbesondere den wahllosen Einsatz schwerer Artillerie.