Wer ist Yassin Salhi? Seit Freitag fragt sich Frankreich, wie ein Mann seinen Vorgesetzten auf einem Parkplatz am Stadtrand von Lyon umbringen konnte, ein Selfie von dem abgetrennten Kopf machte und dann versuchte, ein Gaswerk in die Luft zu sprengen.

Sah keine Frauen mehr an

Salhis eigene Frau erklärte, sie falle aus allen Wolken. Die Medien spekulierten zuerst, ob es sich um ein persönliches Rachedelikt gegen den Arbeitgeber handle.

Die Polizei hatte den 35-jährigen Franzosen mit algerisch-marokkanischen Eltern zwar 2006 wegen seiner «Radikalisierung durch eine salafistische Bewegung» überwacht. Doch der Chauffeur und dreifache Familienvater rückte in der sogenannten S-Akte des französischen Geheimdienstes nie höher als in die 13. von insgesamt 16 Gefahrenstufen; 2008 wurde seine Beschattung eingestellt.

Zu Unrecht. Einmal mehr war die Polizei von der Masse der zu kontrollierenden Islamisten offensichtlich überfordert.

Gestern wurde bekannt, dass eine frühere Nachbarin Salhis sonderbares Benehmen mehrfach der Polizei gemeldet hatte. Den Vorladungen leistete sie allerdings keine Folge.

Salhi sei öfters während mehrerer Monate verschwunden, um dann «als anderer Mann» zurückzukehren. Er habe nicht mehr Bonjour gesagt und keine Frau mehr angeblickt; dafür habe er die Djellabah, ein typisch marokkanisches langes Gewand, sowie einen Bart getragen. Später habe er Besuch von Männern erhalten, die «Muslimbrüdern» geglichen hätten.

Salhi soll sich gestern erstmals zu seiner Tat geäussert haben. Aus Ermittlerkreisen verlautete inoffiziell, der bei seiner Festnahme leicht Verletzte habe den Mord gestanden und erklärt, «allein» gehandelt zu haben.

Allerdings schickte Salhi sein Selfie offenbar via eine kanadische Nummer auch nach Syrien, wo die Terrormiliz «Islamischer Staat» solche Bilder normalerweise propagandistisch ausschlachtet. Auch stand Salhi laut Pariser Medien in Kontakt mit einem gefährlichen französischen Konvertiten namens «Ali», der im Département Doubs im französischen Jura junge Männer zum Dschihad zu überreden suchte. Dort, in Pontarlier, nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, war Salhi auf die Welt gekommen und aufgewachsen.

Seine Wutausbrüche fielen auf

Ein ehemaliger Fitnesslehrer erklärte in der Zeitung «Le Parisien», Yassin habe ihm 2010 nach einer längeren Abwesenheit erklärt, er sei in Syrien gewesen und habe dort eine «Koranschule» besucht.

Der athletische Mann sei stets sehr höflich, ja sanftmütig gewesen. Ab und zu habe er aber auch fürchterliche Wutausbrüche gehabt. Deshalb habe er «Free Fight» lernen wollen, eine Kampfsportart, bei der so ziemlich alle Schläge erlaubt sind. «Salhi kämpfte nicht, er war regelrecht im Krieg», sagte der Trainer. Die Terrortat habe ihn nicht überrascht und das nicht nur wegen Salhis explosivem Temperament: «Ich hatte den Eindruck, es mit jemandem zu tun zu haben, der indoktriniert war und unter Einfluss stand.»

Als der Fitnessklub laizistische Regeln einführte und religiöse Gewänder und Gebräuche untersagte, kam Salhi nicht mehr fürs Training vorbei.