Donald Trump

Wo ist Trump? Der US-Präsident macht sich rar – und legt Joe Biden Steine in den Weg

Derzeit ein seltenes Bild - Donald Trump in der Öffentlichkeit, hier auf seinem Golfplatz kurz nach der Wahl.

Derzeit ein seltenes Bild - Donald Trump in der Öffentlichkeit, hier auf seinem Golfplatz kurz nach der Wahl.

Zwei Wochen nach seiner Wahlniederlage scheut der Präsident die Öffentlichkeit – seinem Nachfolger macht er indes das Leben schwer.

Jeden Tag veröffentlicht das Weisse Haus den Terminkalender von Präsident Donald Trump – oder zumindest denjenigen Teil der Agenda, der für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt ist. Und dieser Kalender ist nun fast jeden Tag leer.

«Der Präsident hat keine öffentlichen Anlässe geplant», hiess es am Mittwoch. Und wenn, wie am Montag, eine Besprechung mit einem hochrangigen Berater (in diesem Fall mit Vizepräsident Mike Pence) auf dem Programm steht, dann hinter verschlossenen Türen.

So geht das nun schon zwei Wochen lang, seit dem dramatischen Wahlabend, an dem sich abzeichnete, dass die Mehrheit der amerikanischen Stimmberechtigten einen neuen Präsidenten möchte. Trump, der Auftritte vor jubelnden Anhängern und aggressiv fragenden Medienschaffenden zu seinem Markenzeichen gemacht hat, ist abgetaucht.

Ist Trump fertig damit, Präsident zu sein?

Er verzichtet weitgehend auf öffentliche Stellungnahmen – einmal abgesehen von seinen Botschaften auf Twitter –, gibt keine Fernsehinterviews mehr und bunkert sich stattdessen im Weissen Haus ein. Bereits hat der einflussreiche Newsletter «Politico Playbook», der täglich in Washington Themen setzt, deshalb die Frage gestellt: «Ist Trump fertig damit, Präsident zu sein?»

So weit ist es noch nicht. Die Amtszeit des Republikaners läuft bekanntlich erst am 20. Januar 2021 ab, und bis dann ist Trump noch im Besitz sämtlicher Vollmachten seines Amts. So kann er Minister und Berater entlassen, mit denen er über Kreuz steht.

Am Dienstag feuerte der Präsident den hochrangigen Sicherheitsexperten Chris Krebs. Dieser hatte in den vergangenen Tagen die haltlosen Behauptungen Trumps zurückgewiesen, das Resultat der Präsidentenwahl sei aufgrund von ungebührlichem Verhalten und Fälschungen nicht zum Nennwert zu nehmen.

Auch amtiert Trump weiterhin als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte. Auf Druck israelischer und saudischer Verbündeter soll der Präsident vorige Woche im Oval Office laut über einen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen nachgedacht haben, berichtete die «New York Times». Auch will Trump die Zahl der im Ausland stationierten US-Truppen reduzieren. So gab der interimistisch amtierende Verteidigungsminister Christopher Miller am Dienstag den Abzug von rund 3500 US-Soldaten aus Afghanistan und Irak bekannt.

Kein Zutritt zu Plänen für die Pandemie-Bekämpfung

Mit solchen Entscheidungen stellt Trump seinen designierten Nachfolger vor vollendete Tatsachen. Im konkreten Fall mag dies Joe Biden nicht weiter stören: Der Demokrat hat die Stationierung amerikanischer Truppen in Afghanistan bereits vor einer Dekade in Frage gestellt. In anderen Bereichen aber kann Trump dem neuen Präsidenten Steine in den Weg legen. So ist es den Mitarbeitern der Trump-Regierung untersagt, in Kontakt mit dem Team von Joe Biden zu treten.

Von diesem Bann betroffen sind auch die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, die sich die Bekämpfung der Coronapandemie zum Ziel gesetzt hat. Sie können sich vom Gesundheitsministerium nicht über die Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffes informieren lassen.

So geht wertvolle Zeit verloren. Zeit, die Amerika eigentlich nicht hat. Denn derzeit explodieren die Coronafallzahlen wieder: Mehr als 159'000 Menschen stecken sich gemäss den semi-offiziellen Zahlen täglich mit dem Virus an. Und jeden Tag sterben immer noch mehr als 1500 Menschen an Covid-19.

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