Wohnungsmieten

Wo eine 2-Zimmer-Wohnung 6000 Franken kostet: Am teuersten ist es in Afrika

Luanda, die Hauptstadt Angolas. Hier kostet ein unmöbliertes Appartement pro Monat 6000 Franken, ein Paar Jeans 200, ein Glas Weisswein und zwei Stück Pizza vom Strand 40 Franken – und der Wahnsinn vor der Tür überdies jeden Nerv.

Die Zürcher Bahnhofstrasse war immer das lukrativste Feld. Das haben wir beim kindlichen Wettwürfeln gelernt.

Später ist Tokio dazugekommen, noch etwas später Singapur. Vor kurzem Moskau, mittlerweile die teuerste Stadt Europas, ein nach wie vor gewöhnungsbedürftiges Faktum.

Aber so sind die Zeiten; die würfeln schnell. So schnell, dass wir heute gleich das ganze Monopoly-Brett umwerfen müssen. Oder übermalen.

Denn das teuerste Pflaster liegt inzwischen in Afrika. In Luanda, der Hauptstadt von Angola.

Auf Rang zwei und drei folgen Moskau und Tokio (schon erwähnt). Dann N’Djamena – nein, auf Anhieb wussten wir bis gestern auch nicht, wo das liegt.

N’Djamena liegt im Tschad, ebenfalls in Afrika. Dann folgen – hinter Singapur und Hongkong – die ersten vertrauten Monopoly-Städte: Genf, Zürich und Bern.

Hier kann man einem Afrikaner aus Luanda oder N’Djamena definitiv nicht mehr die «teuerste Goldmeile» der Welt zeigen; man erntet ein müdes Lächeln.

Ein teures Leben, aber auch schön?

Warum Luanda? Wie siehts dort aus? Der geneigte Leser, die freundliche Leserin wird verstehen, wieso die Zeitung uns nicht hinschicken konnte – eben: zu teuer.

Ein unmöbliertes 2-Zimmer-Appartement kann da pro Monat 6000 Franken kosten. Ein Paar Jeans 200.

Ein Glas Weisswein, ein Gin Tonic und zwei Stück Pizza am Strand 40 Franken. Wir müssen uns also auf Berichte stützen von Kollegen oder Kolleginnen, die sich einen Augenschein in Luanda noch leisten konnten, etwa auf Vanja Budde vom Deutschlandradio.

Wir zitieren aus ihrem Bericht lediglich einen Satz: «Wenn Luanda die Zukunft ist für die Menschheit, die in die grossen Städte strebt, wie Experten sagen – dann gute Nacht!»

Rund um die Uhr Lärm. Dauerstau. Wildwestmethoden beim Gewerbe. Hemmungsloser Konsumrausch einer korrupten Clique.

Eine Altstadt, die «Baixa», deren koloniales Flair plattgewalzt wird und mit Türmen aus Glas und Beton vollgestellt, trotz sandigem Untergrund.

Darum herum liegen die «Musseques», ein Hüttenring der Armen. Geschätzte sieben Millionen Menschen leben mittlerweile in Luanda (rund die Hälfte von Angolas Bevölkerung), in einer Stadt, die nur eine halbe Million verkraften kann.

Enorme Nachfrage für Unterkünfte

Das Städte-Ranking erstellte die Beratungsgesellschaft Mercer. In einer weltweiten Studie vergleicht und bewertet Mercer alljährlich die Lebenshaltungskosten in 214 Grossstädten.

Mercer zählt nach eigenen Angaben über 20 000 Mitarbeiter und ist in mehr als 40 Ländern vertreten.

Im Rahmen der Studie werden die Preise für über 200 Produkte und Dienstleistungen – darunter Miete, öffentliche Verkehrsmittel sowie Haushaltswaren, Lebensmittel, Kleidung und Freizeitangebote – miteinander verglichen.

Die Ergebnisse der Studie ziehen multinationale Unternehmen und Regierungen als Grundlage für die Festlegung der Vergütungszulagen für Expatriates heran.

Als Erklärung, weshalb Luanda dermassen teuer geworden ist, schreibt die Gesellschaft: «In vielen Teilen der Welt haben wir dramatische Ereignisse erlebt. Diese haben für Währungsschwankungen, eine Kosteninflation für Güter und Dienstleistungen und eine starke Volatilität der Preise für Unterkünfte gesorgt. In Afrika hat die begrenzte Verfügbarkeit von Unterkünften in einigen wichtigen Städten zu einem deutlichen Anstieg der Lebenshaltungskosten geführt.»

Afrikas erste Milliardärin

Angola ist der grösste Ölförderer Afrikas und der zweitgrösste Diamanten-Exporteur des Kontinents.

Erst 2002 endete hier ein langer blutiger Krieg. Sozusagen über Nacht wandelte sich die sozialistische Stossrichtung der Politik in einen Kapitalismus ausser Rand und Band. Die Korruption ist enorm, das Gefälle zwischen nackter Armut und grenzenloser Gier bizarr.

Portugals Ex-Kolonie erlebt ausserdem eine historische Umkehrung, von dessen Ausmass oder Bedeutung nur selten die Rede ist: Die einstigen Kolonialherren strömen seit der Krise in Europa massenhaft zu. Über eine halbe Million Portugiesen sollen es inzwischen sein.

Währenddessen kaufen Angolas rauschhaft zu Reichtum gelangte Eliten in Portugal ein. Zum Beispiel die erste Milliardärin Afrikas, Isabel dos Santos, die Tochter von «Präsident» José Eduardo dos Santos.

Sie soll an portugiesischen Telekommunikationsfirmen und sogar an Medienunternehmen beteiligt sein. Der eingeflogene Chor indes, der ihr zur Hochzeit mit dem kongolesischen Millionärssohn Sindika Dokolo lieblich vorsang, stammte aus dem einst gnadenlosen «Mutterland» des Kongo, aus Belgien.

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