Er liess sich nicht provozieren. Obwohl Donald Trump gestern mehr als ein dutzend Mal durch Demonstranten unterbrochen wurde, hielt sich der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ans Manuskript der Rede über sein wirtschaftspolitisches Programm. Statt sich darüber zu beklagen, wie unfair er angeblich von den Medien behandelt werde, sprach der Baulöwe im Detroit Economic Club über die Konjunktur, über Steuern und eine zukunftsträchtige Energiepolitik.

Trump verfolgte mit seiner fast 60 Minuten dauernden Ansprache zwei Ziele. Zum einen wollte er, nach einer Woche voller Kontroversen, endlich wieder einmal für positive Schlagzeilen sorgen. Zum andern ging es ihm auch darum, einen Kontrast zu seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton zu schaffen. (Clinton will ihr Programm am Mittwoch und Donnerstag vorstellen.)

Populistische Forderungen

Unter einem Präsidenten Trump, so sagte der New Yorker, würden die Interessen der amerikanischen Bevölkerung endlich wieder ins Zentrum gestellt. Sein Programm setzt sich deshalb nicht nur aus republikanischen Ladenhütern zusammen, die auch von führenden Konservativen im nationalen Parlament vertreten werden, sondern auch aus populistischen Forderungen, über die rechte Ökonomen bloss den Kopf schütteln.

Trump versprach, die Steuern auf breiter Front zu senken – allerdings nicht mehr so stark, wie er noch während den Vorwahlen versprochen hatte. So sollen Spitzenverdiener künftig auf Bundesebene nur noch mit einem maximalen Steuerfuss von 33 Prozent zur Kasse gebeten werden. (Derzeit beläuft sich der Spitzen-Steuersatz auf 39,6 Prozent. In den Vorwahlen hatte Trump noch von einem Maximal-Steuerfuss von 25 Prozent gesprochen.) Zudem schlug er vor, dass künftig alle Ausgaben für Kinderkrippen steuerlich abgezogen werden können. Für berufstätige Familien käme dies einer massiven Steuersenkung gleich.

Auch Unternehmern will der Präsidentschaftskandidat entgegenkommen. «Unter meinem Plan wird keine amerikanische Firma mehr als 15 Prozent ihres Einkommens an Steuern bezahlen», sagte Trump. Dies käme einer massiven Anpassung gleich, liegt doch der Steuerfuss für juristische Personen derzeit bei 35 Prozent (auf Bundesebene). Mittels kreativer Buchhaltung gelingt es allerdings bereits heute vielen Unternehmen, weniger Geld an die Steuerkasse abzuliefern.

Trump schwieg sich weitgehend darüber aus, wie er nach diesen Steuersenkungen das bundesstaatliche Budget im Lot behalten würde. (Ein Berater sagte, die Konjunktur werde derart stark wachsen, dass die Einnahmen des Fiskus mit den Ausgaben Schritt halten würden.) Hingegen sprach er über den geplanten Freihandelspakt zwischen zwölf Pazifik-Anrainerstaaten. Er verwies darauf, dass der zweitgrösste amerikanische Autobauer Ford sich kürzlich gegen den Pakt, im Washington-Slang TPP genannt, ausgesprochen habe – weil TPP nicht aggressiv genug gegen Währungsmanipulationen in Japan und Indonesien vorgehe.

Kritik aus demokratischem Lager

Trump sprach ausführlich darüber, dass Amerika wieder mehr Stellen in der produzierenden Industrie schaffen müsse, und erwähnte dabei Kohlekumpel und Stahlarbeiter. Experten sind allerdings der Meinung, dass sich die USA auf Felder konzentrieren müsse, auf denen US-Unternehmen mit der Konkurrenz in Billiglohnländern mithalten können – zum Beispiel im Bereich der Hightech-Industrie.

Das Clinton-Lager jedenfalls wartete nicht lange ab und kritisierte die Vorschläge Trumps in scharfen Worten. Die Ideen des Republikaners – massive Steuersenkungen hier, Protektionismus da – führten zu einer nationalen Rezession und gefährdeten Tausende von Arbeitsplätzen, sagten die Berater der demokratischen Präsidentschaftskandidatin.