Dominique Strauss-Kahn

Wirtschaftsprofessor Franz Jaeger: «Wie konnte Strauss-Kahn nur so blöd sein?»

Die härtesten Aussagen zum Fall Dominique Strauss-Kahn kommen von einem Ökonomen: Franz Jaeger tut der Ex-IWF-Präsident, wenn die Vorwürfe zutreffen, «überhaupt nicht leid», wie er der Zeitung «Der Sonntag» sagt.

Der emeritierte Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen stellt eine zentrale Frage: «Wie kann ein so mächtiger Mann so blöd sein?»

Dass Strauss-Kahn der Weltpresse in Handschellen vorgeführt wurde, sei voraussehbar gewesen: «Wer in den USA straffällig wird, dem ergeht es so, und das musste auch Strauss-Kahn wissen.» Der «Sex-Banker», wie er von der Boulevardpresse genannt wird, stolperte über seine Libido. «Wieso löste er es nicht wie ein George Clooney – nämlich mit Charme?», fragt sich Jaeger: «Oder wie Silvio Berlusconi – mit Geld?» Strauss-Kahn aber habe seine Bedürfnisse «offensichtlich mit Gewalt» befriedigt, so Jaeger.

«Man spürt bei ihm den Bonvivant»

Der Wirtschaftsexperte hat Strauss-Kahn an Kongressen erlebt. «Er hat eine ausgeprägte analytische Gabe. Er kommt schnell und deutlich auf den Punkt.» Dabei habe sich Strauss-Kahn nicht als Anhänger vom Markt, sondern eher von Regulierung und Staat gezeigt. Bei seinen Auftritten habe der Franzose einen jovialen Eindruck gemacht, sagt Jaeger: «Man spürt bei ihm den Bonvivant.» Es gibt für ihn nur eine Erklärung, warum Strauss-Kahn glaubte, sich alles erlauben zu können, ohne dass ihm etwas passieren würde: «Wer zuoberst steht, läuft offenbar Gefahr, sämtliche Dimensionen zu verlieren.» Das ist eine überhebliche Haltung. Wie ein Traumtänzer, der glaubt, sich dank seiner Machtstellung alles leisten zu dürfen.»

Jetzt ist Strauss-Kahn ins Bodenlose abgestürzt – Jaeger trauert ihm als Ökonom keine Sekunde nach: «Der IWF hat in letzter Zeit eine gefährliche Richtung eingeschlagen. Man wollte die Marktkräfte weder respektieren noch nutzen.»

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