Guttenberg

Wirklich schwierig ist das Stehlen von ganzen wissenschaftlichen Leistungen

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Archiv)

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Archiv)

Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, deutscher Verteidigungsminister, hat in seiner Dissertation abgekupfert. Das ist aber nur eine harmlose Variante geistigen Diebstahls.

Die Verlockung für Schüler und Studierende ist gross: Die Tastenkombinationen Ctrl+C und Ctrl+V sind so verlockend wie weiland die roten Backen von Evas Apfel. Die Strafe für diesen «Sündenfall» ist ähnlich: Ausschluss aus dem Paradies der Wissenschaft. Die akademischen Grössen in Deutschland und der Schweiz sind sich denn auch unisono einig: «Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt.»

Streng genommen ist es geistiger Diebstahl oder Verletzung des Urheberrechts. Und was Guttenberg gemacht hat, ist nur die harmlose Variante. Sich einen Text mit Copy-Paste zusammenschustern kann jeder. Schwerwiegender ist der Diebstahl von ganzen wissenschaftlichen Leistungen. Besonders Jungforscher können davon betroffen sein, wenn sich zum Beispiel ein Institutsleiter mit ihren Ergebnissen schmücken will.

Ergebnisse an sich selbst schicken

Nicht nur Jung-Akademiker schreiben ab, auch Professoren machen es. Während bei der Übernahme von wörtlichen Textpassagen der Nachweis leicht fällt und meist auch die Autorschaft (wer der Erste war) klar ist, ist das bei grösser angelegten Forschungsprojekten weit schwieriger. Man kann auch Datensätze klauen, experimentelle Anordnungen nachahmen oder ganze Argumentationsstrukturen. Fliegt die Sache auf und werden die auffallenden Ähnlichkeiten entdeckt, steht dann meist Aussage gegen Aussage. Und dass sich die Person mit höherer Autorität durchsetzt, ist anzunehmen.

Jungforschern wird deshalb empfohlen, Material, das sie anderen Wissenschaftern zur Einsicht oder zum Zitieren überlassen, in eingeschriebenen Briefen an die eigene Adresse zu schicken und die Couverts nicht zu öffnen, um handfeste Beweise für ihre Urheberschaft zu haben.

Der schwerste Vorwurf, den man Guttenberg machen muss, ist der, dass er so dilettantisch abgeschrieben hat. Mittlerweile hat die Internetgemeinde sich aufgemacht, die Missetaten des Ministers zu entlarven (http://de.guttenplag.wikia.com/ wiki/Plagiate). Allzu schwierig kann es nicht sein, fündig zu werden.

Google schlägt die Software

An der Universität Zürich steht Studierenden und Lehrenden seit Mitte April 2009 die Software «docoloc» zur Verfügung. Dozenten sollten aber in der Lage sein, Plagiate in den Arbeiten ihrer Studenten ohne Computerunterstützung zu erkennen. Kommt hinzu, dass die meisten Programme ihren Preis nicht wert sind. Professor Deborah Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin, «Plagiatsjägerin» schon seit ein paar Jahren, empfiehlt, einfach zwei, drei Schlüsselbegriffe einer verdächtigen Stelle bei Google einzugeben.

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