Wäre es wahr, es wäre die Enthüllung des noch jungen Jahres 2013: Der 2011 getötete Kaida-Prediger Anwar al-Awlaki habe Flugtickets für drei der 19 Attentäter von 9/11 gekauft, darunter für Mohammed Atta. Dies berichtete der TV-Sender FoxNews unter Berufung auf von der Organisation «Judicial Watch» freiprozessierte Dokumente der Bundespolizei FBI. Die Dokumente vom 27. September 2001 zeigen al-Awlakis Name und Kreditkartennummer sowie Flugreservationen.

Laut FoxNews belegen diese FBI-Dokumente einerseits, dass al-Awlaki für mehrere «Probeflüge» der späteren 9/11-Attentäter Flüge gebucht habe, darunter für Mohammed Atta am 13. August 2001 von Washington über Las Vegas nach Miami. Andererseits sei das FBI dem in Amerika geborenen Hassprediger al-Awlaki bereits zwei Wochen nach 9/11 auf der Spur gewesen und konnte ihn mittels Kreditkarten-Buchungen mit Atta in Verbindung bringen. Für die Haudegenjournalisten von FoxNews ist klar: Der Kaida-Ideologe al-Awlaki ist ein – bisher übersehener – Haupt-Drahtzieher der 9/11-Attacken.

FBI dementiert FoxNews-Scoop

Doch die Behauptungen von FoxNews sind nicht wasserfest. Wer die FBI-Dokumente konsultiert, stellt auf den ersten Blick fest, dass zwischen dem Hinweis auf al-Awlakis Kreditkarte und den erwähnten Flugbuchungen ein ganzer Paragraf komplett geschwärzt wurde und damit weiterhin klassifiziert ist. Das FBI wehrt sich denn auch gegenüber vorschnellen Schlussfolgerungen aus stark bearbeiteten Dokumenten: «Das erwähnte Dokument belegt keinen Ticketkauf für die Flugzeugentführer durch al-Awlaki», betont FBI-Sprecherin Kathleen Wright.

Atta benutzte SunTrust-Bankkarte

Der 9/11-Spezialist J.M. Berger weist zudem im Blog des Magazins «Foreign Policy» darauf hin, dass die erwähnten drei Flugtickets, welche al-Awalaki mit seiner Visa-Karte bezahlt haben soll, tatsächlich mit anderen Kreditkarten beglichen worden seien – die korrekten Angaben sind aus einer 300-seitigen FBI-Chronologie vom September 2003 mit dem Titel «Hijackers Timeline» bekannt, die Berger 2007 freiprozessiert hat. Atta benutzte eine SunTrust-Bankkarte für den Kauf seines Flugs vom 13. August 2001.

Anwar al-Awlakis Rolle bei den 9/11-Terrorangriff bleibt im Dunkeln. Zwei der Flugzeugentführer besuchten im Jahr 2000 ein paar Monate lang seine Predigten in der Moschee in La Mesa, Kalifornien, sowie trafen den Iman im April 2001 in der Moschee in Falls Church, Virginia, wo al-Awlaki inzwischen predigte. Aber FBI-Sprecherin Kathleen Wright beteuert: «Das FBI hat keinerlei Evidenz für eine Verbindung von al-Awlaki mit dem Angriff von 9/11.»

Der Hassprediger half den muslimischen Flugzeugentführern in Kalifornien und Virginia bei Alltagsproblemen. Doch es bleibt offen, ob er in den 9/11-Plot eingeweiht war, ob er wusste, dass seine neuen Anhänger Kaida-Schläfer waren. Erst später stieg al-Awlaki zu einer Schlüsselfigur der Kaida auf. Im September 2011 wurde er bei einem US-Drohnenangriff im Jemen getötet.