Norwegen

Wie sich ein Land in Trauer an einen Song klammert

Maria Mena - Mitt lille land (Song zu Anschlägen in Norwegen)

Maria Mena - Mitt lille land (Song zu Anschlägen in Norwegen

unterlegt mit Bildern der Anschläge vom 22. Juli 2011

Norwegen ist vergangenem Freitag nicht mehr das, was es einmal war. Innert weniger Stunden wurde das Land mit den Anschlägen an den Abgrund gerissen. Wie schon nach dem 9/11 in den USA rückt auch in Norwegen nun ein Lied als Trost in den Mittelpunkt.

Ursprünglich stammt das Lied aus der Feder von Ole Paus. Der 64-jährige norwegische Schriftsteller, Musiker und Dichter publiziert seit den 70er-Jahren in seinem Heimatland kleinere Gedichte und Songs, so auch «Mitt lille land» (Mein kleines Lied). Das Lied war für das skandinavische Land wie ein Volkslied, ruhig und melancholisch. Auf der Video-Plattform Youtube wurden nicht selten Landschaftsaufnahmen Norwegens mit dem Stück musikalisch unterlegt.

Die Entwicklung des Liedes beobachteten auch die Macher des norwegischen Senders TV2. Vor mehr als zwei Jahren engagierten sie Kurt Nielsen, einen sympathischen, norwegischen Sänger mit Zahnlücke, welcher den Song als Werbesong für den Sender neu aufnahm. Dasselbe wiederholte TV2 vor wenigen Wochen mit der international bekannteren Maria Mena.

Und dann kam die Katastrophe des 22. Julis: Auf einen Schlag war es vorbei mit dem kleinen Land, ähnlich dem Eldorado Voltaires, wo Candide endlich die «beste aller Welten» findet. Der Doppelanschlag einer einzigen Person liess das Land in Tränen versinken. Es dauerte nur wenige Stunden, bis das norwegische Fernsehen Bilder des trauernden Landes mit «Mitt lille land» zusammen ausstrahlte.

Ole Paus, der Komponist des Liedes, handelte schnell. Er gab das Lied über soundcloud.com, einer Musik-Plattform, frei zur Weiterleitung. Nun verbreitet sich der Song über Social Media durch das Land der Fjorde. Die Norwegerinnen und Norweger erinnern sich an ihr Paradies, ähnlich wie die US-Amerikaner mit Enya nach dem 9/11, mit Zeilen wie «Mein kleines Land, wo hohe Berge rund um Häuser, Menschen und Wörter stehen, wo Ruhe und Träume wachsen» zurück.

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