In Deutschland reichte ein unbedachter, plumper Spruch über ein Dirndl und schon sprach das Land tagelang über Sexismus. In Italien hätte sich kaum jemand über Rainer Brüderles Sprüche an der Hotelbar aufgeregt. Zu lange haben die Italienerinnen und Italiener mit Silvio Berlusconis Eskapaden gelebt.

Unverfroren, schlüpfrig und sexistisch

Jetzt, kurz vor den Wahlen zeigt sich Silvio Berlusconi wieder einmal, wie man ihn kennt: Unverfroren, schlüpfrig und sexistisch. «Sie kommen? Und wie oft kommen Sie? Und in welchen zeitlichen Abständen? Können Sie sich noch mal umdrehen?» («Lei viene? E quante volte viene? E a che distanza temporale? Può girarsi un'altra volta?») Die Diskussion mit Angela Bruno, Managerin des Solarenergie-Unternehmens Green Power, fand jedoch nicht an einer Hotelbar im intimen Rahmen statt, sondern bei einer Podiumsdiskussion.

Quelle: youtube/Felice Guerriero

Silvio Berlusconi: Wie oft kommen Sie?

Eigentlich hätte es ein Gespräch über ökologische Energien sein sollen, doch jetzt diskutiert Italien über die bisher letzte Entgleisung des Cavaliere. Angela Bruno machte auf der Bühne gute Mine zum bösen Spiel und versuchte händeringend sich aus der Situation zu retten. Doch Berlusconi fühlte sich vom Gelächter im Publikum sichtlich angestachelt. Der Managerin ging die Sache jedoch nahe. In der Fernseh-Sendung «Piazza Pulita» sagte sie: «Ich fühlte mich beleidigt, aber ich konnte nicht reagieren.» Die Männer im Publikum hätte sie gerne gefragt, ob sie auch gelacht hätten, wenn deren Tochter oder Ehefrau auf der Bühne gestanden wäre.

«Liebes Fräulein, ich entschuldige mich»

Angela Bruno hat von Silvio Berlusconi eine öffentliche Entschuldigung gefordert - und diese teilweise auch erhalten. In einem Radio-Interview meinte Berlusconi: «Liebes Fräulein, ich entschuldige mich.» Er habe einige Dinge gesagt, welche das Publikum als Witze interpretiert habe. Und es habe ja auch Angela Bruno amüsiert, so der Cavaliere. Sie solle sich jetzt nicht von Moralisten beeinflussen lassen.