Szenario 1: Diplomatische Lösung

Die Bemühungen um eine diplomatische Beilegung der Krise laufen auf Hochtouren. Als Vermittler kommt die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) infrage, bei der die Schweiz derzeit den Vorsitz führt. Die OSZE ist die einzige sicherheitspolitische Organisation, in der alle europäischen Länder sowie Russland, die Nachfolgestaaten der Sowjetunion und auch die USA vertreten sind. Die Institution wurde 1975 - mitten im Kalten Krieg - gegründet und war damals ein wichtiges Forum für die Kommunikation zwischen den Blöcken. Eine ähnliche Rolle könnte sie auch jetzt wieder einnehmen. Mit dem Schweizer Tim Guldimann, den die OSZE zu ihrem Beauftragten für die Ukraine ernannt hat, steht zudem ein erfahrener Vermittler zur Verfügung. Im Gespräch ist ferner die Bildung einer so genannten «Fact Finding Mission». Sie hätte die Aufgabe zu klären, ob die russischen Truppen auf der Krim tatsächlich ihre vertraglich zugesicherten Grenzen überschritten haben und ob die Russen auf der Halbinsel wirklich bedroht sind. Ferner ist von der Einrichtung einer Kontaktgruppe die Rede. Das wäre ein Forum, das einen direkten Dialog zwischen den Kontrahenten ermöglicht.

Realitätscheck: Putin fühlt sich stark. Nach dem für ihn erniedrigenden Machwechsel in Kiew hat er das Gesetz des Handelns wieder an sich gerissen. Es ist fraglich, ob der Kremlchef zu Zugeständnissen bereit ist.

Szenario 2: Militärische Lösung

Die Situation auf der Krim ist äusserst explosiv. Eine Provokation der Russen, eine unbedachte Reaktion der ukrainischen Soldaten kann zu einem «heissen» Krieg führen. Nicht auszuschliessen ist nach wie vor ein Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine. Präsident Wladimir Putin drohte gestern damit, dass seine Armee «in einem extremen Fall» in anderen Teilen des Landes einschreiten könnte.

Realitätscheck: Mit einem Eingreifen der Nato ist nicht zu rechnen. Russland würde allerdings politisch und wirtschaftlich vollkommen isoliert. Daran kann selbst Putin kein Interesse haben.

Szenario 3: Die Ukraine wird geteilt

Die Abspaltung der Krim von der Ukraine ist bereits so gut wie besiegelt. Doch auch in anderen Teilen des Landes regen sich separatistische Tendenzen: Drei südukrainische Regionen wollen sich der Krim anschliessen. Auch dort leben vor allem Russen. Im Osten der Ukraine sucht die überwiegend russischsprachige Bevölkerung ebenfalls den Schulterschluss mit Russland. Mehr noch: Im Südwesten leben Minderheiten, deren Bevölkerungen früher zu Rumänien, Ungarn, Polen oder der Tschechoslowakei gehörten. Sie wollen zwar nicht eine Abspaltung von der Ukraine, fordern aber mehr Selbstverwaltungsrechte und eine Dezentralisierung des Staates. Die Ukraine habe als Zentralstaat keine Zukunft, sagte unlängst einer der Wortführer der ungarischen Minderheit.

Realitätscheck: Eine Aufspaltung des Landes erscheint auf den ersten Blick als vernünftige Lösung. Vorbild wäre die Teilung der Tschechoslowakei 1992. So einfach dürfte es aber in der Ukraine nicht werden. Der Osten ist keineswegs so einheitlich, wie es scheint. Auch dort gibt es breite Bevölkerungskreise, die bei Kiew bleiben wollen.