Vlad Plahotniuc

Wie ein Oligarch Moldawien um eine Milliarde erleichterte

Vlad Plahotniuc ist einer der reichsten Männer Osteuropas. Seit kurzem wird der Moldawier offiziell gesucht. (Bild: Wikipedia)

Vlad Plahotniuc ist einer der reichsten Männer Osteuropas. Seit kurzem wird der Moldawier offiziell gesucht. (Bild: Wikipedia)

Vlad Plahotniuc ist einer der reichsten Männer Osteuropas und wird seit dieser Wochen offiziell gesucht. Doch die Suche wird nicht einfach.

Jahrelang galt er als unantastbar und machte beste Geschäfte, doch am Freitag wurde Vlad Plahotniuc zur Verhaftung ausgeschrieben. Der schwerreiche Oligarch und ehemalige Präsident der moldawischen Regierungspartei wurde wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und Betrugs angeklagt. Dies verkündete in der Hauptstadt Chisinau ausgerechnet Plahotniucs langjähriger Parteikollege Aleksandru Stoianoglu, der seit Ende November als Oberstaatsanwalt in dem verarmten osteuropäischen Land waltet.

Moldawien will in den nächsten Tagen ein Auslieferungsgesuch für Plahotniuc an die USA stellen. Dort hält sich der 54-jähirge offenbar trotz einer Einreisesperre auf, wie Washington im März zumindest indirekt bestätigte. Zuvor befand sich Plahotniuc, der mehrere Pässe und Identitäten haben soll, seit Juni auf der Flucht.

Mitte Juni 2019 hatte der Oligarch in seinem Privatjet Chisinau in unbestimmter Richtung verlassen. Zuvor war er von Anti-Korruptionsaktivisten gestürzt worden.

Der Medienzar trieb drei Banken in den Ruin

Plahotniuc hatte sich zuvor kurzerhand die «Demokratische Partei Moldawiens» (PDM) gekauft und sich 2016 offiziell an deren Spitze setzen lassen. 2018 war er gar kurzzeitig Parlamentspräsident. Der grosse Coup gelang Plahotniuc allerdings schon 2014: Damals hatte es der Medienzar laut der Staatsanwaltschaft geschafft, den bitterarmen Staat um umgerechnet rund eine Milliarde Dollar zu erleichtern. In dem als «Moldawischer Bankenskandal» bekannten Deal soll Plahotniuc mit weiteren Oligarchen in nur drei Tagen drei Geschäftsbanken um den schwindelerregenden Betrag erleichtert und sie damit in den Ruin getrieben haben. Um das Bankensystem zu retten, schoss daraufhin die Nationalbank das Geld aus ihren Devisenreserven ein, weshalb Oberstaatsanwalt Stoianoglu von einem Milliardenverlust für den Staat spricht.

Laut dem Staatspräsident Igor Dodon ist trotzdem unklar, ob die USA Plahotniuc ausliefern werden. «Washington fehlt wohl der Wille zum entscheidenden Schritt gegen den Oligarchen», glaubt Dodon. Laut dem pro-russischen Staatspräsidenten hat sich Plahotniuc mit seinem pro-westlichen Kurs in Washington durchaus auch Freunde geschaffen.

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