Der drohende nukleare Konflikt zwischen Nordkorea und den USA verursachte auch am Tag 2 nach Donald Trumps «fire and fury»-Rede heftige diplomatische Nachwehen. US-Verteidigungsminister James Mattis warnte Kim Jong Un, dass ein falscher Schritt «zum Ende des Regimes und zur Zerstörung des nordkoreanischen Volkes führen» würde. Und US-Aussenminister Rex Tillerson versicherte seinen Landsleuten, dass Amerika auf jegliche Attacken vonseiten Nordkoreas eine starke Antwort zur Hand habe.

Während in Amerika weiterhin eine Rhetorik der militärischen Stärke die Debatte dominiert, sind die Reaktionen aus Europa eher ängstlich. Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel fürchtet, «dass wir ähnlich wie im Ersten Weltkrieg schlafwandlerisch in einen Krieg hineinmarschieren», nur dass der Krieg diesmal mit Atomwaffen geführt würde. Gabriel hofft darauf, dass sich in den USA bald ein kühlerer, weniger emotionaler Tonfall durchsetze, um die internationale Sicherheitslage nicht unnötig zu gefährden.

Die EU verhängte am Donnerstag Einreiseverbote und Vermögenssperren gegen 13 weitere nordkoreanische Unternehmen und Personen, unter anderem gegen die Staatsbank Foreign Trade Bank. Einzig US-Präsident Donald Trump, der das Feuerwerk an hochriskanten Anschuldigungen und Drohungen mit seiner Ansprache auslöste, schien die Sache gestern bereits wieder vergessen zu haben. Statt zu beschwichtigen, teilte er auf Twitter einen Link zu einer Umfrage, die ihm eine höhere Beliebtheit als Barack Obama einräumte, und drohte den US-Republikanern, sie sollten sich um die Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform kümmern.

Das Schweizer Engagement in Korea: ein Kurzfilm der Schweizer Armee

Seit 1953 leisten Schweizer Soldaten einen friedensfördernden Einsatz in Korea. Im Rahmen der Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC) überwachen sie das Waffenstillstandsabkommen zwischen Süd- und Nordkorea und sind dazu in Panmunjom direkt an der Demarkationslinie stationiert.

Schweizer Offiziere an Kims Grenze

Beunruhigt über die Rhetorik aus Übersee ist auch Roland Rino Büchel. Der St. Galler SVP-Nationalrat ist Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats und als solcher mit internationalen Krisen gut vertraut. «Das Muster ist bekannt: Wenn Politiker innenpolitische Probleme haben, dann werden sie ausserhalb der Grenzen aktiv – und sei es nur rhetorisch», sagt Büchel der «Aargauer Zeitung». Die Rhetorik der beiden Staatsoberhäupter gäbe ihm zu denken. «Gut, dass wir es mit Donald Trump und Kim Jong Un mit zwei Personen zu tun haben, welche Dinge eher ankündigen als ausführen.»

Viel beitragen zur Beilegung des Konflikts könne die Schweiz derzeit zwar nicht. «Sollten wir aber von den Konfliktparteien um eine Vermittlung angefragt werden, dann ist das eine Aufgabe, die unser Land wahrnehmen kann und soll», sagt Büchel. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte auf Anfrage, dass man zu Vermittlungsleistungen zwischen Nordkorea und den USA bereit wäre.

Einen kleinen Beitrag zur Beruhigung der Situation leistet die Schweiz bereits jetzt schon. «Wir haben aktuell fünf Schweizer Offiziere an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea stationiert», sagt Roland Rino Büchel. Die Offiziere überwachten die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens von 1953. «Damit tragen wir wenigstes etwas zur relativen Stabilität in der Region bei.» 

Angst in Südkorea

Der amerikanische Journalist und Nordkorea-Experte Mark Bowden schätzt die Nordkorea-Situation auf Anfrage der «Aargauer Zeitung» weiterhin als riskant ein. «Trumps kriegerische Aussagen haben vor allem auch die Menschen auf der koreanischen Halbinsel in Angst versetzt. Trump hat Kim Jong Un damit einen politischen Steilpass gegeben.»

Kims Regime sei in Nordkorea nicht zuletzt deshalb absolut unumstritten, weil es der Diktator schaffe, das Feindbild eines aggressiven Amerikas zu zeichnen, gegen das man sich mit allen Mitteln schützen müsse. «Mit seinen kindischen Aussagen ist Trump auf das tiefe Level der nordkoreanischen Propagandisten abgesunken», betont Mark Bowden. Überrascht habe ihn das nicht, sagt der Amerikaner. Trumps Argumentationslevel sei bei internationalen politischen Themen eigentlich immer extrem tief.

Auch wenn die heikle Situation noch nicht überstanden ist: Dass Trump oder Kim wirklich zur Ultima Ratio greifen und einen atomaren Erstschlag riskieren würden, glaubt Bowden nicht. «Für das nordkoreanische Regime wäre ein Angriff auf Guam Selbstmord. Dass Kim das riskiert, ist extrem unwahrscheinlich. Genauso unwahrscheinlich, wie dass Trump seinen Worten Taten folgen lässt.»