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Wie damals Barack Obama: Zwölf Jahre nach Obamas Überraschungssieg in Iowa gelingt einem anderen demokratischen Jungspund die Sensation bei den Vorwahlen

Pete Buttigieg, 38, hat in Iowa laut den aktuellsten Zahlen gewonnen. Das kommt einer Sensation gleich.

Pete Buttigieg, 38, hat in Iowa laut den aktuellsten Zahlen gewonnen. Das kommt einer Sensation gleich.

Pete Buttigieg, ein schwuler, 38-jähriger Kriegsveteran, ist der Überraschungssieger von Iowa. Seinen Triumph hat niemand kommen sehen.

Quizfrage: Was haben Pete Buttigieg («Buu-ditsch-itsch») und Barack Obama gemeinsam? Beide sind Linkshänder–und beide haben überraschend die demokratischen Vorwahlen im Bundesstaat Iowa gewonnen: Obama 2008, Buttigieg – laut den bis jetzt vorliegenden Zahlen – 2020. In beiden Fällen kratzte sich die Öffentlichkeit am Kopf und fragte sich: Barack wer? Pete was?

Barack Obama ist heute allen ein Begriff. Pete Buttigieg aber, den 38-jährigen ehemaligen Bürgermeister der Kleinstadt South Bend, kennt kaum jemand ausserhalb der amerikanischen Polit- Sphären. Umso grösser ist die Überraschung, dass Buttigieg (27%) in Iowa so grosse Namen wie Joe Biden (15%) und Bernie Sanders (25%) hinter sich liess.

2008 noch tingelte er als freiwilliger Helfer für Barack Obamas Wahlkampagne durch Iowa. 2020 kam er mit seiner eigenen Botschaft zurück. Und die ist deutlich: Amerika kann nicht prosperieren, wenn es nur zurückschaut. Statt Kohlekraftwerke brauche das Land eine neue Umweltpolitik, statt Anti-Abtreibungs-Gesetzen mehr Toleranz gegenüber Minderheiten.

Buttigieg, der an den Elite-Universitäten Harvard und Oxford studiert hat und danach für das Beratungsunternehmen McKinsey arbeitete, würde in der Schweiz wohl als Grünliberaler durchgehen: Stärkung der Wirtschaft, Öffnung der Gesellschaft, mit einer Prise Umweltbewusstsein.

Hundefan und Kriegsveteran

Doch dieser Ideen-Mix ist es nicht, was den verheirateten Hundefan (sein Mann heisst Chasten, seine beiden vierbeinigen Kumpels Truman und Buddy) im Wahlkampf so erfolgreich macht. Es ist seine Person, die die Demokraten fasziniert. Buttigieg hat sich freiwillig zum Militärdienst gemeldet und war sieben Monate im Afghanistan-Krieg im Einsatz.

Er hat ein Diplom als Konzertpianist und spricht neben Englisch auch Spanisch, Maltesisch (sein Vater stammt aus Malta), Italienisch, Arabisch, Farsi, Französisch und Norwegisch. Er ist der einzige Nicht-Millionär im demokratischen Kandidatenfeld und wäre – sollte ihm die Sensation vollends gelingen – der jüngste US-Präsident der Geschichte.

Sein Überraschungssieg in Iowa hat seine Mitkonkurrenten auf dem falschen Fuss erwischt. Allen voran Joe ­Biden, 77. Der einstige US-Vizepräsident wurde abgeschlagen Vierter und wird Probleme haben, Geldgeber für seine Kampagne zu finden. Biden setzt nun seine ganze Hoffnung auf die Vorwahlen in den Südstaaten, wo ihm seine guten Umfragewerte bei farbigen Wählern helfen dürften.

Vorher aber wird am Dienstag in New Hampshire gewählt. Da wird aller Voraussicht nach der sozialistische Kandidat Bernie Sanders, 78, gewinnen. Sein zweiter Platz in Iowa zeigt: Elizabeth Warren, 70, die andere Kandidatin der demokratischen Linken, wird langfristig kaum noch Chancen haben.

Multimilliardär könnte Rennen neu aufmischen

Einer, der in der nächsten Phase des Wahlkampfs eine Rolle spielen könnte, ist der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, 77. Der Multimilliardär steigt erst am 3. März ins Rennen. Dann werden gleich 14 Bundesstaaten ihre Vorwahlen abhalten. Bloomberg spekulierte auf einen Sieg von Bernie Sanders in Iowa.

Das hätte den gemässigten Demokraten gezeigt, dass keiner «ihrer» Kandidaten gegen den Altsozialisten etwas ausrichten kann – und dass man deshalb alles auf Bloomberg setzen müsse. Diesen Plan hat Buttigieg durchkreuzt.

«Bürgermeister Pete» hat allerdings noch gewaltige Hürden zu meistern, wenn er Donald Trump beerben will. Als grösste Herausforderung gelten die in vielen anstehenden Vorwahlen wichtigen Stimmen der Afroamerikaner, bei denen Buttigieg schlecht abschneidet.

Buttigieg selber gab sich nach seinem Sieg in Iowa gestern vorsichtig optimistisch: «Etwas tut sich gerade in Amerika», rief er in die Menge. Welches Potenzial dieses Etwas hat, zeigt sich bereits am Dienstag in New Hampshire.

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