Luftige höhen

Wie ausgerechnet ein Wolkenkratzer grün in die Stadt bringt

«The Met» in Bangkok gilt als innovativstes und nachhaltigstes Hochhaus der Welt. Wieso das so ist und was europäische Architekten von Asien lernen können.

Sathon ist einer von fünfzig Stadtbezirken in Thailands Hauptstadt Bangkok. Er liegt mitten im Zentrum der Stadt. Mehr als 10 000 Einwohner kommen hier auf einen Quadratkilometer, soviele wie im Aussersihl, Zürichs dichtbesiedeltstes Quartier. Auf engstem Raum treffen in Sathon Moderne und Bodenständigkeit aufeinander.

Nur von einem Kanal getrennt, reihen sich auf der einen Seite des Bezirks traditionelle, zweistöckige Häuschen aneinander, während auf der anderen ein Wolkenkratzer nach dem andern aus dem Boden schiesst. Die Strassen sind verstopft. Lärm und Abgase prägen das Bild. Am Boden.

In luftiger Höhe siehts allerdings anders aus. Anfang November gewann der 230 Meter hohe Wolkenkratzer «The Metropolitan», genannt «The Met», den Internationalen Hochhaus Preis. Damit gilt das Hochhaus als weltweit innovativster Wolkenkratzer.

«Die Idee ist, ein Hochhaus so zu öffnen, dass es inmitten einer Megacity nahezu buchstäblich atmet»

Die Expertenjury, geführt vom weltbekannten britischen Architekten Norman Robert Foster, lobte das Hochhaus explizit für seinen innovativen Ansatz. Statt wie sonst üblich einen geschlossenen Turm in die Höhe zu ziehen, splittete der asiatische Architekt Wong Mun Summ den Wolkenkratzer in sechs miteinander verbundene Türme auf.

Diese öffnet er mit zahlreichen Balkons und Terrassen. Durch die Lücken im Gebilde weht kühlender Wind. Das Gebäude ist so konzipiert, dass sogar jedes einzelne Appartement vollständig belüftet werden kann. Mun Summ hat die Klimaanlage so überflüssig gemacht.

Viel grün sorgt tagsüber zusätzlich für frischen Sauerstoff. Die Preisjury fasst den Gedanken hinter dem Projekt zusammen mit «die Idee ist, ein Hochhaus so zu öffnen, dass es inmitten einer Megacity nahezu buchstäblich atmet».

Ein Luxus, den sich auch Sozialhilfebedürftige sollen leisten können

«The Met» ist ein Luxusbau für Wohlhabende. Schwimmbäder, riesige begrünte Terrassen, ein Penthouse auf 540 Quadratmetern Fläche. Sein Architekt Wong Mun Summ hat viel Erfahrung mit dem Bau von Ferienanlagen und Luxushotels.

Für Mittelstand und Unterschicht unerschwinglich. Sein nächstes Projekt baut deshalb zwar auf dem Konzept des Metropolitans auf, soll aber Sozialwohnungen anbieten. (mik)

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