Afghanistan

Westen fiel offenbar auf falschen Taliban-Führer herein

Taliban in Afghanistan. (Archiv)

Taliban in Afghanistan. (Archiv)

Peinliche Posse in Afghanistan: Ein vermeintlich hochrangiger Taliban-Führer bei den Friedensgesprächen mit der afghanischen Führung war nach einem Bericht der «New York Times» vom Dienstag ein Schwindler.

Dass der afghanische Präsident Hamid Karsai und dessen westliche Verbündete auf einen Hochstapler hereinfielen, sei erst aufgeflogen, nachdem der Mann eine beachtliche Summe an westlichem Geld eingestrichen habe. Damit sollte er der Zeitung zufolge zur weiteren Teilnahme an den Gesprächen ermutigt werden.

Karsai und die NATO, die die geheimen Treffen unterstützt hatte, glaubten, dass es sich bei dem Gesprächspartner um Mullah Achtar Muhammad Mansur handelte. Er gilt als eine führende Person in der Taliban-Bewegung, manche hielten ihn gar für die Nummer Zwei nach Mullah Mohammed Omar.

Viel Geld gegeben

Es habe drei Treffen mit dem Mann gegeben, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf afghanische und westliche Beamte. Der falsche Mullah Mansur sei über die pakistanische Grenze hinweg angereist und in einem Fall sogar in einer NATO-Maschine zu einem Treffen mit Karsai nach Kabul geflogen worden.

Zweifel seien nach dem dritten Treffen in der südafghanischen Stadt Kandahar aufgetaucht. Da habe ein Mann, der Mansur von früher kannte, afghanischen Vertretern gesagt, dass der Mann am Verhandlungstisch keine Ähnlichkeit mit dem Taliban-Führer habe. "Er sagte, dass er ihn nicht erkennt", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Afghanen.

Inzwischen, so die "New York Times", seien US-amerikanische und westliche Beamte überzeugt davon, dass es sich um einen Schwindel handle. "Er ist es nicht", sagte ein westlicher Diplomat nach Angaben der Zeitung. "Und wir haben ihm eine Menge Geld gegeben."

Karsai spricht von Propaganda

Der afghanische Präsident hingegen wies die Anschuldigungen als "Propaganda der Medien" zurück. "Ich habe niemanden mit dem Namen Achtar Muhammad Mansur getroffen", sagte Karsai am Dienstag vor Reportern in Kabul.

"Trauen Sie der 'New York Times' nicht." Was ausländische Medien über die Gespräche zwischen der afghanischer Regierung und den Taliban verbreiteten, seien meistens "Lügen und Propaganda".

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