25 Jahre Desert Storm

«Wenn die Vögel vom Himmel fallen, ist Gas in der Luft»

Vor 25 Jahren wurde das Emirat Kuwait befreit. Die Folgen der Operation «Wüstensturm» sind bis heute zu spüren. Die Eindrücke von einem, der dabei war.

„Schauen Sie sich die Jungens da drüben ganz genau an“, sagte uns der US-Leutnant Mark Ashley und zeigte auf eine Gruppe von 50 Marineinfanteristen, die auf dem oberen Deck der „USS La Moure County“ Liegestütze machten. „Sie werden die ersten sein, die sterben“.

Einen Tag später, am 15. Januar des Jahres 1990, verlies das amerikanische Landungsschiff mit 40 schweren Lastwagen, Jeeps und schweren „Howitzer“-Geschützen den Hafen von Dubai in Richtung Kuwait, wo am 24.Februar 1990 die kurze Bodenoffensive zur Befreiung von Kuwait begann.

Vernichtende Niederlage

„Nicht einmal 100 Stunden brauchten wir, um dem irakischen Heer in den Hintern zu treten», rühmte sich US-General Norman Schwarzkopf nach dem schnellen Sieg. Überraschend kam die Niederlage und anschliessende Kapitulation der viertgrössten Armee der Welt nicht. Nach mehr als 100000 Bombenangriffen im Rahmen der „Operation Wüstensturm“ war der Widerstand der Soldaten von Saddam Hussein gebrochen, der Hoffnungsträger von Millionen Arabern vernichtend geschlagen.

George Bush kündigt «Desert Storm» an

George Bush kündigt «Desert Storm» an

Im Jahr 1991 kündigt US-Präsident George Bush in einer Fernsehansprache die Befreiung von Kuwait mit der Operation «Desert Storm» an.

„Unser Blut und unsere Seele werden wir Dir opfern“, hatten in den Wochen zuvor Zehntausende in den Strassen von Amman, Kairo und Khartum skandiert, als Saddams Scud-Raketen in Tel Aviv sowie an der saudischen Ostküste einschlugen.

Auch wir Journalisten wurden damals mit deutschen Gasmasken ausgestattet. In dem beigelegten Faltblatt über Verhaltensregeln bei C-Waffenangriffen hiess es: „Wenn die Vögel vom Himmel fallen, ist Senf oder Nervengas in der Luft. Doch ihre Maske bietet ihnen 72 Stunden lang Schutz…“

Wir haben sie niemals gebraucht. An die Front durften nur britische und amerikanische Kollegen, auf deren zensierte Berichte wir häufig angewiesen waren. Internet gab es damals noch nicht. Die Agenturtexte kamen per Telex, das auch wir zur Übermittlung unserer Berichte nutzen.

Champagner und Bombenhagel

Ungehinderten Zugang hatten wir zu den kuwaitischen „Flüchtlingen“. Sie waren von ihrer nach Saudi-Arabien geflüchteten Exil-Regierung in den 5-Sterne-Hotels von Dubai, Abu Dhabi, Bahrain und Kairo untergebracht worden. Mit gemischten Gefühlen erinnere mich an eine kuwaitische Familie, die während des live bei CNN übertragenen Bombardements auf Bagdad in der Lobby des Dubai-Sheratons Champagner bestellte. Als der Korken knallte, beschrieb CNN-Reporter John Hollimann die infernalen US-Angriffe auf Bagdad als ein „wunderschönes“ Licht-Schauspiel.

Auch wir hatten Mühe, uns der kollektiven Kriegsbegeisterung zu entziehen. Denn es war ganz offensichtlich, dass in Kuwait Gut gegen Böse kämpften, die Alliierten gegen einen ruchlosen Diktator zu Werke gingen, der mit seinem Einmarsch in Kuwait die Vorherrschaft am Persischen Golf und in der gesamten arabischen Welt anstrebte. Nicht nur für die USA war eine irakische Kontrolle des Ölpreises völlig unakzeptabel.

Öl-Felder in Flammen

Wie gefährlich und unberechenbar Saddam Hussein war, sahen wir bei unserem ersten Besuch nach der Befreiung des Emirates Anfang März: Von 1000 Ölfeldern hatten irakische Truppen 800 zu sprengen versucht. Noch monatelang stand über Kuwait ein mitunter pechschwarzer Rauchpilz. In den Küstengewässern wurde der mit 11 Milliarden Litern Öl grösste Ölteppich der Industriegeschichte registriert. Über die Stratosphäre gelangte der kuwaitische Russ bis nach Afghanistan und Äthiopien.

Der Golfkrieg 1991 beginnt

Der Golfkrieg 1991 beginnt

Ausschnitt aus der «Tagesschau» von ARD vom 24.2.1991 zum Golfkrieg im Jahr 1991. 

Aus rein militärischer Sicht war die „Operation Wüstensturm“ dennoch ein Erfolg. Mit der Befreiung von Kuwait wurde das vorgegebene Ziel mit nur minimalen Verlusten auf Seiten der Sieger erreicht.

Für die 150000 toten Iraker wurde Saddam Hussein verantwortlich gemacht. Die verheerenden Kollateralschäden wurden erst später sichtbar: Der Kuwait-Krieg vertiefte die Gräben zwischen den Kulturen, den Religionen. Es war Osama bin Laden, der „die amerikanischen Stiefel auf heiliger saudischer Erde“ zum Anlass nahm, um den USA und dem wahabitischen Königshaus den Krieg zu erklären. Die Vorbereitungen für die Terroranschläge des 11.September begannen nur wenige Monate nach der Befreiung von Kuwait. 

Tatenlos zugeschaut 

Rückblickend ist festzustellen, dass es ein Fehler war, Saddam Hussein nicht während der „Operation Wüstensturm“ entmachtet zu haben. Die US-Armee war damals bis 50 Kilometer vor Bagdad vorgerückt, wo sie brutale Niederschlagung der Schiitenaufstände tatenlos beobachte.

Der Sturz des Diktators 12 Jahre später, als Folge einer katastrophal vorbereiteten Invasion, stürzte den Irak in jenes Chaos, in dem radikalislamische Terrormilizen wie der sogenannte „Islamische Staat“ entstehen und wachsen konnten. Zur konsequenten Bekämpfung der IS-Dschihadisten, sei es in Syrien oder im Irak, fehlt den USA die Kraft. Nach zwei massiven Boden-Interventionen im Nahen Osten in nur 25 Jahren ist dies nicht erstaunlich.

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