Nahost

Weltweit wächst die Furcht vor einem zweiten Gaza-Krieg

Eine israelische Bombe schlägt im Gazastreifen ein.

Eine israelische Bombe schlägt im Gazastreifen ein.

Luftalarm in Tel Aviv, Racheschwüre in Gaza: International wächst die Furcht vor einem neuen Nahost-Krieg. Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als Irak Raketen auf Israel abschoss, heulten gestern die Luftalarm-Sirenen in der israelischen Metropole.

Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Die israelischen Streitkräfte dementierten am Abend Berichte über den Einschlag einer Rakete aus Gaza im Grossraum Tel Aviv. Gleichzeitig kündigte das Militär weitere Luftangriffe «in den nächsten Stunden» an.

Hamas ruft Notstand aus

Israel begann zudem mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30000 Mann einberufen werden. Einen Tag nach der gezielten Tötung von Hamas-Militärchef Achmed al-Dschabari durch Israel kostete ein Raketenangriff der radikalislamischen Hamas gestern drei Israeli das Leben. Sie waren die ersten Todesopfer aufseiten des jüdischen Staates in den Gefechten, die sich zum offenen Krieg auszuweiten drohen. Zudem wurden mindestens zwölf Menschen in Israel verletzt. Im Gazastreifen stieg die Zahl der Toten bei Luftangriffen auf 15, darunter zwei Kleinkinder und eine Schwangere. Die USA bezeichneten die Raketenangriffe auf Israel als «feige Taten» der Hamas. Im Gegensatz dazu zog Ägypten den Botschafter aus Israel ab und verurteilte die israelischen Angriffe als «Aggression».

Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums wurden mehr als 150 Menschen verletzt. Die israelische Armee habe seit Beginn der Offensive «Säule der Verteidigung» am Mittwoch fast 230 Ziele aus der Luft und vom Meer aus angegriffen, teilte eine Sprecherin in Tel Aviv mit. Die Hamas feuerte rund 250 Raketen auf Israel ab.

Im Gazastreifen rief die regierende Hamas den Notstand aus. Schulen blieben geschlossen, die meisten Strassen in Gaza-Stadt waren verwaist, viele der 1,6 Millionen Einwohner in der Küstenregion suchten zu Hause Schutz. Die israelische Armee hatte sie mit Flugblättern davor gewarnt, in die Nähe von Hamas-Standorten, Raketenlagern oder Abschussrampen zu gehen.

Beide Seiten entschlossen

Auch die Menschen in Israels Süden, wo gleichfalls der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, sollten zum Schutz vor den Raketen der Islamisten ihre Häuser möglichst nicht verlassen. 40 Kilometer um den Gazastreifen blieben die Schulen geschlossen, die Menschen sollten nicht zur Arbeit gehen. Die Polizei verstärkte aus Angst vor Terroranschlägen in ganz Israel die Patrouillen.

Die Führung der Hamas schloss eine Waffenstillstandsvereinbarung mit Israel aus. «Wir werden uns nicht weiteren Tricks der Besatzung aussetzen», sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri an einer Medienkonferenz in Gaza. Israel habe «einen offenen Krieg gegen unser Volk und unseren Widerstand im Gazastreifen» begonnen. Die Äusserungen des Hamas-Sprechers laufen Hoffnungen auf eine schnelle Beilegung des Konflikts zuwider.

Israel hatte die Luftangriffe im Gazastreifen am Mittwoch gestartet und dabei Hamas-Militärchef al-Dschabari gezielt getötet. In Gaza versammelten sich gestern Tausende Palästinenser, um al-Dschabari das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bezeichnete dessen Tötung als «Kriegserklärung» und kündigte massive Rache an.

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