UNO

Weltgewandter Portugiese: António Guterres soll UNO-Generalsekretär werden

Grosse Hoffnungen ruhen auf ihm, grosse Aufgaben warten auf ihn: António Guterres. SALVATORE DI NOLFI/Keystone

Grosse Hoffnungen ruhen auf ihm, grosse Aufgaben warten auf ihn: António Guterres. SALVATORE DI NOLFI/Keystone

Der frühere Chef des UNO-Flüchtlingshilfswerks und ehemalige portugiesische Ministerpräsident António Guterres wird mit grosser Wahrscheinlichkeit der nächste Generalsekretär der Vereinten Nationen.

Der UNO-Sicherheitsrat legt sich fest: António Guterres, der frühere Premierminister Portugals, soll neuer UNO-Generalsekretär werden. Der Präsident des Sicherheitsrates, der Russe Witali Tschurkin, erklärte am Mittwoch in New York: Guterres (67) sei der «klare Favorit» des Rates. Das mächtigste UNO-Gremium hatte sich in der sechsten Probeabstimmung für den ehemaligen UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge als neuen Generalsekretär ausgesprochen. Entscheidend war, dass keine der fünf Vetomächte unter den 15 Mitgliedern des Rates den Südeuropäer blockierte.

Der Sicherheitsrat will nun der UNO-Vollversammlung eine formale Empfehlung für Guterres übermitteln. Die Vollversammlung muss die Empfehlung des Sicherheitsrates dann bestätigen – das Ja für den weltgewandten Portugiesen ist so gut wie sicher. Damit endet ein monatelanges Tauziehen um den wichtigsten Posten bei der Weltorganisation. Guterres solle im Januar den Südkoreaner Ban Ki Moon ablösen, seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.

Osteuropäer wäre dran gewesen

Guterres hatte auch alle fünf vorherigen Probeabstimmungen im Sicherheitsrat gewonnen, zuletzt traten zehn Kandidaten für den UNO-Posten an. Viele Staaten hatten sich dafür ausgesprochen, dass erstmals eine Frau an der UNO-Spitze rücken sollte. Russland verlangte, den Posten mit einer Persönlichkeit aus Osteuropa zu besetzen. Die Region Osteuropa hat seit 1945 keinen einzigen Generalsekretär gestellt.

Ein Generalsekretär Guterres wird ein schweres Erbe antreten. Die Vereinten Nationen konnten in den vergangenen Jahren ihrer wichtigsten Aufgabe, Stabilität und Frieden in die Welt zu bringen, nicht gerecht werden. Der Terrorismus zieht eine Blutspur durch viele Länder, blutige Konflikte erschüttern ganze Regionen und die schlimmste Flüchtlingskrise seit 1946 hält den Globus in Atem. Die Hilflosigkeit der UNO manifestiert sich vor allem in Syrien – ein Krieg, der trotz jahrelanger Friedens-Bemühungen der Weltorganisation Hunderttausende Todesopfer forderte.

Die Generalsekretäre der Vereinten Nationen von 1945 bis heute:

Über eigentliche politische Macht verfügt der UNO-Generalsekretär nicht, er kann aber durch Appelle die Politiker und die Weltöffentlichkeit aufrütteln. Er muss sich vor allem mit den Schwergewichten USA, China und Russland arrangieren. Guterres scheint für diese Position laut Diplomaten hervorragend geeignet zu sein: Der Portugiese gilt als hervorragender Redner, der die UNO-Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch fliessend beherrscht, und als geschickter Stratege, der seine Ziele beharrlich verfolgt. «Guterres ist eine sehr gute Wahl, er kennt sich in den Vereinten Nationen bestens aus und ist mit den Toppolitikern der Welt vernetzt», kommentierte ein hoher UNO-Funktionär die Wahl.

Eine Stimme für die Flüchtlinge

Der Sozialdemokrat Guterres war von 1995 bis 2002 Premierminister Portugals in Lissabon. Von 2005 bis 2015 bekleidete er das Amt des UNO-Hochkommissars für Flüchtlinge in Genf. In seiner Amtszeit als Chef des Flüchtlingshilfswerks UNHCR stieg die Zahl der Menschen auf der Flucht kontinuierlich an, Ende 2015 waren es mehr als 65 Millionen Männer, Frauen und Kinder. Ursache waren die vielen Kriege und Konflikte auf der Welt. Guterres verstand seinen Job als Hochkommissar auch politisch: Er warnte beharrlich vor einer Verschärfung der Vertriebenenkrise. Und er forderte die Regierungen der reichen Länder auf, mehr Geld für die humanitäre Hilfe zu geben. Als UNO-Generalsekretär wird er ab 2017 seine Appelle mit noch mehr Autorität wiederholen können.

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