Wladimir Putin ist dieser Tage im Nahen Osten ein gefragter Mann. Heute reist er nach Kairo, um den sehr teuren Verkauf eines russischen Atomkraftwerkes an Ägypten zu besiegeln. Gleichzeitig will er mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi eine Vereinbarung unterzeichnen, welche die ägyptischen Fliegerhorste künftig für russische Kampfflugzeuge öffnet.

Vor zweieinhalb Jahren, bei seinem ersten Besuch in Kairo, verriet nur ein kurzes, verächtliches Zucken in den Mundwinkeln, was Wladimir Putin wirklich dachte. Neben ihm auf der Ehrentribüne stand mit versteinerter Miene Gastgeber und Ex-Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi, während das ägyptische Militärorchester bei dem Versuch, die russische Nationalhymne zu spielen, in ohrenbetäubendem Gequake versank.

Umso mehr werden sich Sisi und seine Getreuen diesmal bemühen, den richtigen Ton zu treffen, wenn der Kreml-Herrscher heute zum zweiten Mal am Nil erscheint. Denn mittlerweile ist Putin nicht nur in Kairo, sondern auch anderenorts im Nahen Osten ein gefragter Mann, der es mit vielen Seiten kann, während sich die USA unter Donald Trump immer mehr ins Abseits manövrieren.

In Syrien steht der Kreml-Chef eisern an der Seite von Baschar al-Assad, unterhält trotzdem enge Beziehungen zu Israels Premier Benjamin Netanjahu und zum türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan, mit dem er in Sotschi einen Syriengipfel plant. Auf dem Weg von Moskau nach Kairo macht der Kreml-Chef am Montag eigens einen Kurzstopp in Ankara, weil ihn Erdogan wegen des Jerusalem-Konflikts darum bat. Im vergangenen Oktober reiste sogar der 81-jährige König Salman als erster Monarch Saudi-Arabiens nach Moskau, obwohl Riad als engster Verbündeter der USA die russische Expansion in der Region mit Argwohn verfolgt, nicht zuletzt in Ägypten.

Kalter Krieg am Roten Meer

Ägyptens Führung unter Präsident Sisi setzt vor allem auf eine engere militärische Zusammenarbeit mit der östlichen Grossmacht, um den amerikanischen Einfluss zu kontern. Zudem will Kairo endlich grünes Licht für die Rückkehr der russischen Pauschaltouristen zum Roten Meer, die vor dem Terrorabsturz einer Chartermaschine im Oktober 2015 das grösste Kontingent ausländischer Feriengäste waren. Doch Putins Preis für das Ende der gut zweijährigen Reisesperre ist hoch.

Zum einen verlangt er Ägyptens Unterschrift unter den Auftrag für einen Atomreaktor am Mittelmeer durch den russischen Energiegiganten Rosatom. Der geplante Meiler in Al-Dabaa westlich von Alexandria zählt neben einer bereits im Bau befindlichen Anlage in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu den ersten kommerziellen nuklearen Kraftwerken der arabischen Welt.

Horrende Kosten für Atomkraft

Saudi-Arabien und Jordanien hegen ebenfalls Atompläne, während Kuwait, Oman und Qatar nach der Katastrophe von Fukushima absprangen. Die Kosten für Al-Dabaa, dessen vier Reaktoren zusammen 4800 Megawatt Strom liefern sollen, belaufen sich auf 26 Milliarden Euro, die zu 85 Prozent von Russland finanziert werden. Die Bauzeit ist auf zwölf Jahre veranschlagt, vom 13. Jahr an muss Ägypten 20 Jahre lang den Kredit aus Einnahmen seines neuen Stromgiganten zurückzahlen. Siemens dagegen baut zusammen mit dem einheimischen Orascom-Konzern gegenwärtig in Ägypten drei Gaskraftwerke für je 4800 Megawatt, die pro Stück nur rund drei Milliarden Euro kosten.

Zum anderen will Putin mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi eine fertig ausgehandelte Militärvereinbarung in Kraft setzen, die erstmals seit 1973 wieder ägyptische Fliegerhorste für russische Kampfflugzeuge öffnet. Der Vertrag würde Moskau eine bewaffnete Präsenz am Nil erlauben, wie es sie seit dem Ende der Zusammenarbeit unter Präsident Anwar Al-Sadat vor mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr gab.