Ausdrücklich bezeichnete er diesen Schritt im Armee-Radio als Reaktion auf eine Aktion von israelischen Neu-Berlinern, die ihre Landsleute auf Facebook zur Flucht vor den hohen israelischen Lebenshaltungskosten in die deutsche Hauptstadt aufrufen.

Lapid äusserte Verständnis für diejenigen, "die ständig auf der Suche nach den günstigsten Preisen sein müssen". Aber dennoch wolle er hinzufügen: "Die Frage, ob junge israelische Juden nach Berlin auswandern, dreht sich doch nicht nur um Lebenshaltungskosten."

Ausgerechnet in die Hauptstadt des Holocaust

Dass ausgerechnet Berlin mit seinem geschichtlichen Erbe der Zufluchtsort für Juden sein soll, hatte zuvor in Israel viele verstört und verärgert.

Bildungsminister Schai Piron sagte im Armee-Radio, die Äusserungen der nach Berlin Ausgewanderten hätten ihn "sehr, sehr aufgewühlt. Wenn der Tag kommt, an dem unsere Zugehörigkeit zum Staat Israel nur noch von wirtschaftlicher Zweckmässigkeit abhängt, dann wird es hier sehr problematisch werden."

Auf dem Pflaster von SA und SS

Das latente Unbehagen in Israel über die vielen tausend jungen Israelis, die in den vergangenen Jahren nach Berlin gezogen sind, ist durch die neue Kampagne auf Facebook verstärkt worden. In ihr fordern Israelis ihre Landsleute zum Preisvergleich auf und bieten Beratung beim Umzug an die Spree an.

Auf der Titelseite der Tageszeitung "Maariv" hiess es am Montag in einem Kommentar: "Es ist unverständlich, dass 75 Jahre nachdem das Berliner Pflaster unter den Stiefeln der Sturmabteilung und von Hitlers SS erzitterte, Israelis - als ob nichts passiert wäre - zuhauf zurück nach Berlin drängen."