Am Montagabend um 19 Uhr (Ortszeit), mitten im Stossverkehr und im Herzen von Bangkoks Downtown, haben Unbekannte eine Bombe mit einer Sprengkraft von fünf Kilogramm TNT gezündet. Die Zerstörungen erinnerten an Terrorattentate in Nahost. Mindestens 19 Menschen kamen ums Leben, 81 Verletzte mussten auf 14 Spitäler verteilt werden. Mehrere thailändische Medien berichteten sogar von 27 Toten. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
Jedoch bestätigten die Militärbehörden, dass es sich um ein Bombenattentat handelte. Zugleich beeilten sie sich, nicht Terrorismus, sondern politische Motive für die Tat verantwortlich zu machen. Die Attentäter hätten der Nation schaden und insbesondere die Wirtschaft und den Tourismus zerstören wollen.

Weitere Bombenfunde dementiert

Unter den mehrheitlich thailändischen Opfern befinden sich offenbar drei chinesische Touristen, ein Filipino und zwei noch nicht identifizierte Personen. Der Sprengsatz detonierte in unmittelbarer Nähe des berühmten Erawan-Schreins an der Strassenkreuzung Ratchaprasong, einem bei ausländischen Touristen und Thailändern gleichermassen beliebten Gebiet. In ersten Berichten war von weiteren Bomben die Rede, die in der Umgebung gefunden und entschärft worden seien. Das wurde aber später von den Behörden dementiert.

Beim prächtigen Erawan-Schrein, der mit seinen Betenden, Blumengirlanden, dichten Räucherstäbchenschwaden und traditionellen Tänzerinnen täglich Tausende von Menschen anzieht, boten sich Bilder des Grauens. Sanitäter und Sicherheitskräfte begannen rund eine Stunde nach dem Attentat, Körperteile von der Strasse aufzulesen. Die Militärregierung verzichtete darauf, nach dem Putsch vom Mai 2014 erneut den Notstand auszurufen. In einem weiten Gebiet wurden jedoch umgehend Checkpoints eingerichtet. Schulen, Regierungseinrichtungen und Finanzinstitute in unmittelbarer Nähe sollen am Dienstag geschlossen bleiben. Das Leben gehe aber «wie bisher weiter», verlautete aus dem Bangkoker Verteidigungsministerium.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Bekennerschreiben sind in solchen Fällen in Thailand normalerweise auch nicht üblich. Doch die Ermittler erzielen bei der Jagd auf Bombenattentäter und politische Aufrührer erfahrungsgemäss ziemlich rasch Fortschritte. In Bangkoks Downtown leuchten Überwachungskameras praktisch jeden Winkel aus. Nach Angaben des Bangkoker Gouverneurs Sukhumbhand Paribatra wurden die Videoaufzeichnungen umgehend der Polizei übergeben.

Bombenexplosion in Bangkok

Bombenexplosion in Bangkok

Drei mögliche Motive

Der thailändische Sicherheitsrat sprach von drei möglichen Motiven: ein politischer Konflikt, Konflikte zwischen Behörden sowie internationaler Terrorismus. Die beiden Letzteren scheinen unwahrscheinlich. Zumal politisch motivierte Bombenanschläge in Bangkok keinesfalls neu sind. Überraschend am Anschlag vom Montag ist lediglich, dass es zuvor eine relativ lange Phase der Ruhe gegeben hatte, die auf den Putsch vom Mai vergangenen Jahres folgte.

Seither unternehmen die Militärs alles, um ganze Industriesektoren zu kontrollieren und lukrative Infrastrukturverträge einzusacken, während Wahlen und die Rückkehr zur Demokratie auf die lange Bank geschoben werden. Höchste Priorität habe die Stabilität, beteuert Juntaführer Prayuth Chan-ocha unentwegt. Doch immer deutlicher machen sich in Thailand die Folgen der langen politischen Missbräuche und Regierungsunfähigkeit bemerkbar: Das Bildungsniveau ist tief, die Institutionen schwach und es fehlen moderne Gesetze, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten, was im Verbund mit der Quasi-Militärdiktatur dazu führt, dass die Exporte sinken und die Investitionen zurückgehen.

Dennoch bleibt Thailand fest im Griff der Generäle, die auch beachtliche Erfolge im Kampf gegen die Korruption vorweisen können und sich allgemein als Saubermänner zu geben versuchen. Kritischen Studenten droht jedoch Haft, viele Oppositionelle sind ins Exil geflohen und in der Öffentlichkeit findet praktisch keine politische Diskussion statt. Im ganzen Landen befinden sich zahllose Aktivisten in Gewahrsam der Sicherheitsbehörden – zwecks «Anpassung des Verhaltens».

Es gibt daher in Thailand eine ganze Reihe von unterdrückten Gruppierungen, denen an einer Destabilisierung des Landes gelegen sein könnte. Von der breiten Bevölkerung werden sie allerdings nicht unterstützt. Der Mehrheit der Thailänder ist Stabilität wichtiger als Demokratie, die in Thailand noch immer Tür und Tor für Missbräuche öffnete.