„Thronfolger zu sein, bedeutet nicht zu warten", sagte Spaniens Kronprinz Felipe einmal. „Sondern sich darauf vorzubereiten, irgendwann König zu sein." Felipe, der 46 Jahre alt ist, wurde praktisch seit seiner Geburt mit einer Eliteausbildung dafür präpariert, Spaniens König und damit Staatsoberhaupt zu werden. Er gilt nahezu als der perfekte Prinz: diplomatisch und sympathisch. Weibliche Fans rufen ihm auf der Straße sogar das Kompliment „guapo" (Hübscher) zu.

Nun, nachdem sein 76-jähriger Vater Juan Carlos die Abdankung ankündigte, ist der große Augenblick für den Kronerben gekommen: Felipes größte Herausforderung als Spaniens neuer König wird dann sein, Spaniens wankende Monarchie vor dem weiteren Absturz und vielleicht sogar Untergang zu retten. Er gilt als Hoffnungsträger der Monarchisten.

Mangel an Erfahrung hat Felipe, der mit seinen 1,97 Metern übrigens der größte Thronfolger der Welt ist, sicherlich nicht. Er vertritt als „Vizekönig" schon länger seinen schwächelnden Vater. Und er hat sich bei offiziellen Anlässen in der Nation wie im Ausland Ansehen und Achtung erworben. Die Hofexperten bescheinigen, dass er seine lange Prüfungstrecke als „Königslehrling" mit Bravour bestand.

Der Einfluss Letizias

Gerade erst, am 22. Mai 2014, feierte Felipe seine „Rosenhochzeit" mit der bürgerlichen Fernsehjournalistin Letizia (41), die er vor zehn Jahre geheiratet hatte. Vor allem dem Einfluss der bodenständigen Letizia wird zugeschrieben, dass der Adelsspross, der früher als steif und verwöhnt galt, heute sehr viel lockerer und volksnäher auftritt.

„Die Prinzessin", berichtet man am Hofe, „hat Felipe in die Wirklichkeit zurückgeholt." Felipe wirke ausgeglichener und offener als je zuvor, wird gelobt. Letizia korrigiert angeblich sogar Felipes Redemanuskripte und soll die Hosen in der Ehe anhaben.

Schon bei der gemeinsamen Hochzeitsankündigung vor über einem Jahrzehnt ließ Letizia durchblicken, dass sie eine ziemlich emanzipierte Frau ist: Sie fuhr Felipe mit dem legendären Satz „Lass mich mal ausreden" über den Mund, als dieser sie unterbrechen wollte.

Skandalen geschickt ausgewichen

Felipe hat sich derweil einen Ruf als tauglicher Thronfolger erarbeitet: Er gilt, den Umfragen zufolge, inzwischen als beliebtestes Mitglied der Royals. Etwa zwei Drittel der Bürger haben eine positive Meinung über den sportlichen Königsspross. Alle Skandale des Palastes überstand der Thronerbe unbeschadet.

Felipe mied jeglichen Kontakt mit dem schwarzen Schaf der Familie, dem königlichen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin, welcher des Betrugs und der Korruption beschuldigt wird. Auch mit seiner Schwester Cristina und Urdangarins Ehefrau, die ebenfalls in die Affäre verwickelt ist, spricht er nicht mehr viel. Zu den Fehltritten seines Vaters schwieg er vornehm.

Gerüchte über Ehekrise

Letizia schaffte es bisher nicht, die Herzen der Spanier landesweit zu erobern und ist weniger populär. Vielleicht weil sie sich so krampfhaft bemüht, eine perfekte Prinzessin zu sein, dass dabei zuweilen ihre Natürlichkeit auf der Strecke bleibt. Aber wohl auch, weil sie meist im Schatten ihres Mannes steht. Dabei hat sie längst ihren eigenen Job: Sie engagiert sich für sozial Benachteiligte, Kranke und setzt sich für Bildung ein.

In den letzten Monaten berichteten Spaniens Medien immer wieder, dass Felipes Eheleben mit Letizia nicht in Ordnung sei. Von „Streit", „Krise" und zunehmend „getrenntem Leben" war die Rede. Man weiß, dass es der aus einfacher Familie stammenden Letizia nicht leicht gefallen war, sich an die strengen Regeln des königlichen Protokolls zu gewöhnen.

Offenbar waren dies mehr als Gerüchte, denn der Palast sah sich zu einer königlichen Erklärung genötigt: „Wie in jeder Ehe durchlebt auch das Prinzenpaar Höhen und Tiefen."