Libyen

Warum Gaddafi von Japan profitiert

Er ist der heimliche Profiteur der Katastrophe, die sich gegenwärtig in Japan abspielt: Muammar Gaddafi. Seit Japan vom Tsunami erschüttert wurde, schaut die Menschheit am libyschen Bürgerkrieg vorbei.

Der libysche Diktator erobert sich Stadt um Stadt zurück, unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, die sich den horrenden Folgen von Japans Tsunami zugewendet hat. Gestern fiel Brega, berichtet die Nachrichtenagentur «AFP», unbestätigt bleibt die Meldung der Rebellen, wonach die Stadt zurückerobert worden sei. Die Aufständischen in Bengasi - jene Stadt, die zuerst gefallen ist - zittern jetzt vor Gaddafis Truppen.

Gut möglich, dass der Pontifex maximus aus Tripolis fernab vom Weltgeschehen mit ungezähmter Gewalt die Stadt zurückerobert. Bereits meldet das libysche Staatsfernsehen, dass die Rebellen aus Brega vertrieben worden seien.

Andere Quellen, wie etwa der Nachrichtensender «Al-Arabija» unter Berufung auf die Rebellen, meldet, die Offensive der Regierungstruppen gegen die Stadt Misurata, die letzte Aufständischen-Hochburg im Westen des Landes, sei ins Stocken geraten. Etliche Soldaten der Elite-Brigade von Gaddafi-Sohn Chamis hätten gemeutert.

Doch noch ein Flugverbot?

Nichtsdestotrotz soll sich der UN-Sicherheitsrat heute mit einer Sondersitzung zur Krise in Libyen befassen. Morgen Dienstag findet der Gipfel der Arabischen Liga statt, jener Gruppierung, die unter anderem schon vor Wochen ein europäisches Flugverbot für Libyen gefordert hat. Das wiederum wird auch Thema des Aussenministertreffens der G8 sein, das heute Abend in Paris beginnt.

Die Teilnehmer, unter ihnen auch der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle, werden voraussichtlich weiter über eine Flugverbotszone für Libyen diskutieren, die international allmählich an Zustimmung gewinnt, bisher aber keine Konkretisierung erfuhr. Fraglich ist allerdings dessen erneute Durchsetzung. Denn Russland und China haben bislang immer Bedenken bezüglich einer solchen Massnahme geäussert. Und während Frankreich und Grossbritannien sich für ein Flugverbot stark machen, zeigen sich auch die USA und Deutschland zurückhaltend. Gut möglich also, dass Japan auch weiterhin im Fokus der Weltöffentlichkeit bleiben wird, und der Krieg in Libyen sich in die Reihe der vergessenen Kriege und Konflikte einreihen wird - Tragödien unter Aussschluss der Weltöffentlichkeit.

Denn: Mehr als 2000 Menschen sterben jeden Tag durch die Folgen bewaffneter Kämpfe. Mindestens 740'000 Opfer von Krieg und gewaltsamen Auseinandersetzungen zählt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in einem einzigen Jahr. Allein für 2009 listet das Deutsche Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung weltweit 31 grössere Konflikte auf - deren blutige Konsequenzen dem Auge der Weltöffentlichkeit allzu oft entgehen.

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