2034 wird das letzte helvetische Atomkraftwerke vom Netz genommen. Doch während sich die Schweiz langsam aus dem atomaren Zeitalter verabschiedet, werden andernorts auf Hochtouren neue Atomreaktoren entwickelt.

Energiewende? Atomausstieg? Das sind in Ländern wie Russland, China oder Amerika Fremdwörter. 447 Kernkraftwerke gibt es derzeit weltweit, mehr als 100 davon stehen in den USA. China hat alleine im vergangenen Jahr drei neue Reaktoren eingeweiht, 19 weitere werden laut nuklearforum.ch derzeit im Riesenreich aufgestellt. Und auch in Europa tüftelt man fleissig an neuen atomaren Wunderwerken. England baut an seiner Südwestküste gerade das HinkleyPoint-Atomkraftwerk, den mit knapp 26 Milliarden Franken teuersten Nuklearreaktor der Welt. Und Frankreich plant mit dem «Flexblue»-Reaktor das erste Unterwasser-Atomkraftwerk, das direkt auf dem Grund des Ozeans installiert werden soll.

Am innovativsten in Sachen nukleare Neuerungen zeigen sich aber die Russen. In Putins Landen arbeiten die Ingenieure derzeit am ersten schwimmenden Kernkraftwerk der Welt. «Akademik Lomonosov» heisst das nukleare Schiff, das derzeit im Hafen der Stadt Murmansk nahe der finnischen Grenze ankert. Zwei kleine Reaktoren, wie die Russen sie für den Antrieb ihrer Atom-U-Boote brauchen, sind darauf zu einem Kraftwerk verbaut worden. Bereits 2019 will die russische Atombehörde Rosatom mit dem schwimmenden Kraftwerk in die sibirische Hafenstadt Pewek fahren und die dortige Bevölkerung mit Strom versorgen.

Tsunami-sichere Nuklear-Inseln

Über einen speziellen Anschluss im Schiffsrumpf kann der Strom direkt ins lokale Stromnetz eingespeist werden. 70'000 Haushalte sollen auf diesem Weg mit Elektrizität versorgt werden. Rosatom will die 21'000 Tonnen schweren Stahl-Kraftwerke bald seriell herstellen. Kostenpunkt: unklar.

Die Wasser-Disziplin des nuklearen Wettrüstens scheinen die Russen für sich entschieden zu haben. Jacopo Buongiorno, Forscher an der US-Elite-Universität MIT, sagte der «New York Times»: «Die Russen sind uns um Lichtjahre voraus.» Doch die Amerikaner, die bereits Ende der 60er-Jahre mit mobilen Reaktoren Energie für den Bau des Panama-Kanals produziert hatten, wollen aufholen. «Offshore Floating Nuclear Plants» («Auf dem Wasser schwebende Kernkraftwerke», OFNP) nennt Buongiorno die Reaktoren, die er mit seinem MIT-Forscherteam entwickeln will. Ähnlich wie Ölplattformen sollen sie im offenen Meer schwimmen und über Unterwasserleitungen küstennahe Städte mit Strom versorgen. Die OFNPs seien erdbebensicher, und selbst Tsunamis wie jener, der 2011 die Katastrophe von Fukushima verursacht hatte, könnten ihnen nichts anhaben. Wann das erste schwimmende Kraftwerk «Made in the USA» auf den Markt kommt, ist unklar.

Bis 2120 soll das finnische Endlager «Onkalo» fertiggebaut sein.

Bis 2120 soll das finnische Endlager «Onkalo» fertiggebaut sein.

Für die Schweiz viel relevanter sind die aktuellen Geschehnisse in Finnland. Dort wird seit 2004 das erste atomare Endlager der Welt gebaut. Das Tiefenlager mit dem Namen «Onkalo» («kleine Höhle») soll die atomaren Abfälle Finnlands auf eine Million Jahre hinaus sicher verwahren können. Fertiggestellt wird es voraussichtlich im Jahr 2120. Dann sollen die Höhlen mit einem Tongemisch zugeschüttet und die atomaren Altlasten (fast) bis in alle Ewigkeit vergessen gemacht werden.