Die jungen Männer beschuldigten den Vater, der seinen Sohn auf dem Arm hielt, er habe das Kind gestohlen, berichtet die Belgrader Zeitung «Blic».

Nachdem er mit der Polizei gedroht habe, hätte die Gruppe sich entfernt, sagte der Vater Stefan Nikolic.

Er habe mit seiner Frau Jovanka vor dem Haus gestanden, als ein etwa 25-jähriger Mann auf ihn zugekommen sei und wissen wollte, woher er das Kind habe. «Ich habe vor Angst nicht gewusst, was tun, denn er hat auf meinen Jungen gezeigt.»

Als er sich geweigert habe, das Kind herzugeben, hätten die jungen Männer ihm 100 Euro dafür geboten.

«Ich habe das gar nicht glauben wollen.» Dann habe er mit der Polizei gedroht, so der Vater. Einer der Skinheads habe sich daraufhin als Polizist ausgegeben. Erst als er mit dem Handy den Polizeiruf gewählt habe, habe die Gruppe sich zerstreut.

Bestandteil von Märchen-Folklore

Obwohl Roma auf dem Balkan häufig als «schwarz» bezeichnet werden und sich auch selbst manchmal so nennen, sind blonde Haare und blaue Augen in der Volksgruppe keine Seltenheit.

Eine bevölkerungsgenetische Untersuchung der Forscherin Luba Kalydijewa an einer Roma-Population in Bulgarien hat ergeben, dass rund die Hälfte von deren Vorfahren sich vom Erbgut her von der übrigen bulgarischen Bevölkerung nicht unterscheiden.

Historischer Hintergrund ist der jahrhundertelange Status der Roma als sesshafte, leibeigene Landarbeiter. Bis weit ins 20. Jahrhundert bezeichnete das Wort «Zigeuner» keine ethnische Gruppe, sondern einen sozialen Stand.

Der Raub «weisser» Kinder durch Roma ist in vielen europäischen Ländern Bestandteil der Märchen-Folklore. Wirkliche Fälle sind nicht dokumentiert.

Bettelnde und stehlende Kinder aus Südosteuropa, die in einigen europäischen Städten aufgegriffen wurden, befanden sich so gut wie immer gemeinsam mit ihren Eltern oder anderen Verwandten im Land.

Das gilt auch für die grosse «Operation Golf» der Londoner Polizei im Jahr 2010, bei der 28 Kinder aufgegriffen wurden.

In Familien in südosteuropäischen Slums muss nicht immer die Mutter die Hauptbezugsperson eines Kindes sein.

Oft wird diese Rolle auch von einer Tante oder der Grossmutter wahrgenommen. Auch informelle Pflegeverhältnisse zu nicht verwandten Kindern sind keine Seltenheit.