Nepal

Vorher – Nachher: Nach dem grossen Beben liegt eine Kultur in Trümmern

Tempel, Klöster, Königsstädte: Nepals Kulturerbe ist enorm reich. Was ist zerstört?

Nepal ist nicht nur das Land der hohen Berge, sondern auch der Hochkultur. Hunderte, ja Tausende Jahre alt sind die Ursprünge der Tempelanlagen, Königspaläste und Klöster. Sie sind in diesem armen Land nicht nur für die eigene Geschichte wertvoll, sondern auch als Magnet für Touristen.

Allein sieben Anlagen im Kathmandu-Tal sind im Unesco-Verzeichnis des Weltkulturerbes zu finden. Was davon genau zerstört ist, ist im Moment noch nicht abschätzbar. Von grossen Schäden an «Nepals unersetzlichem Kulturerbe» sprach UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Lebendige alte Städte

Einige wenige Bilder kursieren im Netz, und in den sozialen Medien werden Meldungen fleissig weitergereicht. Doch was stimmt? Was in den drei Königsstädten Kathmandu, Lalitpur und Bhaktapur steht noch? Schrecklich ist das Bild des Maju-Deval-Tempels an Kathmandus Durbar-Platz – eine der berühmten gestuften Pagoden – von dem nur noch ein Teil des Sockels steht.

Dharahara – der Kathmandu Tower im Jahr 2009

Dharahara – der Kathmandu Tower im Jahr 2009

Dharahara wurde 1832 gebaut.

Auch der Tempelkomplex Swayambhunat im Westen Kathmandus soll stark beschädigt sein, immerhin stehe die wichtige, turmförmige Stupa noch. Und die zweite grosse Stupa der Stadt? Die Boudhanath Stupa, das wichtigste tibetische Heiligtum ausserhalb Tibets? Es sei in Mitleidenschaft gezogen, lesen wir aus diversen Quellen. Ein Bild auf Twitter zeigt nur Trümmer, ob die Stupa selber in sich zusammengebrochen ist oder der Trümmerhaufen von Nachbarbauten stammt, lässt sich nicht eruieren. Welch ein Schock muss es für die Bewohner der Stadt sein, die immer morgens und abends den Kuppelbau betend umrundeten – unbeeindruckt von den staunenden Touristen.

Trotzdem ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen für das arme Land. Und so erzählte man den Gästen stolz, wie man die historischen Zeugen nach dem verheerenden Erdbeben 1934 während Jahrzehnten wieder aufgebaut hatte.

Der grösste Teil der historischen Bauten stammt aus der Zeit der Malla-Königs-Dynastien, vom 12. bis 18. Jahrhundert. Gebaut wurde aus Holz und Backstein. Bestaunenswert sind vor allem die Holzschnitzereien, sei es an Tempelgiebeln, raffinierten Fenstergittern von profanen Bauten oder an Türen zu den Königspalästen.

Faszinierend in Kathmandu und vor allem in Bhaktapur sind weniger die einzelnen Gebäude als die Ensembles, also die weitläufigen Tempelanlagen, sowie die von unterschiedlichsten hinduistischen und buddhistischen Heiligtümern umgebenen Plätze. Sie sind zudem nicht nur tote Zeugen der Vergangenheit, nicht museale Gebilde, sondern hier wird gelebt und gearbeitet, gebetet – und die Toten werden verbrannt. Das ist nun, in den Tagen nach dem Erdbeben, sonder Zahl nötig. Meist passiert das im Pashupatinath-Tempel, der am heiligen Fluss Bagmati etwas ausserhalb Kathmandus liegt. Auch davon zirkulieren neuere Bilder, und sie zeigen, dass dieses über Nepal hinaus wichtige Heiligtum grösstenteils noch steht.

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