Jahrelange Verhandlungen

Vor der Antarktis soll das grösste Meeresschutzgebiet der Erde entstehen

Pinguine nisten in der Antarktis. Dort soll das grösste Meeresschutzgebiet der Erde entstehen. Darauf haben sich 24 Staaten und die EU nach vierjährigen Verhandlungen geeinigt.

Pinguine nisten in der Antarktis. Dort soll das grösste Meeresschutzgebiet der Erde entstehen. Darauf haben sich 24 Staaten und die EU nach vierjährigen Verhandlungen geeinigt.

Vor der Küste der Antarktis soll das grösste Meeresschutzgebiet der Erde entstehen: Das Schutzgebiet im ökologisch bedeutsamen Rossmeer soll 1,55 Millionen Quadratkilometer umfassen. Dies sieht eine Vereinbarung vor, auf die sich 24 Staaten und die EU nach jahrelangen Verhandlungen am Freitag in der australischen Stadt Hobart verständigt haben.

Die ausgewiesene Zone ist etwa so gross wie Grossbritannien, Deutschland und Frankreich zusammen. Im grössten Teil des neuen Schutzgebiets - 1,12 Millionen Quadratkilometer - soll jeglicher kommerzieller Fischfang künftig verboten sein. Nur zu Untersuchungen über die Fischpopulationen dürfen in Randgebieten kleine Mengen Fisch und Krill entnommen werden.

"Marineschutzzonen sollen die Meereslebewesen schützen, die Artenvielfalt, den Lebensraum, Futter- und Brutplätze", teilte die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) mit. "Solche Zonen können dazu beitragen, Fischpopulationen wieder aufzubauen."

Die Verhandlungen im Rahmen der CCAMLR hatten 2012 begonnen. Zuletzt hatte sich nur noch Russland gegen die Ausweisung des Schutzgebiets gewandt, weil es Nachteile für seine Fischereiflotte fürchtete. Der nun gefundene Kompromiss bringe "den Schutz des Meeres, nachhaltige Fischerei und die Interessen der Forschung in ein Gleichgewicht", sagte der neuseeländische Aussenminister Murray McCully in Hobart.

Letzter Widerstand aufgegeben

Die Beschlüsse der Kommission, der 24 Staaten sowie die EU angehören, erfordern Einstimmigkeit der Mitglieder. Die CCAMLR war vor rund zehn Tagen bereits mit grossen Hoffnungen in ihre Jahrestagung gestartet.

Zum einen hatte Peking schon vorher dem Projekt zugestimmt, zum anderen hatte US-Präsident Barack Obama im August mit der Schaffung des bis dato weltweit grössten Meeresschutzgebiets vor Hawaii für neuen Schwung gesorgt. Und auch Moskau zeigte inzwischen verstärktes Interesse am Umweltschutz: 2017 etwa erklärte es zum "ökologischen Jahr in Russland".

"Wir haben mit den Russen viel diskutiert", sagte der Leiter der US-Delegation in Hobart, Evan Bloom. Nach seinen Angaben hatte sich US-Aussenminister John Kerry als langjähriger Ozean-Schützer persönlich bei seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow und Präsident Wladimir Putin dafür eingesetzt, dass Russland seinen Widerstand aufgibt.

Unberührtes Ökosystem

Das antarktische Rossmeer gilt als eines der letzten unberührten maritimen Ökosysteme. Dort leben nach Angaben der Umweltorganisation WWF neben vielen Robben-, Wal- und Seevögelarten ein Drittel aller Adelie-Pinguine, ein Viertel alle Kaiserpinguine sowie gigantische Schwärme von Krill.

Zahlreiche Länder unterhalten in der Antarktis einige Dutzend Forschungsstationen. Sie untersuchen unter anderem die Folgen des Klimawandels auf die Meere. Durch die Erwärmung der Meere dürften viele Arten aus anderen Meeresregionen zudem zum Überleben in die kälteren Gefilde rund um die Antarktis wandern, glauben Forscher.

Die Antarktis ist internationales Gebiet. Der Antarktisvertrag von 1959 bestimmt, dass das Gebiet nur zu friedlichen Zwecken genutzt werden darf.

Umweltschützer zufrieden

Das Rossmeer wurde nach seinem britischen Entdecker James Clark Ross (1800-1862) benannt. Dessen Nachfahrin Philippa Ross erklärte, die Familie sei über den Schutz begeistert. Auch Umweltschützer begrüssten die Entscheidung.

Die CCAMLR habe "Geschichte geschrieben", erklärte die einflussreiche US-Organisation Pew Charitable Trusts. Der Projektleiter der Antarctic Ocean Alliance, Mike Walker, sprach von einem "bedeutenden" Ergebnis.

Der Meeresschutzexperte des WWF Deutschland, Stephan Lutter, wies allerdings darauf hin, dass die Vereinbarung zunächst auf 35 Jahre befristet sei. Meeresschutz aber vertrage "kein Verfallsdatum". "Das Rossmeer ist nur der Beginn", sagte Luis Morago, der Leiter des Kampagnen-Netzwerks Avvaz, das sich für das Meeresschutzgebiet eingesetzt hat.

Tatsächlich gibt es bereits Pläne für ein weiteres Schutzgebiet in der Ostantarktis im Umfang von einer Million Quadratkilometer. Doch erreichte die Kommission bei ihrer Tagung in Hobart noch keine Einigung. Der CCAMLR liegt zudem ein Schutzgebietsvorschlag für das Weddellmeer, das grösste Randmeer des Antarktischen Ozeans, vor.

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