Minen-Unglück

Vor dem Bohrer in der Mine in Chile liegen noch 80 Meter

Journalisten stehen am Eingang zur Mine, in der die Bergleute verschüttet wurden

Journalisten stehen am Eingang zur Mine, in der die Bergleute verschüttet wurden

Im «Camp Esperanza» steigt die Spannung. Seit Wochen zelten die Angehörigen der verschütteten Kumpel bei der Mine San José in der chilenischen Atacama-Wüste. Nun zählen sie die Stunden: Noch 80 Meter Gestein trennten am Donnerstag den schnellsten Bohrer von den Bergleuten.

Schon am Mittwoch waren bei der Mine spezielle Schutzbrillen eingetroffen, welche die Augen der Geretteten beim ersten Kontakt mit der Aussenwelt von schädlichen UV-Strahlen schützen sollen. Ein Lazarett ist fast fertiggestellt, fünf Helikopter für den Transport in ein Spital sind startbereit.

Gefahr im Rettungsschacht

Aber noch wagt niemand zu sagen, wann die 33 Kumpel wirklich wieder das Tageslicht erblicken. Die schnellste der drei Bohrungen könnte zwar schon am Freitagabend oder Samstagmorgen einen Werkstattraum in 628 Meter Tiefe erreichen, zu dem die Kumpel Zugang haben.

Bevor die Eingeschlossenen geborgen werden können, muss mit Hilfe von Videokameras die Innenwand des Schachtes auf poröse Stellen und lockere Steine untersucht werden. Ein in die Tiefe stürzender Felsbrocken oder Geröll, das den Schacht erneut blockiert, könnten fatale Folgen haben.

Ist die Wand stabil genug, könnten die Bergleute in einer Rettungskapsel einer nach dem anderen nach oben gezogen werden. Wenn nicht, müssten Stahlrohre eingelassen werden, was die Rettung um vier bis acht Tage verzögern würde. Und dann wird es noch einmal mindestens 24 Stunden dauern, um alle Eingeschlossenen zu bergen.

Heerlager an der Oberfläche

Zurück an der Oberfläche werden die Kumpel das einst einsame Wüstengebiet rund um die Mine nicht wiedererkennen. Die Gegend hat sich inzwischen in ein riesiges Lager aus Bohrtürmen, Wohnmobilen, Satellitenantennen und Chemietoiletten verwandelt. Hunderte Journalisten sind schon an Ort und Stelle, bis zu 2000 Medienschaffende aus der ganzen Welt werden für den Beginn der Rettung erwartet.

Aber auch auf den Medienrummel werden die Bergleute vorbereitet: Es gehe unter anderem darum, wie man auf kritische, aufdringliche oder das Privatleben betreffende Fragen reagiere, sagte Chefpsychologe Alberto Iturra. Für das Wiedersehen mit ihren Angehörigen stehen zudem abgeschirmte Räume zur Verfügung.

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