Raumfahrt

Vor 50 Jahren flog zum ersten Mal ein Mensch ins Weltall

Umjubelter Volksheld Gagarin am 15. Juli 1961 in Moskau.  keystone

Umjubelter Volksheld Gagarin am 15. Juli 1961 in Moskau. keystone

Vor genau 50 Jahren flog der Russe Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall. Es waren 108 Minuten, die die Welt nachhaltig veränderten.

Die Fahrt war ein Staatsgeheimnis und ein Himmelfahrtskommando. Nie zuvor war ein Mensch im Weltall gewesen. Nur Hunde hatten die sowjetischen Raumfahrttechniker in den Kosmos geschossen; die letzten waren immerhin lebend zurückgekehrt.

Doch der 27-jährige Bauernsohn Juri Gagarin gab sich gelassen, als er am 12. April 1961 im orangefarbenen Weltraumanzug die Treppe zur Raketenrampe in der kasachischen Steppe hinaufstieg. «Auf gehts», sagte er kurz vor dem Start in ein Abenteuer, das tödlich hätte enden können. Experten hatten die Chancen auf eine sichere Rückkehr nur mit 50 Prozent eingestuft. Sein Ausflug ins All wurde so streng geheim gehalten, dass nicht einmal seine Frau erfahren durfte, wann es losgehen sollte.

Der gelernte Giessereitechniker und Militärflieger Gagarin war ein knappes Jahr lang auf seinen Einsatz vorbereitet worden. Am Ende, so heisst es, hat man ihn wegen seines ruhigen Temperamentes aus der Gruppe der potenziellen Kosmonauten ausgewählt. Um 9.07 Uhr zündete seine Rakete, stieg auf in All und Gagarin kreiste in der Raumkapsel Wostok (Osten) mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 29000 Kilometern pro Stunde 108 Minuten lang um die Erde. Er funkte unverschlüsselt Koordinaten. Die amerikanische Raumfahrt sollte vom sowjetischen Triumph umgehend erfahren. Dann blieb Gagarin nichts mehr zu tun. Als erster Mensch betrachtete er den Blauen Planeten vom Weltraum aus. Die Formulierung stammt von ihm.

«Genossen, ich brenne»

Pünktlich zündeten die Bremsraketen und es begann die gefährlichste Phase der Fahrt, der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Dann ein Schock: Die Kapsel löst sich nicht, wie geplant, von der Versorgungseinheit und trudelt um die eigene Achse. «Genossen, ich brenne», meldet Gagarin an die Bodenstation. Doch schliesslich schmilzt die Steckverbindung doch noch unter der Hitze des Wiedereintritts. In 7000 Meter Höhe kann Gagarin den Schleudersitz aktivieren und landet mit einem Fallschirm auf einem frisch gepflügten Feld unweit der Wolga. Die Sowjetunion hatte das Rennen um den ersten bemannten Weltraumflug ganz knapp gewonnen. Nur einen Monat später reagierten die Amerikaner mit dem Start des ersten US-Astronauten Alan B. Shepard. Er absolvierte jedoch nur einen 15-minütigen Bogen-Flug ohne Erdumrundung.

Sofort nach der Landung wurde Juri Gagarin, der sympathische junge Mann, zum Volkshelden der Sowjetunion. Noch während des Fluges war er zum Major befördert worden. Bei seiner Rückkehr in die Hauptstadt Moskau jubelten ihm die Massen zu. Sein Gesicht zierte fortan Briefmarken, im gesamten Ostblock wurden Strassen, Plätze und Schulen nach ihm benannt. Allerdings hatte der Ruhm einen hohen Preis: Gagarin durfte nie wieder an einem Weltraumflug teilnehmen. Der Imageschaden wäre zu gross gewesen, wenn ausgerechnet dem Symbol der sowjetischen Raumfahrt etwas zugestossen wäre.

Mythenumrankter, früher Tod

Gagarin starb am 27. März 1968 mit nur 34 Jahren bei einem Übungsflug nahe Moskau. Nach offizieller Lesart war «eine unglückliche Verkettung verhängnisvoller Umstände» der Grund für den Absturz. Seither spinnen sich Mythen um den frühen Tod Gagarins. Er soll Alkoholiker gewesen sein und habe im Rausch das Flugzeug nicht steuern können. Er soll seinen Tod vorgetäuscht haben, um dem Medienrummel zu entrinnen. Ehemalige Mitglieder der staatlichen Kommission, die das Unglück vor 40 Jahren untersucht hatte, stellten vor wenigen Jahren eine neue These auf: Das Cockpit des Militärjets sei undicht gewesen, behaupten sie. Die Piloten hätten deshalb in einen plötzlichen Steilflug übergehen müssen, bei dem sie ohnmächtig geworden seien.

Während die Welt Gagarin feierte, verzichtete die US-Regierung darauf, dem ersten Mann im Weltall zu gratulieren. Unter den Astronauten herrschte allerdings Solidarität über den Eisernen Vorhang hinweg. Neil Armstrong sagte über seinen sowjetischen Kollegen: «Er hat uns alle in den Weltraum gerufen.» Als Zeichen seiner Anerkennung nahm er einen Orden Gagarins mit zum Mond. Es war Gagarins grösster Wunsch gewesen, selbst einmal zum Mond zu fliegen.

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