Die genauen Umstände wurden allerdings nicht genannt. Am 11. Juni hatten IS-Kämpfer bei der Erstürmung der nordirakischen Stadt Mossul im dortigen türkischen Generalkonsulat die Geiseln genommen. Darunter befanden sich der Generalkonsul und seine Familie, andere Diplomaten und Sicherheitskräfte, die zum Schutz des Gebäudes abgestellt waren.

Nun wurden sie in die Stadt Sanliurfa im Süden der Türkei gebracht. Dort kamen sie einem Augenzeugen zufolge in den frühen Morgenstunden in Bussen vor dem Flughafen an. Sicherheitskreisen zufolge wurden die Verschleppten an der Grenze auf syrischem Gebiet freigelassen, nachdem sie aus der ostsyrischen IS-Hochburg Rakka dorthin gereist waren.

Einem Bericht des Senders NTV zufolge zahlte die Türkei kein Lösegeld. Bei der Befreiungsaktion sei es auch nicht zu Zusammenstössen mit den Islamisten gekommen.

"Wochenlange harte Arbeit".

Erdogan unterstrich die Beteiligung des Geheimdienstes MIT, der die Geiselnahme von Beginn an sehr aufmerksam und geduldig verfolgt habe. Die Rettung sei im Voraus geplant gewesen und habe die Nacht über gedauert.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu wollte keine Details preisgeben. "Dies war eine Massnahme, die MIT mit seinen eigenen Methoden durchführte", sagte er lediglich. Die Befreiung sei das Ergebnis "tagelanger, wochenlanger harter Arbeit".

Davutoglu brach eine Aserbaidschan-Reise ab und reiste von Baku aus nach Sanliurfa, wo er mit den freigelassenen Geiseln zusammentraf. Anschliessend machte er sich gemeinsam mit ihnen auf den Weg in die Hauptstadt Ankara.

Zurückhaltung im Kampf gegen IS

Auch mit Verweis auf die Entführten hat sich die Türkei im Kampf gegen IS bislang zurückgehalten. Der Verbündete USA bemüht sich um eine möglichst breite Allianz gegen die Islamistenmiliz.

Diese hatte Anfang Juni binnen wenigen Tagen Mossul und weite Gebiete im Norden und Westen des Iraks in ihre Gewalt gebracht. Die irakischen Regierungstruppen zogen sich vielerorts kampflos zurück. Inzwischen gelang es ihnen aber mit internationaler Unterstützung und der Hilfe kurdischer und schiitischer Milizen, die Dschihadisten teilweise zurückzudrängen.

Der IS kontrolliert grosse Teile Syriens und des Irak, die beide an die Türkei angrenzen. Zuletzt hatten die Extremisten zwei US-Journalisten sowie einen Entwicklungshelfer enthauptet.