Urbild des österreichischen Rechtspopulismus ist der unvergessene Karl Lueger, eigentlich ein „Schwarzer“, der um die Wende zum 20. Jahrhundert Bürgermeister von Wien war und die rasante Modernisierung jener Jahre mit Kraftsprüchen und antisemitischen Ausfällen bemäntelte.

Nach dem Ersten Weltkrieg war es dann das vormals liberale Lager aus den Zeiten der Monarchie, das schrille Töne anschlug und eine große „völkische“ Szene ausbildete.

Bei Wahlen kam es nicht ernsthaft zum Zuge. Adolf Hitler eroberte sein Heimatland nicht mit der Wahlurne, sondern mit der deutschen Wehrmacht. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mehr ideologisch als populistisch weiter. Ehemalige Nazis – zu denen in Dörfern und Kleinstädten oft sämtliche Akademiker gehörten – schlossen sich 1949 zu einem „Verband der Unabhängigen“ zusammen, der dann 1955 in der neu gegründeten „Freiheitlichen Partei Österreichs“ aufging. 

„Freiheitlich“ ist eigentlich eine Übersetzung von „liberal“, hat hier aber einen anderen Klang: Liberale waren schon in der multinationalen Monarchie des 19. Jahrhunderts mehr an „Volkstumsfragen“ als an bürgerlichen Freiheiten interessiert. Neben den klerikal-konservativen Christsozialen und den Sozialisten bildeten sie im kulturell versäulten Österreich das „dritte Lager“. Nicht alle wurden später zu Nazis. Aber dass die Nationalsozialisten ins „dritte Lager“ gehören, steht in Österreich für jedermann außer Frage. Einigendes Band in der Partei war die Auffassung, dass die Österreicher ein Teil der deutschen Nation seien – eine Idee, die vor allem von den starken Burschenschaften gepflegt wurde. 

Als sich in den Siebziger- und frühen Achtzigerjahre die „alten Kameraden“ allmählich zurückzogen, konzentrierte sich die FPÖ zeitweise auf wirtschaftsliberale Themen – und wurde dabei schwächer und schwächer. Hauptfeindbild war nun der ständische Kammerstaat, den Konservative und Sozialisten gemeinsam regierten. Eine Partei nach Art der deutschen FDP wurde mangels liberaler Traditionen und starken Besitzbürgertums trotzdem nicht daraus. 

Die neuere Geschichte der FPÖ beginnt 1986: Auf einem Parteitag schwang sich der damals 36-jährige Oberösterreicher Jörg Haider mit Hilfe einer Garde aus Burschenschaftern zum Vorsitzenden auf. Haider führte die Partei scharf nach rechts, vergraulte nach und nach die Liberalen und erzielte mit ruppigen Anti-Ausländer-Wahlkämpfen rasante Stimmenzuwächse. Mit zunehmender Macht mutete der selbstverliebte Haider aber auch den traditionellen Rechten immer mehr zu, umgab sich statt mit Burschenschaftern lieber mit hippen, ideologisch indifferenten jungen Männern und schaltete von „Deutschnationalismus“ auf „Österreich-Patriotismus“ um. 

Als die Partei 2000 als erste rechtspopulistische in Europa in die Regierung kam, überwarf sich Haider 2005 mit seiner eigenen Ministerriege und gründete ein rein populistisches  „Bündnis Zukunft Österreich“. Der altrechte Kern der Partei, Burschenschafter und Rechtsextremisten inklusive, blieb dagegen bei der FPÖ, jetzt geführt von dem jungen Heinz-Christian Strache. Aber auch Strache, der in seiner Jugend bei einer rechtsextremen Wehrsportgruppe mitgemacht hatte, bemühte sich bald um Emanzipation von der Szene: Wer offen Sympathie zu den Nazis bekundet, fliegt raus. Nationalismus, gerichtet meistens gegen die „EU-Bürokraten“ in Brüssel, und Ausländerfeindlichkeit, neuerdings ganz fokussiert auf „den Islam“, sind nach wie vor die einzigen Themen, mit denen die Partei punktet.